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Wirtschaft

03. Dezember 2016 | 22:52 Uhr

Medienberichte : Flüchtlinge als Schwarzarbeiter: Dumpinglöhne und der große Profit

vom

Laut Medienberichten arbeitet ein Teil der Flüchtlinge schwarz - daran verdienen auch Vermittler.

Neu Wulmstorf | Viel Zeit, wenig Geld, miese Jobchancen: Dass einige Flüchtlinge sich illegal eine Arbeit besorgen, ist nicht verwunderlich. Doch Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ zufolge passiert das wesentlich häufiger als bislang vermutet - und auch besser organisiert. So soll ein ehemaliger Mitarbeiter der Gemeinschaftsunterkunft Neu Wulmstorf (Niedersachsen) „die Situation von Flüchtlingen ausgenutzt haben, um sich an ihnen finanziell zu bereichern.“ Er vermittelte sie in Hilfsjobs und kassierte dafür ab.

Für die Wirtschaft entsteht durch Schwarzarbeit ein mehrfacher Schaden. Auf der einen Seite reduziert sie die regulären Arbeitsplätze und damit die Chancen für Menschen, die legal eine Arbeit suchen, auf der anderen entgehen dem Staat Einnahmen durch Steuergelder. Dieses Geld kommt dann nicht in der Gesellschaft an, zum Beispiel in Schulen, Straßen oder Museen.

Die Schätzungen, wie viele Flüchtlinge sich mit Gelegenheitssjobs etwas dazu verdienen, gehen weit auseinander. Bis zu 30 Prozent mutmaßen Forscher der Uni Tübingen, zwischen zehn und 50 Prozent, meinen Flüchtlingshelfer aus verschiedenen Bundesländern. Nach Recherchen von NDR Info ziehen Asylbewerber für die Schwarzarbeit in größere Städten wie Hamburg oder Berlin, um dort illegal als Tellerwäscher, Tapezierer oder Putzkräfte zu arbeiten. Dafür erhalten sie dann Dumpinglöhne.

Arbeitgeber verlangen schon länger gesetzliche Lockerungen, um Flüchtlinge leichter in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Das gelte vor allem bei der Zeitarbeit. „Durch eine vollständige Aufhebung des Beschäftigungsverbots in der Zeitarbeit würden Menschen ohne Berufserfahrung deutlich bessere Chancen erhalten“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, der „Rheinischen Post“.

Zudem müssten die arbeitsmarktpolitischen Instrumente der Bundesagentur für Arbeit (BA) stärker auf Flüchtlinge ausgerichtet werden. „Wir müssen sehen, wie wir die arbeitsmarktpolitischen Instrumente für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose noch besser nutzen, um diese gezielt für eine Ausbildung oder Beschäftigung fit zu machen“, erläuterte Kampeter.

Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt wird nach Ansicht des Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, allerdings eine langwierige Aufgabe. „Es wird lange dauern und viel kosten“, sagte Weise, der derzeit auch dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorsteht. 70 Prozent derer, die gekommen sind, seien zwar erwerbsfähig. Trotzdem werde „ein Großteil von ihnen zunächst in die Grundsicherung fallen, bevor wir sie in Arbeit bringen“.

Weise sagte weiter: „Es sind Akademiker gekommen, ihr Anteil ist allerdings gering. Ich schätze, etwa zehn Prozent. Hinzu kommen noch rund 40 Prozent, die zwar keine Berufsausbildung haben, aber praktische Arbeitserfahrung.“ Weise betonte: „Wir setzen deshalb alles dran, die Menschen möglichst schnell in die Jobcenter zu bringen.“ Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sagte der Zeitung: „Es wird kein zweites Wirtschaftswunder durch Flüchtlinge geben.“ Viele optimistische Prognosen des letzten Jahres seien inzwischen kassiert worden. Die Kosten und Erträge des Flüchtlingszuzugs könne man zwar kaum seriös beziffern. Aber auf Grund mangelhafter Berufsqualifikation und Schulbildung solle man nicht zu viel von den Neuankömmlingen erwarten.

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erstellt am 30.Aug.2016 | 10:17 Uhr

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