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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 15:45 Uhr

Wegen gesunkener Kosten : Deutsche Bank mit Quartalsgewinn aber ohne Euphorie

vom

Das Management um Vorstandschef Cryan keine Illusionen: Der Umbau der Bank ist noch lange nicht beendet.

Frankfurt/Main | Die Deutsche Bank hat trotz Rückschlägen zu Jahresbeginn den Absturz in die roten Zahlen vermieden. Zwar brach der Überschuss im ersten Quartal zum Vorjahreszeitraum mehr als die Hälfte (58 Prozent) auf 236 Millionen Euro ein, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Analysten hatten jedoch mit einem Verlust von 300 Millionen Euro gerechnet.

Nach dem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hatte das Management um den seit Sommer amtierenden Vorstandschef Cryan 2016 zum Übergangsjahr erklärt. Der Brite will die Bank unter anderem mit einem harten Sparprogramm wieder auf Kurs bringen.

Von Euphorie ist die Führung der Bank trotz der überraschend guten Zahlen weit entfernt: „Der Ausblick für das verbleibende Jahr bleibt aufgrund des rechtlichen und regulatorischen Umfeldes, das sich unseres Erachtens weiterhin auf unser Geschäft auswirken wird, verhalten“, heißt es im Zwischenbericht.

Die unerwartet guten Zahlen erklären sich vor allem mit gesunkenen Kosten: Vor allem fielen dieses Mal keine nennenswerten neuen Rückstellungen für Rechtsrisiken. Zudem steht die Bank bei den Boni auf der Bremse.

So konnte Deutschlands größtes Geldhaus den deutlichen Rückgang bei den Erträgen teils wettmachen. Denn die Erträge - also die gesamten Einnahmen - sackten vor allem wegen des schwachen Investmentbankings binnen Jahresfrist um 22 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro ab.

Die gesamte Branche hatte in den ansonsten traditionell starken ersten drei Monaten mit Turbulenzen an den Märkten zu kämpfen. „Die Finanzmärkte waren im ersten Quartal schwierig“, konstatierte Deutsche-Bank-Chef John Cryan. „Deshalb hielten sich die Kunden an den Kapitalmärkten zurück, unsere Erträge waren im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, vor allem im Wertpapierhandel und bei Unternehmensfinanzierungen.“ Zudem habe sich der Rückzug aus bestimmten Geschäften und Ländern ausgewirkt.

Der deutsche Branchenprimus will sich aus zehn Auslandsmärkten ganz zurückziehen. Abgespeckt wird auch in anderen Ländern, so schloss die Bank in Spanien 18 und in Polen 25 Filialen. Im eigenen Haus werden unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze gestrichen, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 will die Deutsche Bank knapp ein Drittel ihrer 723 Filialen im Heimatmarkt schließen. „Wir haben bei den Verhandlungen mit dem Betriebsrat Fortschritte erzielt und im ersten Quartal 2016 Rückstellungen in Höhe von 285 Millionen Euro für den geplanten Abbau von Mitarbeitern gebildet“, schreibt die Bank in ihrem Zwischenbericht.

Cryan bekräftigte seine Entschlossenheit, den Berg von Rechtsstreitigkeiten abzutragen. Im ersten Quartal fielen die Aufwendungen für mögliche juristische Niederlagen 1,4 Milliarden Euro niedriger aus als ein Jahr zuvor. Insgesamt hatte die Bank für Rechtsstreitigkeiten Ende März 5,4 Milliarden Euro zurückgelegt - etwas weniger als noch am Jahresende 2015 (5,5 Mrd Euro).

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erstellt am 28.Apr.2016 | 08:53 Uhr

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