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Wirtschaft

09. Dezember 2016 | 06:55 Uhr

Erotik-Konzern Flensburg : Machtkampf um Beate Uhse

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Investoren liehen Beate Uhse 30 Millionen Euro - der Konzern will nicht zahlen. Eine Gläubigerversammlung entscheidet.

Flensburg | Sex sells – diese Hoffnung hatten wohl auch Gläubiger von Beate Uhse, als sie Anteile an der Anleihe des Unternehmens zeichneten. 30 Millionen Euro liehen Investoren dem Erotik-Konzern. Wann und ob sie ihr Geld und die versprochenen Zinsen wiedersehen, ist indes unklar. Beate Uhse will nicht wie versprochen zahlen. Zwischen Unternehmensführung und Investoren ist ein Machtkampf entbrannt – und dem Konzern läuft im Jahr seines 70. Firmenjubiläums die Zeit davon. Heute soll eine zweite Gläubigerversammlung über die Zukunft des Unternehmens entscheiden.

Dabei war alles mal ganz anders geplant. Ein Schriftzug in zartrosa und die Fokussierung auf Frauen als Kunden sollte Beate Uhse dauerhaft zurück in die Gewinnspur bringen. Doch der Plan ging nicht vollkommen auf. So verzeichnete das Unternehmen zuletzt Umsatzrückgänge und Millionenverluste. Die Neuausrichtung benötige mehr Zeit, hieß es bei dem Konzern. Und zahlen sollten dafür zunächst die Gläubiger – durch massive Zugeständnisse; Zinsstundungen, verringerte Zinssätze, längere Laufzeiten. Eine erste Gläubigerversammlung blieb dann jedoch wegen zu geringer Teilnehmerzahlen beschlussunfähig, zuletzt stellten sich noch „wesentliche Anleihegläubiger“, wie sie in einer Konzernmitteilung genannt wurden, quer. Wieder einmal steht damit eine sogenannte Mittelstandsanleihe vor dem Aus. Denn Beate Uhse ist keineswegs eine Ausnahme. „Gerade im Bereich der Mittelstandsanleihen haben wir eine relativ große Zahl an Ausfällen“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Firmen wie dem Modeunternehmen Strenesse, Zamek oder MS Deutschland („Traumschiff“) ging es ähnlich.

Schätzungen gehen davon aus, dass bislang gut jeder zehnte Emittent einer sogenannten Mittelstandsanleihe entweder pleite ging oder er die Anleihe umstrukturieren musste, damit es nicht zum Äußersten kommt. Letzteres versucht auch Beate Uhse. „Es zeigt den Vorteil von Anleihen für Unternehmen“, heißt es bei der DSW. „Es ist relativ leicht, Veränderungen an Anleihen durchzudrücken.“ Die Alternative zum Umbau der jeweiligen Anleihe und der damit einhergehenden geringen Rendite ist nämlich meist der Total-Ausfall.

Dieses „Durchdrücken“ ist es nun, was Investoren-Gesellschaften wie Robus Capital und andere Anleger nicht hinnehmen wollen. Allein Robus Capital steht für fünf bis zwölf Prozent der Anleihe-Anteile. Wie viel die Gesellschaft genau kontrolliert, ist unklar. Der Vorschlag von Robus Capital: Die Zinsen sollen zunächst bis zum 19. August gestundet werden – und die Gläubiger sollen gemeinsam mit dem Unternehmen ein Sanierungskonzept erarbeiten. Ob es so kommt, entscheidet die heutige Versammlung der Anleihegläubiger.

Dabei dürften sich durchaus auch Aktionäre für den Ausgang interessieren – allen voran der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein (SGVSH), bis heute der zweitgrößte Aktionär des Erotikkonzerns. 13,11 Prozent der Aktien hält die Venus Hyggelig GmbH – eine Zweckgesellschaft des SGVSH. Als der Verband die Aktien übernahm, lag ihr Wert bei 0,27 Cent pro Stück – derzeit sind es 0,24 Cent. Zwischendrin waren die Aktien schon das Dreifache wert. Verkauft haben in den vergangenen Jahren viele – die Hypovereinsbank beispielsweise oder Reuben Rotermund, Enkel der Gründerin. Der SGVSH hat seine Aktien behalten. Zur aktuellen Situation bei Beate Uhse will man sich beim Verband nicht äußern, verweist auf das Aktienrecht.

Kommt heute kein Quorum von 25 Prozent bei der Gläubigerversammlung zusammen, steht Beate Uhse drei Tage später in der Pflicht, die Zinsen zu zahlen. Die Ablehnung hätte „erhebliche negative Auswirkungen auf die Liquidität“, warnt der Konzern. Massiv wirbt er daher um eine Teilnahme der Gläubiger – auch mit eigenen Waren: „Die Gutscheine können direkt mitgenommen und im Store oder Online-Shop eingelöst werden.“

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