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Wirtschaft

11. Dezember 2016 | 01:24 Uhr

Börsen : Betriebsrat: Aktionäre kaufen bei Börsenfusion Katze im Sack

vom

Der Betriebsrat der Deutschen Börse dringt nach dem Nein der Briten zur Europäischen Union auf ein rasches Umsteuern bei den Fusionsplänen mit der Londoner LSE.

«Wir brauchen jetzt schnell neue Verhandlungen. Die Geburtsfehler der Fusion müssen beseitigt werden. Das betrifft den Sitz der Gesellschaft und die Folgen des Brexit», sagte die Betriebsratsvorsitzende Jutta Stuhlfauth im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX am Sitz der Börse in Eschborn bei Frankfurt. «Wir können nicht erkennen, dass das Management die Realität, wie sie jetzt ist, wirklich wahrnimmt. Sie halten stur an ihrem Plan fest.»

Das Referendumskomittee, in dem Vertreter der beiden Unternehmen die Folgen des Brexit-Votums für das Fusionsvorhaben untersuchen wollen, müsse «in die Pötte kommen und in den nächsten zwei Wochen für Transparenz sorgen», forderte Stuhlfauth. «Ich wünsche mir, dass der Vorstand sich jetzt selbstbewusst hinstellt und sagt, dass nach der Brexit-Entscheidung der rechtliche Sitz des fusionierten Unternehmens nur Frankfurt sein kann. Das muss doch jetzt durchsetzbar sein.»

Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) hatten im März vereinbart, die Dachgesellschaft des Gemeinschaftsunternehmens in London anzusiedeln. Das Tagesgeschäft sollen wie bisher die Zentralen in Eschborn sowie London steuern. Die wichtigsten Posten in Vorstand und Aufsichtsrat sind auf dem Papier bereits verteilt.

Gegen die starke Stellung Londons hatte es schon vor dem Brexit-Votum Widerstand gegeben. Durch das britische Referendum sehen sich die Kritiker bestätigt. Am 23. Juni hatten knapp 52 Prozent der Briten dafür gestimmt, dass Großbritannien als erstes Land überhaupt die Europäische Union verlässt. Das genaue Prozedere ist noch offen.

Als Kompromiss hat Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter inzwischen eine doppelte Holding oder einen Sitz an einem neutralen Ort in der EU, etwa Amsterdam, ins Spiel gebracht. Entschieden ist dazu nichts.

«Das Management ist von der Brexit-Entscheidung kalt erwischt worden. Es war fahrlässig, diese Entscheidung nicht vorher einzukalkulieren», kritisierte Stuhlfauth. «Das Management ist mit vollen Segeln rausgesegelt und jetzt voll in die Flaute geraten. Und schlimmer noch: Es scheint, als wüssten sie nicht mehr, wohin sie wollen.» Sie sei überzeugt: «Es gab keinen Plan B.»

Viele Kunden und Aktionäre der Deutschen Börse seien zu Recht verunsichert. «Es ist falsch, den Aktionären jetzt noch zu sagen, dass sich durch das britische Referendum nichts Wesentliches für die Fusion geändert habe», sagte die Betriebsratschefin. «Die Aktionäre habe keine Planungssicherheit und kaufen die Katze im Sack.»

Um das Ja ihrer Aktionäre zu sichern, hatte die Deutsche Börse sowohl die Frist für den Umtausch von Aktien in Papiere des neuen Unternehmens um zwei Wochen bis einschließlich 26. Juli verlängert als auch die Schwelle für die Zustimmung gesenkt. Statt bislang 75 Prozent müssen nun nur noch 60 Prozent der Anteilseigner das Angebot zum Aktienumtausch annehmen, damit die Börse die Fusion weiter vorantreibt. Diese Mindestannahmequote hat das Unternehmen nach letzten Angaben fast sicher.

Dennoch machen sich viele Aktionäre der Deutschen Börse Sorgen, den Konkurrenten zu teuer zu übernehmen. Denn nach dem Brexit-Votum hat die LSE an der Börse massiv an Wert verloren. Doch die Mehrheitsverhältnisse in dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen wurden bereits festgeschrieben: Gut 54 Prozent für die Deutsche Börse, rund 46 Prozent für die LSE.

Dieses Machtverhältnis sei «ein Witz», kritisierte Stuhlfauth. «Angemessen wären schon vor dem Brexit 60 zu 40 Prozent gewesen, jetzt nach dem Brexit 65 zu 35 und als Kompromiss vielleicht 60 zu 40.» Die Betriebsratschefin urteilt: «Unser Management hat einfach schlecht verhandelt. Es scheint fast so, als habe London alle Bedingungen diktieren können.» Dabei sei die Deutsche Börse größer und wertvoller. Das Umtauschverhältnis müsse angepasst werden.

Im Unternehmen selbst mit seinen konzernweit knapp 5300 Mitarbeitern (Stand: Ende 2015) habe Konzernchef Kengeter nach seinem fulminanten Start im Juni 2015 in den vergangenen Monaten sehr stark an Rückhalt verloren, schilderte Stuhlfauth: «Die Fassungslosigkeit greift auch im Unternehmen um sich.»

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erstellt am 17.Jul.2016 | 08:44 Uhr

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