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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 06:08 Uhr

Irreführung für Verbraucher : „Check24“-Prozess: Preis-Vergleichsportale sollen transparenter werden

vom

Die Anbieter kassieren Geld für Vertragsabschlüsse - und müssen die Kunden wohl auch bald darauf hinweisen. Am Mittwoch entscheidet das Landgericht München.

München | Preise vergleichen in Sekunden: Mit diesem Versprechen locken Internet-Portale wie Check24, Verivox oder preis24 Millionen Kunden an. Ein paar Angaben genügen -  und schon erscheint auf dem Bildschirm eine Liste der günstigsten Anbieter von Strom, Flügen oder Versicherungen. In Zukunft müssen die Portale Verbraucher aber wohl deutlicher als bisher darauf hinweisen, dass sie Provisionen kassieren, wenn die Verbraucher dort einen Versicherungs-Vertrag abschließen. In einem Prozess vor dem Landgericht München zeichnete sich bereits am 11. Mai in diesem Punkt ein Erfolg von Versicherungsvertretern gegen Check24 ab. Bislang ist der Hinweis auf die Maklerrolle nur im Kleingedruckten zu finden. Eine Entscheidung soll am Mittwoch fallen.

Vergleichsportale sollen es den Verbrauchern erleichtern, ein günstiges Angebot zu finden. Doch genau das ist oft nicht der Fall. Sollten die Richter entscheiden, dass Check24 gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt, könnte das Urteil auch für ähnliche Anbieter Auswirkungen haben.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskauflaute wirft dem Internetportal eine Irreführung der Verbraucher vor: Check24 tarne sich zwar als Preisvergleichsportal - arbeite aber genau wie ein Makler und kassiere Provisionen. Auf den ersten Blick könnten die Kunden dies jedoch nicht erkennen. Die Richter sollen klären, ob Check24 gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt.

Schon zum Auftakt des Prozesses im Februar hatte die Vorsitzende Richterin Barbara Clementi einen Erfolg der Klage in diesem Punkt angedeutet: Der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht. Dies bestätigte sie auch am zweiten Verhandlungstag: „Inhaltlich bleiben wir bei unserer Auffassung, dass die Informationen nicht ausreichend sind.“ Denkbar wäre stattdessen ein Fenster, das aufblinkt, sobald sich der Nutzer die Versicherungen ansieht.

Auch geht es um die Frage, ob Verbraucher vor Vertragsabschluss ausreichend informiert werden. Nach Ansicht der Versicherungsvertreter sind die Informationen auf Check24 unzureichend: Wer nur schlechte Deutschkenntnisse habe, könne aus Versehen schon mal eine Gebäude-Versicherung abschließen statt einer Hausrat-Versicherung, argumentierte ein Anwalt.

Die Richterin sah das aber anders: Schon das Ausfüllen der erforderlichen Masken erfordere gewisse geistige Fähigkeiten, sodass man davon ausgehen könne, dass der Kunde weiß, was er tut. Bei einzelnen Versicherungsprodukten aber muss Check24 voraussichtlich nachbessern - und zum Beispiel in der Hausratversicherung abfragen, ob auch ein Fahrrad zum Haushalt gehört.

Hintergrund: Von wem kassieren die Portale Geld?

Die Portale haben meist Verträge mit den Versicherern oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. Für jeden Kunden, den die Versicherer oder Reiseanbieter über die Portale gewinnen, müssen sie Geld an die Betreiber abdrücken: Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zum Beispiel soll die Provision nach Angaben aus Versicherungskreisen rund 50 bis 100 Euro pro Vertrag ausmachen. Da kommt viel zusammen.

Allein in der letzten Wechselrunde für die Kfz-Haftlichtversicherung vermittelte Check24 rund 950.000 Verträge. Wie hoch die Provisionen genau sind, bleibt aber ein Betriebsgeheimnis: Firmengründer Henrich Blase wehrte sich vergangene Woche gegen Forderungen aus der Politik, Betreiber von Portalen per Gesetz zur Offenlegung ihrer Gewinnbeteiligung zu verpflichten. Im Geschäftsleben sei es völlig untypisch, die Höhe der Provisionen bei einem Vertragsabschluss zu veröffentlichen. „Kein Autohändler oder kein Reisebüro macht das.“

 

Eine Studie mehrerer Verbraucherzentralen kam vor im Frühjahr zu einem deutlichen Ergebnis: „Der Nutzen von Online-Buchungs- und Vergleichsportalen ist für Verbraucher eingeschränkt, da einige Portale häufig nicht den günstigsten Preis anzeigen.“ Zum Teil fanden die Verbraucherschützer auf den Internetseiten der einzelnen Anbieter günstigere Preise als über die Portale.

Das gilt besonders für Handy- und Online-Tarife: Dort war die eine Hälfte der angezeigten Preise auf den Portalen höher als bei einem Vertragsabschluss auf den Seiten der Anbieter, die andere Hälfte günstiger. Auch bei Flugpreisen schnitten die Portale schlecht ab. Check24 wies den Verbraucherzentralen aber methodische Mängel vor: Teilweise seien Äpfel mit Birnen verglichen worden.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 08:09 Uhr

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