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Wirtschaft

03. Dezember 2016 | 05:40 Uhr

Mehr als zwei Millionen Euro : Gläubiger geben Weg für Sanierung von Beate Uhse frei

vom

Investoren liehen dem Erotik-Konzern 30 Millionen Euro. Doch der darf seine Sanierung wahrscheinlich fortsetzen.

Hamburg/Kiel/Flensburg | Gute Nachrichten für den Erotik-Händler Beate Uhse: Das Unternehmen kann die Sanierung seines Unternehmens fortsetzen. Bei einem Gläubigertreffen billigten die Teilnehmer am Mittwoch in Hamburg, dass der Vorstand mit einem Vertreter aller Anleihegläubiger ein entsprechendes Konzept ausarbeitet. Das Unternehmen kann damit wahrscheinlich fällige Zinszahlungen aufschieben. Die Verpflichtungen im Volumen von mehr als 2,0 Millionen Euro für eine 2014 heraus gegebene Anleihe wären an diesem Samstag fällig geworden.

Mit der Ausarbeitung des Sanierungsplans wurde die Beratungsfirma One Square Advisory Services GmbH (München) beauftragt. Das Konzept muss dann von einer weiteren Gläubigerversammlung abgesegnet werden. Damit wird frühestens im September gerechnet.

Der Hintergrund: Der Erotik-Händler will mehr als zwei Millionen Euro Anleihezinsen rund zwei Monate später zahlen. Von dieser Stundung verspreche man sich die Chance, „die Restrukturierung der Beate Uhse AG erfolgreich umsetzen zu können“, hieß es in einer Mitteilung zu einer Gläubigerversammlung am Mittwoch in Hamburg. Die Versammlung begann am Vormittag, berichtete ein Sprecher des Unternehmens. Das erneute Treffen war erforderlich geworden, weil zu einem ersten Termin nicht genügend Teilnehmer erschienen waren, um Beschlüsse treffen zu können.

Es geht um eine 2014 ausgegebene Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro, für die bei einer Laufzeit von fünf Jahren ein jährlicher Zins von 7,75 Prozent versprochen wurde. Eigentlich wäre die nächste Zinszahlung an diesem Samstag fällig. Das Unternehmen bittet um Aufschub bis Ende August. Außerdem sollen die Gläubiger über veränderte Kündigungsrechte sowie die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters für die Anleihegläubiger entscheiden.

„Sofern die Beschlüsse zur Restrukturierung der Beate-Uhse-Anleihe nicht die erforderlichen Mehrheiten erhalten, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Sanierung der Beate Uhse AG insgesamt scheitert“, teilte das Unternehmen den Gläubigern im Vorfeld der Sitzung mit. Zwischen Unternehmensführung und Investoren ist ein Machtkampf entbrannt – und dem Konzern läuft im Jahr seines 70. Firmenjubiläums die Zeit davon.

Dabei war alles mal ganz anders geplant. Ein Schriftzug in zartrosa und die Fokussierung auf Frauen als Kunden sollte Beate Uhse dauerhaft zurück in die Gewinnspur bringen. Doch der Plan ging nicht vollkommen auf. So verzeichnete das Unternehmen zuletzt Umsatzrückgänge und Millionenverluste. Die Neuausrichtung benötige mehr Zeit, hieß es bei dem Konzern. Und zahlen sollten dafür zunächst die Gläubiger – durch massive Zugeständnisse; Zinsstundungen, verringerte Zinssätze, längere Laufzeiten.

Eine erste Gläubigerversammlung blieb dann jedoch wegen zu geringer Teilnehmerzahlen beschlussunfähig, zuletzt stellten sich noch „wesentliche Anleihegläubiger“, wie sie in einer Konzernmitteilung genannt wurden, quer. Wieder einmal steht damit eine sogenannte Mittelstandsanleihe vor dem Aus. Denn Beate Uhse ist keineswegs eine Ausnahme. „Gerade im Bereich der Mittelstandsanleihen haben wir eine relativ große Zahl an Ausfällen“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Firmen wie dem Modeunternehmen Strenesse, Zamek oder  MS Deutschland („Traumschiff“) ging es ähnlich.    

