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Wirtschaft

07. Dezember 2016 | 11:46 Uhr

Weniger verkaufte iPhones : Abwärtstrend: Apple-Gewinn schrumpft um 27 Prozent

vom

In der aktuellen Apple-Bilanz zeigen die Pfeile beim iPhone, dem Geschäft in China und bei den Macs derzeit nach unten. Konzernchef Tim Cook verspricht jedoch ein Comeback und will zugleich mit neuen Diensten punkten.

Cupertino | Schlechtere iPhone-Verkäufe haben Apple im vergangenen Quartal einen deutlichen Geschäftsrückgang beschert. Der Konzern konnte das aber mit einem Sprung bei Service-Erlösen etwas abfedern. Die Zahlen übertrafen allerdings die pessimistischen Erwartungen der Investoren.

Der Smartphone-Markt ist in diesem Jahr insgesamt abgekühlt. Nach Westeuropa und den USA ist auch der zuletzt lukrative chinesische Markt weitgehend gesättigt. Bei Apple sackte der Umsatz in China um ein Drittel auf 8,85 Milliarden Dollar ab. Das Wachstum im Smartphone-Geschäft kommt aus den Schwellen- und Entwicklungsländern. Und dort sind aktuell günstige Geräte gefragt.

Die Apple-Aktie legte nachbörslich um fast sieben Prozent zu. Firmenchef Tim Cook sagte, die Nachfrage sei stärker ausgefallen als Apple selbst erwartet habe. Dennoch musste der erfolgsverwöhnte Apple-Konzern zum zweiten Mal in Folge einen Rückgang registrieren. Der Umsatz fiel im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 42,36 Milliarden Dollar (38,6 Mrd Euro). Der Gewinn schrumpfte um 27 Prozent auf knapp 7,8 Milliarden Dollar.

Der iPhone-Absatz ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15 Prozent auf 40,4 Millionen Geräte zurück. Unter anderem mit dem günstigeren iPhone SE im Angebot fiel der Umsatz sogar um 23 Prozent auf gut 24 Milliarden Dollar. Damit sank auch der Anteil der iPhone-Umsätze am gesamten Geschäft auf gut 56 Prozent von zuletzt rund zwei Dritteln.

Das neue iPhone SE (r) ähnelt dem Vorgänger 5s (l) zum Verwechseln.  
Das neue iPhone SE (r) ähnelt dem Vorgänger 5s (l) zum Verwechseln.   Foto: Andrea Warnecke
 

Das Modell SE - bei dem große Teile der Technik der aktuellen iPhone-6-Modelle ins kleinere Gehäuse der 5er-Reihe gepresst wurden - sei sehr populär gewesen, hieß es. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines iPhone fiel im Jahresvergleich um 65 Dollar auf 595 Dollar. Finanzchef Luca Maestri erklärte das vor allem mit Einmaleffekten, rund ein Drittel des Rückgangs gehe auf ungünstige Wechselkurse zurück. Im ersten Kalenderquartal hatte ein verkauftes iPhone im Schnitt noch 642 Dollar gekostet, im laufenden Quartal werde der Durchschnittspreis wieder hochgehen, sagte Maestri. Traditionell wird im September bereits einige Tage oder Wochen das nächste iPhone-Modell verkauft.

Die Verkäufe der iPad-Tablets fielen zwar weiter - um neun Prozent auf 9,95 Millionen Geräte. Mit den teureren Modellen des iPad Pro stieg der Umsatz aber um sieben Prozent auf fast 4,9 Milliarden Dollar. Das war das erste Wachstum in dem Geschäft seit längerer Zeit.

Die Umsätze im Dienste-Geschäft sprangen im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 5,98 Milliarden Dollar hoch. Dazu gehören die Download-Plattformen für Apps, Filme und Musik sowie der neue Streaming-Dienst Apple Music, Service-Angebote wie der iCloud-Speicher sowie der Bezahldienst Apple Pay.

Die Verkäufe der Mac-Computer fielen um elf Prozent auf 4,25 Millionen Geräte, der Umsatz ging noch etwas deutlicher um 13 Prozent auf 5,24 Milliarden Dollar zurück. Apple hatte sich in den vergangenen Jahren besser als der gesamte PC-Markt geschlagen, jetzt schrumpfte der Mac-Absatz stärker als die branchenweiten Verkäufe. Zugleich hat der Konzern einen großen Teil der Computer-Modellpalette schon länger nicht aufgefrischt.

Apple sitzt nun auf einem Geldberg von 231,5 Milliarden Dollar. Die Reserven sanken binnen drei Monaten um 1,4 Milliarden Dollar - der erste Rückgang seit Jahren. Über 90 Prozent des Betrags liegen außerhalb der USA. Apple will die Milliarden-Reserven nicht ins Heimatland bringen, weil dann Steuern von rund 35 Prozent fällig würden. Stattdessen macht Apple lieber für Dividenden und Aktienrückkäufe lieber Schulden, die Verbindlichkeiten liegen aktuell bei 72 Milliarden Dollar. Zuletzt schüttete der Konzern 13 Milliarden Dollar an Aktionäre aus. Zugleich gab es im vergangenen Quartal drei Firmenzukäufe, Namen wurden nicht genannt. Außerdem steigerte Apple seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung erneut, vermutlich auch für das nicht bestätigte Projekt eines Apple-Autos.

