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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 02:11 Uhr

„Beach Motel“ St. Peter-Ording : Jens Sroka: Mit Surferstil zum Erfolg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jens Sroka erfindet Hotels der anderen Art. Mit gerade mal 40 Jahren hat er schon vier Häuser konzipiert – und denkt bereits ans nächste.

Oben auf zwei Baustellencontainern ist eine Dachterrasse eingerichtet. Dort muss man den Kopf schon sehr weit nach rechts und links wenden, will man vorbeisehen an dem, was direkt am Strand von Heiligenhafen heranwächst. Der Horizont besteht hier schlichtweg aus Hotel. Ein Zeichen für die Größe der Marktlücke, die Jens Sroka entdeckt hat.

Seit drei Jahren hat der 40-Jährige mit seinem unkonventionellen „Beach Motel“ in St. Peter-Ording Erfolg. Das hat kräftig geholfen, das Image des Westküstenorts zu verjüngen. Nun macht er an der Ostsee gleich im Doppelpack weiter: mit „Beach Motel“ Nummer zwei, das in Heiligenhafen mit 400 Betten zu Weihnachten aufmachen soll. Und noch in diesem Monat mit der kleineren, einfacheren „Bretterbude“ gegenüber. In dem 180-Betten-Haus laufen nur noch Innenarbeiten. Es eröffnet am 26. August.

Verschiedene Triebfedern kamen zusammen, bis die Entscheidung für die 50-Millionen-Euro-Investition – davon fünf Millionen Zuschuss vom Land – fiel: Da war der Projektentwickler, der im Auftrag der Stadt im nördlichen Ostholstein einen Investor suchte. Bei einer Zufallsbegegnung bei einem Workshop sprach der Sroka an. Da waren wassersportbegeisterte Urlauber in St. Peter, die Sroka fragten, ob er nicht auch mal was an der Ostsee machen könne – weil dort doch das Meer die ganze Zeit präsent sei. Und da war die Erkenntnis: Ist die Grundlagenarbeit einmal getan – dann sollte es leicht sein, sie zu vervielfältigen.

Chillout-Zonen für die Urlauber

„Der Gast ist nicht derselbe wie vor 20 Jahren. Deshalb kriegt man ihn auch nicht nur mit denselben Angeboten“, hat Sroka verinnerlicht. Neue Generationen, andere Gewohnheiten. „Für die darf Hotel nicht mehr irgendwie nach Krawatte klingen“, lautet das Credo des Innovations-Hoteliers. Lässige Chillout-Zonen sollen es für eine wachsende Zahl von Urlaubern sein. Gerne so, dass das Authentische des Ortes durchschimmert, die Häuser also mit dem Maritimen spielen. „Das Thema Strandurlaub neu interpretieren“ will Sroka.

Ohne ausgelutschte Symbole wie Kutter oder Möwe, „das kriegt dann leicht einen gewissen Kitsch.“ Seine Antwort ist der Surfer-Stil. Mehr als naheliegend, vor ihm aber von keinem Anbieter praktiziert. „Das Lebensgefühl zieht“, beobachtet Sroka. Nicht nur diejenigen, die selbst direkt vor der Tür aufs Brett steigen wollen. Sondern auch alle, die einfach der Coolness-Faktor von Wind, Wellen und aktivem Lebensstil anspricht. Auf einen Alters-Durchschnitt von 45 kommt der Hotelier in St. Peter-Ording.

Mittwochs wird an der Inneneinrichtung gefeilt

Schon die amerikanische Holz-Architektur der „Beach Motels“ mit außen liegenden Balkons und Treppen wirkt locker. Drinnen mutieren Surfboards und Zubehör zu Deko-Gegenständen; unterm Tisch im Restaurant können die Füße im Sand spielen. Jeder wird in Srokas Häusern geduzt. Auch mit nicht mehr ganz so Jungen, sagt er, gebe es keine Probleme: „Die fühlen sich dadurch jünger.“

Während bei den Beach-Motels mit vier Sternen Wellness, Komfort und große Zimmer eine Hauptrolle spielen, fällt die zwischen zwei und drei Sternen angesiedelte „Bretterbude“ mit Einsteiger-Preisen ab 39 Euro pro Doppelzimmer puristischer aus. „Abgerockter“ sagt Sroka. Ein Schuss Skater-Flair mischt sich dort ins Konzept: Im Fokus stehen alle Brettsportarten. Im Keller gibt es sogar eine Halfpipe. Eine Art Schwarzstahl, der stellenweise rostet, ist ein im Haus vielfach verwendetes Material.

Die „Bretterbude“ soll keine Perfektion ausstrahlen. Das Interieur seiner Dependancen trägt zu einem Gutteil Srokas eigene Handschrift. Konsequent mittwochs ist er bei seinem Innenarchitekten in Neumünster, um an der Ausstattung zu feilen.

Ambassador, Strandgut, Beach Motel - St. Peter in Familienhand

Das Hotelfach hat Sroka per Muttermilch aufgesaugt: Die Eltern betrieben zunächst ein Hotel in Hamburg und erwarben 1985 das „Ambassador“ an der Promenade von St. Peter-Ording dazu. 2002 übernahm Sroka mit seinem älteren Bruder Jörn das Haus. Dessen Modernisierung machte Appetit auf mehr.

2007 starteten sie in St. Peter das „Strandgut“ – ein auch schon auf eher jüngere Zielgruppen abgestimmtes Angebot „für bezahlbaren Lifestyle“, wie Jens Sroka es nennt. Seitdem er sich auf die Reise mit seinen drei weiteren Objekten begeben hat, betreibt der große Bruder das „Strandgut“ allein.

Neben den Erfahrungen an der Westküste zehrt Jens Sroka von Stationen in New York, Florida, Thailand und Vietnam. Dort hat er in Hotels in Vertrieb und Marketing gearbeitet. So besitzt er einen Blick für die Bedeutung dieser Stellschraube: „Um auch außerhalb des Sommers voll zu sein, ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben.“

Von St. Peter über Heiligenhafen nach Büsum

Über die sozialen Medien bewirbt Sroka Events wie An- und Abbaden, einen selbstgestifteten Kitesurf-Pokal, Standup-Comedy oder Openair-Kino und schafft so Anlässe, die Koffer zu packen. In St. Peter erreichte er 2015 nach eigenen Angaben eine Auslastung von 94 Prozent. „Und dieses Jahr waren für die Wochenenden bis Dezember schon im Februar alle Zimmer weg.“

Kein Wunder, dass da die Pläne bei Heiligenhafen und den 164 Mitarbeitern, die beide „Beach Motels“ und die „Bretterbude“ haben werden, nicht enden. In Büsum soll es weitergehen, verrät Sroka. „Lighthouse“ soll dort sein künftiges Vier-Sterne-Plus-Haus heißen. Thematischer Anknüpfungspunkt dort: der benachbarte Hafen.

Allzu viel will der Dauer-Investor noch nicht darüber erzählen. Aber immerhin eine kreative Idee dann doch als Beispiel: Ein plattdeutsches Gourmet-Restaurant soll zum „Lighthouse“ gehören, mit original sprechender Bedienung und Produkten ausschließlich aus Dithmarschen und Nordfriesland.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 09:55 Uhr

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