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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 02:11 Uhr

Übernahme durch Edeka und Rewe : Kaiser's Tengelmann zunächst nicht zerschlagen, Gabriel sieht „große Chance“

vom

Eigentümer Haub gibt dem „Runden Tisch“ zwei Wochen Zeit, eine Lösung für Kaiser's Tengelmann zu finden.

Mülheim/Ruhr | Letzte Frist für Kaiser's Tengelmann: Eigentümer Karl-Erivan Haub hat die Pläne zur Zerschlagung der verlustreichen Supermarktkette für zwei Wochen ausgesetzt. In dieser Zeit wollen Tengelmann, Edeka, Rewe und die Gewerkschaft Verdi einen letzten Versuch unternehmen, doch noch eine einvernehmliche Lösung zu finden. Scheitern die Verhandlungen, will Haub sofort mit dem Einzelverkauf der Filialen beginnen. Dies könnte dann das Aus für Tausende von Arbeitsplätzen bedeuten.

Die Hängepartie um den Handelskonzern Kaiser's Tengelmann geht weiter und dauert schon seit mehr als zwei Jahren. Der Konzern schreibt rote Zahlen und soll deshalb verkauft werden. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte sich per Ministerbeschluss über das Fusionsverbot des Bundeskartellamtes hinweg gesetzt, um dies zu ermöglichen. Sie wurde im Juli 2016 wegen einer möglichen Befangenheit Gabriels außer Kraft gesetzt.

In den vergangenen Tagen war aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen noch signalisiert worden, auf der Aufsichtsratssitzung könnten bereits die Weichen für eine Zerschlagung des Unternehmens gestellt werden.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel begrüßte die Entscheidung Haubs. „Das, finde ich, ist eine große Chance“, sagte der SPD-Chef am Freitag in Berlin. Er freue sich, dass der Tengelmann-Aufsichtsrat den zuvor drohenden Beschluss zur Zerschlagung des Unternehmens nicht gefasst habe. Die Beschäftigten könnten so noch einmal hoffen, dass sich die beteiligten Unternehmen in den nächsten ein bis zwei Wochen verständigen.

Kaiser's Tengelmann - klein und verlustreich

Verglichen mit Edeka oder Rewe ist die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ein Zwerg. Sie betrieb Ende 2015 noch 446 Filialen in Deutschland und erwirtschaftete mit knapp 15.300 Mitarbeitern einen Nettoumsatz von 1,78 Milliarden Euro.

Einst bundesweit vertreten, finden sich die Filialen heute nur noch im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Teilen Nordrhein-Westfalens. Die meisten Geschäfte - insgesamt 188 - gab es zum Jahresanfang noch in München und Oberbayern. Im Großraum Berlin betrieb die Kette weitere 133 Supermärkte, 125 Filialen lagen im Rheinland. Aktuell dürften es allerdings schon wieder einige weniger sein. Denn die Geschäftsführung geht davon aus, dass zum Ende des Jahres nur noch 405 Filialen vorhanden sein werden.

Das Familienunternehmen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die bis ins Jahr 1876 zurückreicht. Damit ist Kaiser's Tengelmann nach eigenen Angaben das älteste Lebensmittel-Handelsunternehmen Deutschlands. Doch summierten sich die Verluste seit der Jahrtausendwende auf mehr als 500 Millionen Euro. Dass das Unternehmen als Übernahmeobjekt dennoch interessant ist, liegt an seiner starken Marktposition in den Großräumen Berlin und München.

Eigentlich sollte der Ausverkauf der Supermarktkette nach Haubs Worten bereits in der kommenden Woche beginnen, weil sich die Lage des Unternehmens zunehmend verschlechtert. Der Kaufvertrag mit Edeka sollte aufgekündigt werden, und die ersten Angebote für die Filialen in der Vertriebsregion Nordrhein sollten eingeholt werden. Dies sei jetzt erst einmal ausgesetzt, sagte Haub - ebenso wie die für einen solchen Schritt erforderlichen Sozialplan-Verhandlungen.

Grund für den Meinungswandel sind die Fortschritte, die am Donnerstagabend bei einem Krisengipfel von Haub, Edeka-Chef Markus Mosa, Rewe-Chef Alain Caparros und dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske erzielt wurden. Bei dem Treffen war überraschend Bewegung in die seit Monaten verhärteten Fronten gekommen. Die Handelschefs verständigten sich, zeitnah eine „tragfähige, gemeinsame Lösung“ für die angeschlagene Supermarktkette zu finden - im Interesse aller Beteiligten und der Beschäftigten.

<p>Die Zukunft der 15.000 Arbeitsplätze bei der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ist ungewiss.</p>

Die Zukunft der 15.000 Arbeitsplätze bei der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ist ungewiss.

Foto: dpa
 

„Ich bin dankbar, dass der “Runde Tisch„ zustande gekommen ist, und hoffe, dass noch eine Lösung im Sinne unserer Mitarbeiter gefunden werden kann“, sagte Haub. Er fügte allerdings auch warnend hinzu: „Sollten die Bemühungen um eine Umsetzung der Ministererlaubnis jedoch erfolglos sein, wird der Vertrag mit Edeka enden, und wir werden in die Einzelverwertung gehen.“ Zu diesem Zeitpunkt werde sich die Inhaberfamilie auch aus dem Aufsichtsratsgremium von Kaiser's Tengelmann zurückziehen, kündigte er an.

Haub betonte, die Lage verschlechtere sich durch die nun seit fast zwei Jahren andauernde Hängepartie immer mehr: „Kundenzahlen und Umsätze sinken, und das Geschäft bricht zunehmend weg.“ Die Folge sei ein dramatischer Anstieg der monatlichen Verluste und die Verschlechterung der Unternehmenssubstanz. Kaiser's Tengelmann habe deshalb nicht die Zeit, eine Klärung der umstrittenen Fragen auf dem Rechtsweg abzuwarten.

Bei den Beschäftigten keimte Hoffnung auf eine Rettung in letzter Minute auf. Der Berliner Betriebsratsvorsitzende Volker Bohne sagte, er setze nach wie vor auf eine Komplettübernahme des Konzerns durch Edeka, „weil es die einzige Möglichkeit ist, alle Arbeitsplätze zu erhalten“.

Branchenprimus Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Doch das Bundeskartellamt legte sein Veto ein, weil es Wettbewerbsbehinderungen und Preiserhöhungen befürchtete. Zwar hebelte Gabriel das Zusammenschluss-Verbot über eine sogenannte Ministererlaubnis aus. Doch gelang es Rewe und Markant mit einer Klage vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf, die Umsetzung dieser Ausnahmegenehmigung vorläufig zu stoppen.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 18:45 Uhr

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