zur Navigation springen

PSA und General Motors : Peugeot kauft Opel und Vauxhall für 1,3 Milliarden Euro

vom

PSA will zum „europäischen Auto-Champion“ aufsteigen. Mittelfristig befürchten die Beschäftigten einen Jobabbau.

Paris/Rüsselsheim | Der französische Autokonzern PSA hat sich mit General Motors (GM) auf die Übernahme des Herstellers Opel verständigt. Der Kaufpreis für die GM-Europasparte mit den Marken Opel und Vauxhall liegt bei 1,3 Milliarden Euro, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. PSA mit seinen bisherigen Marken Peugeot, Citroën und DS will damit zu einem „europäischen Auto-Champion“ und zur Nummer Zwei hinter Volkswagen aufsteigen.

Bei einer Opel-Übernahme durch PSA wird mittelfristig ein Jobabbau befürchtet. Die rund 19.000 deutschen Opel-Beschäftigten sind noch bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Zudem hat sich die Noch-Mutter General Motors bis ins Jahr 2020 tarifvertraglich zu Investitionen und Produktion in den drei deutschen Opel-Werken Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach verpflichtet. Opel hat derzeit gut 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern.

Neben dem Automobilgeschäft erwirbt PSA in einem Joint Venture mit der Großbank BNP Paribas auch das europäische Finanzierungsgeschäft GM Financial, dieses wird mit 0,9 Milliarden Euro bewertet. PSA legt damit insgesamt 1,8 Milliarden Euro auf den Tisch. „Wir sind zuversichtlich, dass der Turnaround von Opel/Vauxhall mit unserer Unterstützung deutlich beschleunigt wird“, erklärte PSA-Chef Carlos Tavares. „Gleichzeitig respektieren wir die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern von Opel/Vauxhall eingegangen ist“ Für Montagvormittag war auch eine Pressekonferenz in Paris angekündigt.

Hintergrund: Die Position von PSA auf dem Automarkt

Durch die Übernahme von Opel durch PSA Peugeot Citroën entsteht der - gemessen am Absatz 2016 - zweitgrößte Autobauer Europas nach der Volkswagen-Gruppe. PSA kommt mit Opel/Vauxhall in den 28 EU-Staaten auf mehr als 2.425.000 verkaufte Autos. Das entspricht einem Marktanteil von 16,6 Prozent. Das errechneten Branchenexperten am Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Für Marktführer Volkswagen hatte der europäische Autoverband Acea 2016 einen Anteil von 23,9 Prozent ermittelt.

Weltweit ist PSA kein vergleichbares Schwergewicht, verbessert seine Position im globalen Ranking der Autohersteller nun aber leicht.

Zusammengenommen wären beide Anbieter im vergangenen Jahr auf einen Gesamtabsatz von knapp 4.126.000 Pkw und leichten Nutzfahrzeugen gekommen. Der Weltmarkt-Anteil von 5,3 Prozent bedeutet aus Sicht von PSA (allein bisher auf Platz 10) ein Aufrücken auf Platz 9 (mit Opel) in der Liste der absatzstärksten Autobauer.

Für den Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) ändert sich so nichts, er bleibt hinter VW und Toyota auch ohne die fast 980.000 verkauften Opel- und Vauxhall-Modelle auf Rang 3. Rechnet man die Zahlen von Renault, Nissan und Mitsubishi zusammen - sie haben eine enge Allianz und erreichen so Platz 3 -, rutscht GM ohne Opel einen Rang abwärts.

Die unterschiedliche Stellung des PSA-Konzerns in Europa und in aller Welt ist etwa im Vergleich zu Volkswagen leicht zu erklären. Während PSA mit den Marken Peugeot, Citroën, DS und Opel/Vauxhall vor allem als Massenhersteller kleiner und mittelgroßer Autos in Europa stark ist, sind beim VW-Konzern auch Übersee-Märkte wie China und die USA für die Luxusmodelle von Audi oder Porsche wichtig.

 

Das Geschäft unterliege noch Bedingungen und Behördengenehmigungen und soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. „Opel/Vauxhall wird auch weiterhin von den Urheberrechtslizenzen von GM profitieren, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden“, teilten die Unternehmen mit. GM behält einen großen Teil der Pensionsverpflichtungen in seiner Bilanz. Verpflichtungen im Wert von 3 Milliarden Euro werden an PSA übertragen, dies wird aber vollständig von GM finanziert. Ein Teil des Kaufpreises wird auch mit Optionsscheinen auf PSA-Aktionen im Wert von 0,65 Milliarden Euro bezahlt.

PSA-Chef Carlos Tavares hatte zugesagt, Opel als deutsches Unternehmen zu erhalten. Er hatte aber zugleich angekündigt, Opel müsse sich im Fall einer Übernahme durch PSA weitgehend aus eigener Kraft sanieren.

Opel schreibt seit Jahren rote Zahlen, im vergangenen Jahr stand die GM-Europasparte operativ 257 Millionen Dollar (241 Mio Euro) in den Miesen. PSA dagegen machte unter dem Strich einen satten Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. PSA war selbst in den vergangenen Jahren mit einem harten Sanierungskurs und Stellenabbau in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Mär.2017 | 08:52 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen