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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 19:37 Uhr

Sparkurs bei der Lufthansa : Hamburg: Bei Lufthansa Technik könnten 700 Arbeitsplätze gestrichen werden

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Anzahl der Jobs soll sinken. Dafür will das Management rund um die Uhr arbeiten lassen und die Anzahl der Schichten erhöhen.

Hamburg | Bei Hamburgs zweitgrößtem Industriebetrieb Lufthansa Technik droht der Verlust von rund 700 Arbeitsplätzen. Der Vorstand der Lufthansa Technik verhandelt seit Monaten mit dem Betriebsrat über einen Stellenabbau in dieser Größenordnung. Betroffene sind die Triebwerksüberholung und die Flugüberholung, die in Fuhlsbüttel zusammen 1800 Mitarbeiter umfassen.

Die Lufthansa Technik arbeitet profitabel mit hohen Gewinnzuwächsen. Doch auf die Mitarbeiter kommen trotzdem harte Zeiten zu.

Die Lufthansa Technik, eine 100-Prozent-Tochter der Lufthansa AG, sieht die Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr, sollten die Kosten nicht massiv sinken. Dazu äußern will sich das Unternehmen mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen derzeit nicht. Vor vier Monaten hatte ein Sprecher die Einschnitte allerdings bereits angekündigt. Hintergrund seien gravierende Marktveränderungen im Bereich der Triebwerke. Wolle der Standort Hamburg auch die Betreuung von Motoren der nächsten Generation sicherstellen, müssten die Ausgaben deutlich runter.

Das Unternehmen mit 30 Tochtergesellschaften ist einer der Weltmarktführer unter den systemunabhängigen Dienstleistern für Wartung, Überholung und Reparatur. Weiteres Standbein ist die individuelle Umrüstung von Linienmaschinen in Hamburg nach den Wünschen betuchter VIP-Kunden. In der Lufthansawerft in Fuhlsbüttel arbeiten 6600 Beschäftigte, weltweit sind es 20.300.

In Hamburg soll die Zahl der Jobs bei Triebwerken und Flugzeugüberholung von 1800 auf 1100 sinken. In den laufenden Verhandlungen geht es nach Angaben der Gewerkschaft Verdi aber noch um weitere Kürzungen für die Beschäftigten. Der Arbeitgeber wolle sämtliche Vergütungsbestandteile so verändern, dass für die Mitarbeiter bis zu 25 Prozent weniger Gehalt stünden, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Frank Hartstein. Dies sei für die Gewerkschaft völlig indiskutabel, betonte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Laut Hartstein will das Management künftig rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche arbeiten lassen, um die Anlagen besser auszulasten. Dazu soll es statt zwei künftig drei Schichten geben. Zugleich wolle Lufthansa Technik die Zuschläge halbieren. Neue Beschäftigte sollen ein geringeres Grundgehalt und weniger Urlaub bekommen. Hintergrund ist die zunehmende globale Konkurrenz bei der Flugzeugwartung. Neue Wettbewerber drängten „mit Wucht“ in den Markt, hatte Vorstandschef Johannes Bußmann bei der Bilanzvorlage im März gesagt.

Erschwerend hinzu kommt ein erheblicher Spardruck vom Mutterkonzern. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr verlangt im Rahmen des Konzernprogramms „Score“ drastische Kürzungen auch am Standort Hamburg. Gewerkschaft und Betriebsrat verweisen dagegen auf die gute wirtschaftliche Lage der Lufthansa Technik. Das Unternehmen steigerte 2015 seinen Umsatz um 17,6 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern und Zinsen kletterte um 20 Prozent auf 454 Millionen Euro.

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erstellt am 20.Jul.2016 | 17:25 Uhr

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