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Wirtschaft

01. Oktober 2016 | 03:30 Uhr

Pestizid : 14 Biere enthalten Glyphosat – Brauer setzen sich zur Wehr

vom
Aus der Onlineredaktion

Forscher finden wahrscheinlich krebserregenden Unkrautvernichter im Bier. Wie gefährlich ist die Belastung?

München | Forscher des Umweltinstituts in München haben in 14 deutschen Biersorten Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat entdeckt. Die gefundenen Werte lagen zwischen 0,46 Mikrogramm pro Liter (µg/l) und 29,74 µg/l, im Extremfall also fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 µg/l. Der Deutsche Brauer-Bund bezeichnete die Ergebnisse als „nicht glaubwürdig“.

Glyphosat wird von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft. Auch in Getreide und Backwaren wurde der Stoff bereits nachgewiesen.

Der Fund im Bier sei „ein weiterer Indikator dafür, dass der verbreitete Einsatz von Glyphosat letztlich dazu führt, dass das Pestizid über die Nahrung wieder bei uns Menschen landet“, erklärt Biologin Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut München. Bei wie vielen Marken es wirklich enthalten ist, bleibt unklar. Da es in den 14 beliebtesten Bieren gefunden wurde, geht der Verein aber davon aus, dass auch viele andere Bier-Sorten Glyphosat enthalten.

Das sind die Testergebnisse:

Marke Geteste Biersorte Unternehmen Glyphosatmenge
Hasseröder Hasseröder Pils Anheuser-Busch InBev 29,74 μg/l
Jever Jever Pils Radeberger Gruppe 23,04 μg/l
Warsteiner Warsteiner Pils Warsteiner Gruppe 20,73 μg/l
Radeberger Radeberger Pilsner Radeberger Gruppe 12,01 μg/l
Veltins Veltins Pilsener Veltins 5,78 μg/l
Oettinger Oettinger Pils Oettinger Brauerei 3,86 μg/l
König König Pilsener Bitburger Braugruppe 3,35 μg/l
Krombacher Krombacher Pils Krombacher Brauerei 2,99 μg/l
Erdinger Erdinger Weißbier Erdinger Weißbräu 2,92 μg/l
Paulaner Paulaner Weißbier Paulaner Brauereigruppe 0,66 μg/l
Bitburger Bitburger Pils Bitburger Braugruppe 0,55 μg/l
Beck's Beck's Pils Anheuser-Busch InBev 0,50 μg/l
Franziskaner Franziskaner Weißbier Anheuser-Busch InBev 0,49 μg/l
Augustiner Augustiner Helles Augustiner Bräu 0,46 μg/l

Als Konsequenz auf die Ergebnisse fordert das Umweltinstitut, dass Brauereien ihre Zutaten jetzt genau überprüfen. Guttenberger sagt: „Die Hersteller müssen klären, wie Glyphosat in das Bier gelangen konnte und in Zukunft sicherstellen, dass ihre Produkte frei von Pestizidrückständen sind.“

Der Deutsche Brauer-Bund weist den Vorwurf des Umweltinstitutes, die Brauereien würden ihre Rohstoffe nicht ausreichend kontrollieren, als absurd und völlig haltlos zurück: „Die Brauereien in Deutschland betreiben – ebenso wie die vorgelagerten Stufen der Malz- und Hopfenerzeugung – einen hohen Aufwand, um die vier natürlichen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, die nach dem Reinheitsgebot zum Brauen verwendet werden, auf mögliche Schadstoffe zu kontrollieren“, sagte Pressesprecher Marc-Oliver Huhnholz.

Darüberhinaus seien die vom Umweltinstitut verbreiteten Testergebnisse nicht nachvollziehbar. Auch das dargestellte „Ranking“ der Biere sei absolut unseriös. Huhnholz weist darauf hin, dass das Umweltinstitut selbst feststellt, dass der Test nur auf einer „kleinen Anzahl von Proben“ beruhe und „keine generelle Aussage über die Belastung des Bieres einer bestimmten Marke“ zulasse.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher. Glyphosatrückstände in Bier seien aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosatein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff sei. Selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter seien jedoch so niedrig, dass die rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen mehr als 1000-fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltenden Aufnahmemengen, teilte das BfR auf Anfrage mit. „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.“

Das Pflanzenschutzmittel ist schon lange umstritten. Marike Kolossa, Leiterin des Fachgebiets gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung im Umweltbundesamt, sagte dazu, da nach wie vor zwischen Experten nicht abschließend geklärt sei, ob Glyphosat Krebs beim Menschen erregen könne, sei eine Belastung des Menschen „nicht wünschenswert“.

 

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erstellt am 25.Feb.2016 | 13:43 Uhr

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