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Wirtschaft

08. Dezember 2016 | 23:15 Uhr

Kommentar : Autonomes Fahren: Schöne neue Autowelt?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seelenlose Digital-Assistenten können hilfreich sein. Doch der Alleskönner kann auch ablenken – und Menschen in Gefahr bringen, kommentiert Redakteur Frank Albrecht.

Seit der Erfindung des Automobils ist der Mensch die größte Gefahr auf den Straßen. Und er wird es auch noch für lange, sehr lange Zeit bleiben. Selbst wenn in nicht allzu ferner Zukunft Autos souverän und nahezu risikolos selbstständig durch die Lande düsen, besteht immer noch die Gefahr, dass der Mensch in einer vermeintlichen Krisensituation die Nerven verliert, die Technik lahmlegt – und es kracht.

Doch das ist Zukunftsmusik. Realität ist, dass moderne Autos schon jetzt mit elektronischen Helfern vollgepfropft sind, die fast alle hilfreich sind. Von Fahrassistent und Musikanlage über Navigationssystem bis zu Telefon- und Internetanschluss. Wie gesagt: Alles schlau, alles hilfreich. Das Problem aber ist: Es muss auch jemanden hinter dem Steuer geben, der sich in dem digitalen High-Tech-Cockpit zurecht findet. Immer noch entdeckt man am Straßenrand hin und wieder gestrandete Autofahrer mit einem Benzinkanister in der Hand – offensichtlich nicht mal in der Lage, ihre Tankanzeige zu überwachen. Und immer noch werden Autos in Flüssen versenkt, weil die Fahrer blind ihrem Navi vertraut haben.

Zugegeben, Extrembeispiele. Aber sie sind nicht erfunden – und richten den Blick auf ein unterschätztes Risiko. Der Glanz der schönen neuen Technikwelt überstrahlt eine Gefahr: Ein Multifunktions-Touchscreen, der fast alles kann, kann auch den Menschen überfordern. Erst recht, wenn dieser nebenbei auch noch auf den Verkehr achten muss. Und der Alleskönner kann ablenken. Vor dem Smartphone am Steuer warnt jeder. Vor den seelenlosen Digital-Assistenten, die urplötzlich böse Fallen aufstellen, so gut wie niemand.

Noch fährt das Auto nicht von alleine. Noch macht es Fehler, wie der computergesteuerte Tesla in den USA. Nach wie vor sind Autos von den korrekten Entscheidungen ihres Fahrers abhängig. Bis zur Perfektion der rollenden Roboter sollte die Technik dem Menschen helfen und ihn nicht gefährden. Derzeit tut sie das aber durchaus.

Denn auch der perfekte Mensch ist noch nicht erfunden.

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erstellt am 02.Jul.2016 | 10:39 Uhr

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