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Wirtschaft

04. Dezember 2016 | 13:26 Uhr

Hotels in SH : Missbrauch trübt den Glanz der Hotel-Sterne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tricksen bei der Hotel-Klassifizierung sorgt immer wieder für Ärger. Ein neuer Test enttarnt acht Prozent schwarze Schafe.

Kiel/Berlin | Rund 400 klassifizierte Hotels gibt es laut Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Schleswig-Holstein. Legt man die Schummler-Quote von acht Prozent zugrunde, die bei einer bundesweiten Stichprobe im Auftrag des Dehoga herausgekommen ist – dann könnten rein rechnerisch bis zu 32 Beherbergungsbetriebe im nördlichsten Bundesland ihre Sterne zu Unrecht tragen. Weil sie sich die Gütezeichen entweder selbst verliehen haben, eine höhere Kategorie vorgaukeln oder die Klassifizierung abgelaufen ist.

Ob die Zahl der Schwarzen Schafe in Schleswig-Holstein tatsächlich so hoch ist, lässt sich nicht belegen. Der Geschäftsführer des Dehoga-Landesverbands, Stefan Scholtis, hält es für unwahrscheinlich: „Dehoga-intern gelten wir als ein Landesverband, der streng auf die Klassifizierung achtet.“

Von den jetzt konkret unter die Lupe genommenen 3000 Hotels bundesweit liegen nach Scholtis’ Informationen lediglich zwei in Schleswig-Holstein. Allerdings: Dass es immer wieder zu Verstößen kommt, bestätigt auch der Dehoga-Chef im Norden. Zwischen fünf- und 20-mal pro Jahr schreibe der Landesverband Häuser an, weil sie der Aufforderung, eine unzulässige Sterne-Werbung zu unterlassen, nicht nachkommen. Meist gehe es darum, dass eine nach drei Jahren erforderliche neue Prüfung ignoriert werde. Teils machen auch Gäste den Dehoga darauf aufmerksam, dass ein behaupteter Sterne-Status nicht stimmen kann. Wer nach der Intervention immer noch nicht reagiert, riskiert eine Anzeige bei der Bundeszentrale gegen den Unlauteren Wettbewerb. Und damit Strafgelder oder eine Klage.

Anlass für den Dehoga-Check war ein Bericht des ZDF im Juli. Von 251 damals enttarnten Hotels führten auch Wochen später noch 189 unberechtigt die Symbole. Zu den acht Prozent Missetätern bei der Dehoga-Überprüfung sagt Scholtis: „Ein bisschen habe ich es befürchtet – aber letztlich habe ich mich doch erschrocken, dass es so viele sind.“

Das Ergebnis müsse „Anlass sein, einem Missbrauch stärker vorzubeugen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn das Vertrauen in die Sterne verloren geht und damit der Sinn der Klassifizierung.“ Scholtis kündigt an, dass noch vor Ende des Jahres eine Software zum Einsatz kommen soll, die Tricksern systematisch auf die Schliche kommt: Sie gleicht ab, ob ein Hotel seine Sterne tatsächlich führen darf. Zudem soll es unangekündigte Kontrollbesuche geben. Die Klassifizierung durch externe Prüfer kostet Dehoga-Mitglieder 260, Nicht-Mitglieder 500 Euro – plus sechs oder zehn Euro pro Zimmer.

„Der Dehoga muss das Versprechen seiner Sterne einhalten“, drängt auch Vivian Rehder, Sprecherin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, auf mehr Sicherheits-Instrumente. „Der Verband hat die Pflicht, die Verlässlichkeit der Klassifizierung sicherzustellen.“ Gäste könnten sonst den Preis mindern.

Auch wenn sich immer mehr Gäste vor dem Buchen auf Online-Bewertungsportalen informieren, hält Rehder die Sterne nach wie vor für „eine Einordnung, die sehr vielen Verbrauchern etwas sagt“. Und ist sich darin mit Dehoga-Mann Scholtis einig: „Warum würden sich einige wenige Anbieter schwarz Sterne verleihen, wenn die Akzeptanz nicht da wäre?“ fragt er. Die Messlatte sei neutral, da sich die eins bis fünf Sterne nach objektiv nachprüfbaren Kriterien richteten. 270 Punkte gibt es, vor allem rund um die Ausstattung, aber auch Erhaltungszustand und Hygiene. Bei Bewertungsportalen bestehen nach Scholtis Erfahrung deutlich mehr Möglichkeiten zu tricksen – und überdies „nur die subjektive Wahrnehmung“.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 20:25 Uhr

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