Schätzungen gehen davon aus, dass bislang gut jeder zehnte Emittent einer sogenannten Mittelstandsanleihe entweder pleite ging oder er die Anleihe umstrukturieren musste, damit es nicht zum Äußersten kommt. Letzteres versucht auch Beate Uhse. „Es zeigt den Vorteil von Anleihen für Unternehmen“, heißt es bei der DSW. „Es ist relativ leicht, Veränderungen an Anleihen durchzudrücken.“ Die Alternative zum Umbau der jeweiligen Anleihe und der damit einhergehenden geringen Rendite ist nämlich meist der Total-Ausfall.

Dieses „Durchdrücken“ war es nun, was Investoren-Gesellschaften wie Robus Capital  und andere Anleger nicht hinnehmen wollten. Allein Robus Capital steht für fünf bis zwölf Prozent der Anleihe-Anteile. Wie viel die Gesellschaft genau kontrolliert, ist unklar. Der Vorschlag von Robus Capital lautete: Die Zinsen sollen zunächst bis zum 19. August gestundet werden – und die Gläubiger sollen gemeinsam mit dem Unternehmen ein Sanierungskonzept erarbeiten.

Für den Ausgang der Gläubiger-Versammlung interessierten sich allen voran auch der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein (SGVSH), bis heute der zweitgrößte Aktionär des Erotikkonzerns. 13,11 Prozent der Aktien hält die Venus Hyggelig GmbH – eine Zweckgesellschaft des SGVSH. Als der Verband die Aktien übernahm, lag ihr Wert bei 0,27 Cent pro Stück – derzeit sind es 0,24 Cent. Zwischendrin waren die Aktien schon das Dreifache wert. Verkauft haben in den vergangenen Jahren  viele – die Hypovereinsbank beispielsweise oder Reuben Rotermund, Enkel der Gründerin. Der SGVSH hat seine Aktien behalten. Zur aktuellen Situation bei Beate Uhse will man sich beim Verband nicht äußern, verweist auf das Aktienrecht.

Das 1946 von Beate Uhse (1919-2001) in Flensburg gegründete Erotikunternehmen hat immer noch eine sehr hohe Bekanntheit, doch die Geschäfte gerieten durch den Vertriebsweg Internet in den vergangenen Jahren unter Druck. Wesentliche Bereiche der Vergangenheit wie das DVD-Geschäft sind weitgehend weggefallen, den Versandkatalog gibt es seit Februar nicht mehr. Der Firmensitz wurde von Flensburg nach Hamburg verlegt und mehr als 150 Stellen der zuletzt knapp 600 gestrichen.

Durch die Schließung von 16 der 78 Filialen wurde für das laufende Jahr ein weiterer Umsatzrückgang auf 115 bis 120 Millionen Euro erwartet (2015: 129 Mio). Die „finanzielle Restrukturierung“ müsse jetzt umgesetzt werden, um die Rentabilität und Liquidität nachhaltig zu verbessern, hatte das Unternehmen nach dem 1. Quartal im Mai mitgeteilt. 2015 war ein Verlust von 18,4 Millionen Euro ausgewiesen worden, die Eigenkapitalquote im Konzern reduzierte sich von 28,2 auf 11,4 Prozent.

Wäre am Mittwoch kein Quorum von 25 Prozent bei der Gläubigerversammlung zusammen gekommen, hätte Beate Uhse drei Tage später in der Pflicht gestanden, die Zinsen zu zahlen. Die Ablehnung hätte „erhebliche negative Auswirkungen auf die Liquidität“, hatte der Konzern im Vorfeld gewarnt. Massiv warb er daher um eine Teilnahme der Gläubiger – auch mit eigenen Waren: „Die Gutscheine können direkt mitgenommen und im Store oder Online-Shop eingelöst werden.“

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erstellt am 06.Jul.2016 | 17:03 Uhr

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