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Deutschland & Welt

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Heiligsprechung im Vatikan : Vorbild Mutter Teresa: So wird man ein Heiliger

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Mutter Teresa kümmerte sich aufopferungsvoll um ihre Schützlinge. Sie ist Friedensnobelpreisträgerin, Seelige und ab Sonntag Heilige. Aber wie wird man eigentlich heilig gesprochen?

Rom | Am Sonntag soll Mutter Teresa eine der höchsten Ehren der katholischen Kirche erhalten: die Heiligsprechung. Hunderttausende Pilger werden in Rom erwartet, um der kleinen Nonne mit dem weiß-blauen Ordensgewand fast 20 Jahre nach ihrem Tod die Ehre zu erweisen. Die Zeremonie gilt bereits jetzt als einer der Höhepunkte des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“.

Kritiker werfen der katholischen Kirche vor, dass die Heiligsprechungen zu teuer wären, inflationär gebraucht werden, nicht mehr zeitgemäß und willkürlich seien. Laut katholischer Kirche hat allein der polnische Papst Johannes Paul II. in seiner Amtszeit von 1978 bis 2005 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen vorgenommen. Weiterhin kann der amtierende Papst allein entscheiden, ob er die Heiligsprechung auch ohne das normalerweise notwendige zweite Wunder anordnet. Außerdem wird bezweifelt, dass derartige Wunder für Gläubige im 21. Jahrhundert noch zeitgemäß seien.

Die Seligsprechung Mutter Teresas hat Papst Johannes Paul II. am 19. Oktober 2003 vorgenommen. Es handelte sich um eine der schnellsten Seligsprechungen der Neuzeit. Ihr zugesprochenes Wunder wurde im Dezember 2015 anerkannt, über den Termin der Heiligsprechung entschied der Vatikan Mitte März. Selige und Heilige werden in der katholischen Kirche als Vorbilder christlichen Lebens verehrt.

Doch was steckt wirklich hinter der Zeremonie: Warum werden Menschen erst nach ihrem Tod geehrt und wie werden aus Menschen Heilige?

So wird man heilig gesprochen

1. Eine Biographie im Sinne der Kirche

Um ein Seliger oder Heiliger zu werden, ist es notwendig sein ganzes Leben im Sinne seines Glaubens zu handeln und Gutes zu tun. Die ganze Lebensgeschichte eines Menschen wird im Laufe des Verfahrens streng geprüft.

Am Beispiel von Mutter Theresa sieht man das hohes Engagement und ihre Aufopferung für die Armen und Hilfsbedürftigen. Schon früh hat sie ein Kloster besucht, ist einem Orden beigetreten und hat selber die Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe gegründet.

1979 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

2. Wunderheilung oder Martyrium

Eine Wunderheilung oder ein Martyrium sind die Vorausetzung für die Seligsprechung:

Ein Wunder bewirkt man, indem man einen angeblich unheilbar Kranken wieder zur Gesundheit verholfen hat. Dieses Wunder ist in einem getrennten Verfahren zu belegen. Ärzte müssen bestätigen, dass die Genesung nicht wissenschaftlich zu erklären ist.

Als Märtyrer gilt man, wenn man für seinen Glauben unter großen Schmerzen oder Folter sterben musste.

Ein Beispiel ist der junge Märtyrer Sánchez del Río (1913-1928). Er nahm auf der Seite der kirchentreuen Bauernverbände am Bürgerkrieg Cristiada gegen die Regierungstruppen teil. Im Februar 1928 wurde er gefangen genommen und gefoltert, um dem katholischen Glauben abzuschwören. Mit zerschnittenen Fußsohlen musste der 14-Jährige schließlich zu seiner Hinrichtungsstätte laufen. Er rief: „Es lebe Christus König“, bevor er mit einem Kopfschuss hingerichtet wurde.

3. Seligsprechung

Den Antrag zur Seligsprechung stellt der örtliche Bischof. Ein Kirchengericht prüft dann, ob die Person tugendhaft gelebt hat, im „Rufe der Heiligkeit“ gestanden, ein Martyrium erlitten oder Wunder bewirkt hat. Nach dem Urteil des Gerichts prüft die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan die Unterlagen und gibt eine Empfehlung an den Papst, der dann entscheidet.

Während der Zeremonie spricht der Papst die Person selig, die ab diesem Zeitpunkt in einer bestimmten Region verehrt werden kann.

Durch die Seligsprechung wird der Person das Vertrauen zugesprochen, dass sie im Himmel neben Gott die Vollendung erreicht hat.

4. Heiligsprechung

Für die Heiligsprechung ist in der Regel der Nachweis eines zweiten Wunders erforderlich.

Das Verfahren läuft ähnlich wie bei der Seligsprechung. Zu Beginn steht der Antrag beim Vatikan. Ein sogenannter Postulator muss weitere biografische Informationen, Schriften der Person sowie schriftliche und mündliche Zeugnisse von Zeitgenossen sammeln.

Diese Akten werden dann bei der Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse eingereicht. Nach weiteren Prüfungen, unter anderem durch Bischöfe und Kardinäle, liegt die letzte Entscheidung beim Papst, der die Heiligsprechung dann vornimmt.

Bis zu 50.000 Euro kann das Verfahren kosten. Ein Grund ist beispielsweise, dass Honorare an Gutachter gezahlt werden müssen.

Die Heiligsprechung dehnt die Verehrung von einer Region auf die gesamte katholische Weltkirche aus.

Mutter Teresa - Die Biographie einer Heiligen

Geboren wurde Mutter Teresa als Agnes Gonxha Bojaxhiu am 26. August 1910 im heutigen Mazedonien. Mit 18 Jahren trat sie in den irischen Loreto-Orden ein und unterrichtete zunächst in Indien an einer katholischen Schule. Sie nahm den Namen Teresa an, nach der französischen Heiligen Therese von Lisieux.

Die Armut in Kolkata erschütterte sie aber so, dass sie die Arbeit als Lehrerin bald aufgab. Während einer Bahnfahrt erlebte sie, was sie später als „Gottes zweiten Ruf“ bezeichnete. Jesus wolle, dass sie ihm in die Slums folge, sagte sie. 1950 gründete sie ihren Orden, kümmerte sich von nun an um die Hungernden, die Vertriebenen, die Kranken und vor allem die Sterbenden. „Engel der Armen“ wurde sie genannt. 1979 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

Die Katholikin musste sich auch scharfe Kritiken anhören. Ihr Hauptziel sei es, die Armen zum Christentum zu bekehren, lautete einer der Hauptvorwürfe. Zahlreiche Beobachter bemängelten, der Orden helfe nicht dabei, die Ursachen der Armut zu beseitigen. Dies kehrte Mutter Teresa in die Aufforderung um, ihre Kritiker sollten Entwicklungsprojekte starten. „Ich leiste meinen kleinen Beitrag. Jeder soll das tun, was in seinen Kräften steht“, sagte sie. Am 5. September 1997 starb Mutter Teresa im Alter von 87 Jahren.

Ihr erstes Wunder bewirkte sie angeblich bei der Heilung einer Inderin. Die erkrankte Frau erklärte, dass sie nach dem Tod von Mutter Teresa durch Gebete und dem Auflegen des gesegneten Amulettes ihren Tumor besiegt habe. Und auch beim zweiten Wunder handelt es sich um einen unerklärlichen Fall: Ein schwer kranker Mann mit einer Tumorerkrankung soll durch Gebete an die Nonne geheilt worden sein.

Papst Johannes Paul II. sagte, Mutter Teresa habe die Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt.

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erstellt am 01.Sep.2016 | 19:04 Uhr

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