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Wirtschaft

05. Dezember 2016 | 19:47 Uhr

Streit zwischen Edeka und Rewe : Kommentar: Größenwahn der Lebensmittelhändler

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwischen Edeka und Rewe herrscht ein unerbittlicher Konkurrenzkampf. Es geht auch um Coop.

Da bleibt einem das Knäckebrot im Halse stecken. Der Krieg der Lebensmittelhändler verschärft sich. Wie die Kesselflicker haben sich Edeka und Rewe zwei Jahre lang um die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann gestritten. Nach langem Hin und Her und einer Schlichtung durch Altkanzler Gerhard Schröder scheint jetzt eine Lösung in Sicht.

Wie beim Monopoly teilen die beiden Konzerne die Kette Kaiser’s Tengelmann auf. Jetzt geht es nur noch ums Geld. Doch der Kampf der Konkurrenten geht auf einem neuen Schlachtfeld weiter: Branchenprimus Edeka legt Beschwerde gegen die Entscheidung des Bundeskartellamts ein, dem Konkurrenten Rewe die Übernahme von 200 Supermärkten der Handelskette Coop zu erlauben.

Unerbittlich bekämpfen sich die beiden Lebensmittelhändler und gönnen sich nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Das Perfide dabei ist: Das besessene Streben nach Größe und Marktmacht wird eiskalt auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Erst waren es bei Kaiser’s Tengelmann 15.000 Mitarbeiter, die monatelang in Existenzangst lebten. Bei der Genossenschaft Coop stehen fast 10.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Kommt Edeka mit der Beschwerde durch, dürfte dies das Ende der Genossenschaft mit Sitz in Kiel sein, die in Schieflage geraten ist und Millionenverluste schreibt. Bei den Beschäftigten in den Sky-Märkten von Coop dürfte das nackte Panik auslösen.

Für die beiden Handelsriesen Edeka und Rewe geht es darum, die letzten Möglichkeiten zu nutzen, auf dem deutschen Lebensmittelmarkt zu wachsen. Größe ist alles in der Branche. Denn: Sie versetzt die Konzerne in die Lage, die Preise zu diktieren. Das gilt für die Einkaufskonditionen – je größer der Absatz, desto größer die Verhandlungsmacht gegenüber den Herstellern. Und das gilt für die Verbraucherpreise, die mit der zunehmenden Marktkonzentration leichter nach oben zu treiben sind. Edeka, Lidl, Rewe und Aldi sind die großen Vier mit jetzt schon mehr als 80 Prozent Marktanteil. Für die zahlende Kundschaft an der Supermarkt-Kasse dürfte der Größenwahn der „Big Four“ am Ende ein teures Vergnügen werden.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 08:15 Uhr

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