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Wirtschaft

24. März 2017 | 16:52 Uhr

Behandlungsfehler : Patienten-Klagen über Ärzte in SH nehmen zu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Falsche Behandlung – Die Zahl der Verdachtsfälle steigt vor allem im zahnmedizinischen Bereich.

Kiel | Die Patienten im Norden werden kritischer. Deutlich häufiger als früher bitten sie ihre Krankenkasse um Hilfe, weil sie Ärzte-Pfusch vermuten. Mal geht es um übersehenes Tumorgewebe im Bauch, mal um wackelnde Zahnprothesen oder den abgebrochenen Bohrer im Wurzelkanal: Wenn Ärzte Fehler machen, hat das für die Betroffenen meist schwerwiegende Folgen.

Allein bei der Techniker Krankenkasse (TK) Schleswig-Holstein stieg die Zahl der vermuteten Behandlungsfehler im Jahr 2016 um 27 Prozent. Waren es im Jahr 2015 noch 155 Patienten, die bei sich eine falsche Behandlung vermuteten, waren es im vergangenen Jahr schon 221. Auch bei Andreas Eilers, Patientenombudsmann für die Region Kiel, Rendsburg-Eckernförde, Plön und Segeberg, spielen Behandlungsfehler in der Beratung eine bedeutende Rolle. Er hat beobachtet, dass die Patienten mutiger werden und schneller als früher überprüfen lassen, ob zum Beispiel Operationsergebnisse so sind, wie sie sein müssten. „Auch der Personalmangel in den Krankenhäusern spielt dabei sicherlich ein Rolle, weil es an Zeit fehlt, wird zu wenig kommuniziert und erklärt“, ist Ehlers überzeugt.

Allerdings sind längst nicht alle vermuteten Fehler auch tatsächlich welche. Ehlers schätzt, dass bei etwa zehn Prozent der beanstandeten Fälle tatsächlich gepfuscht wurde. Johann Brunkhorst, Leiter der TK-Landesvertretung in Kiel warnt, die Zahlen falsch zu interpretieren: „Es handelt sich manchmal um einen schicksalhaften Verlauf. Ob der Arzt dann wirklich etwas falsch gemacht hat, muss ein Sachverständiger abschließend klären.“

Die meisten Verdachtsfälle kommen in Schleswig-Holstein aus dem zahnmedizinischen Bereich (40 Fälle), gefolgt von den Fällen aus der Chirurgie (32 Fälle) und der Orthopädie (21 Fälle). Auch bundesweit zeigt sich mit 4400 vermuteten Behandlungsfehlern ein deutlicher Anstieg (plus ein Viertel). Eine Erklärung dafür könnte laut Brunkhorst sein, dass die TK ihre Versicherten intensiv über Hilfsangebote bei möglichen Fehlbehandlungen informiert habe. Brunkhorst: „Wir gehen fest davon aus, dass sich die Versorgung in den Krankenhäusern und Arztpraxen nicht in diesem Ausmaß verschlechtert hat.“

Vieles spricht dafür, dass tatsächlich die Aufklärungskampagne bei der TK zu dem überraschenden Boom geführt hat. Bei der Schlichtungsstelle der Ärztekammer sind die Zahlen nämlich annähernd konstant und auch die AOK meldet keine dramatische Steigerung. „In rund 80 Prozent der Fälle wurde kein beweisbarer Medizinschaden festgestellt oder es handelte sich um unberechtigte Vorwürfe der Patienten“, sagt Professor Holger Thomsen, Leiter der Medizinschadensstelle der AOK in Kiel. In den verbleibenden 20 Prozent wurden Gutachter eingeschaltet, um der Sache auf den Grund zu gehen und Ansprüche der Patienten und der Kasse zu sichern. Ähnlich wie die Technikerkasse verzeichnet allerdings auch die AOK einen Anstieg der Fälle im Bereich der Zahnmedizin.

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erstellt am 18.Mär.2017 | 07:30 Uhr

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