Für das laufende Quartal rechnet Apple mit einem Umsatz zwischen 45,5 und 47,5 Milliarden Dollar - und stellte damit wieder einem Geschäftsrückgang in Aussicht. Im Vorjahresquartal lagen die Erlöse bei 51,5 Milliarden Dollar.

Eine eiserne Regel von Apple ist, nie über noch nicht fertige Geräte oder Dienste zu sprechen. Doch nach dem zweiten deutlichen Geschäftsrückgang in Folge weichte Konzernchef Tim Cook diese Regel deutlich auf. Cook machte klar, dass Apple große Pläne für das Fernsehgeschäft hat. Das heutige Business mit der kleinen schwarzen Fernsehbox Apple TV sei erst der Anfang, erklärte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Wir haben eine Basis geschaffen, auf der wir etwas Größeres aufbauen können.“ Mit den neuen Aktivitäten will Cook verhindern, dass Apple in einem Abwärtsstrudel versinkt, wenn das Geschäft mit dem iPhone weiter schrumpft.

Kurz zuvor wurde bekannt, dass Apple sich die Rechte für eine neue Video-Serie gesichert hatte, die auf den populären „Carpool Karaoke“-Fragmenten aus der „Late Late Show“ basiert. Darin fahren Prominente mit Gastgeber James Corden in einem Auto durch die Gegend und singen und reden dabei. Zuletzt sorgte Präsidentin-Gattin Michelle Obama für Furore, zuvor wurde die Fahrt mit Adele allein bei YouTube rund 120 Millionen Mal angesehen. Während die Clips aus der Late-Show erhalten bleiben, wird die neue Sendung exklusiv beim Abo-Dienst Apple Music zu sehen sein.

„Basis für etwas Größeres“ war aber auch das Leitmotiv von Cooks Auftritt bei der rund einstündigen Quartals-Telefonkonferenz. Die Runde mit Analysten ist eine der vier Gelegenheiten im Jahr, einen Einblick in die Denkweise des Konzerns zu bekommen. Der 55-Jährige betonte, dass Apple ein Rundum-Paket von Diensten für den Alltag bieten wolle.

Auf der Welle der Begeisterung für das Spiel „Pokémon Go“ bekräftigte Cook Apples Interesse an der dabei verwendeten Technologie der „Augmented Reality“, bei der virtuelle Objekte in reale Umgebungen eingeblendet werden. Und mehr als einmal versicherte er, dass auch Apple künstliche Intelligenz einzusetzen wisse, bei der Google und inzwischen auch Facebook so stark sind.

Zu einem Autoprojekt, über das seit über einem Jahr spekuliert wird, sagte Cook allerdings nichts. Und weiterhin unklar bleibt auch, wie erfolgreich die im April 2015 gestartete Computer-Uhr Apple Watch ist, die das Geschäft des Konzerns ausweiten sollte. Nach Berechnungen der Marktforscher von IDC wurden im vergangenen Quartal noch 1,6 Millionen Apple-Uhren verkauft - ein Jahr zuvor sollen es zur Markteinführung noch 3,6 Millionen gewesen sein. Zumindest wird deutlich, dass die Apple Watch die Verluste beim iPhone längst nicht ausgleichen kann.

Cook versicherte zugleich, er sei „sehr optimistisch“ für die Zukunft: Weltweit machten Smartphones erst gut 40 Prozent der heute genutzten Mobiltelefone aus - und man müsse nur warten, bis auch Leute in Entwicklungsländern bereit seien, mehr Geld für iPhones auszugeben. In China ging diese Rechnung schon einmal auf. Aktuell grasen aber vor allem chinesische Hersteller mit ihren hochgerüsteten günstigen Geräten die Smartphone-Wachstumsmärkte ab.

Cook erklärte, das SE erfülle seine Aufgabe, neue Nutzer ins iPhone-Ökosystem zu bringen - und stelle zugleich diejenigen zufrieden, denen die Displays der 6er-Reihe zu groß seien. Letztlich begibt sich Cook mit dem iPhone SE auf den Massenmarkt und bricht damit mit der Strategie von Apple-Mitbegründer Steve Jobs, der das iPhone stets am oberen Ende des Smartphone-Marktes positioniert hatte.

Die Anleger, denen früher kein Umsatz- oder Gewinnsprung von Apple hoch genug schien, stapelten diesmal tief und waren schon mit wenig zufrieden. Die Aktie legte nachbörslich um fast sieben Prozent zu, obwohl der Umsatz um 15 Prozent absackte und der Gewinn um mehr als ein Viertel.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 11:12 Uhr

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