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Deutschland & Welt

05. Dezember 2016 | 03:28 Uhr

Musik : Von Obama bis Lee: Trauer um Prince

vom

Der schwarze US-Präsident liebt schwarze Musik - seine Begeisterung für Aretha Franklin, Al Green, Stevie Wonder, Erykah Badu oder Mavis Staples, die teilweise sogar im Weißen Haus sangen, ist dokumentiert.

Nun trauert der politisch mächtigste Mann der Welt um Prince, einen der wirkmächtigsten Popmusiker der vergangenen 40 Jahre. «Heute haben wir eine kreative Ikone verloren», hieß es in einer Mitteilung von Barack Obama und seiner Frau Michelle.

«Er war ein virtuoser Instrumentalist, ein brillanter Bandleader und ein elektrisierender Bühnenkünstler», schrieb der Präsident. Damit traf der Musikliebhaber und -kenner Obama den Nagel auf den Kopf, obwohl man noch viele andere Attribute für Prince finden könnte: zum Beispiel herausragender Sänger, fantasievoller Arrangeur und Produzent, frech-frivoler Songtexter.

Eines war der am Donnerstag mit 57 Jahren in seinem Anwesen in Chanhassen/Minnesota gestorbene Sohn eines schwarzen Jazz-Musikers und einer weißen Sängerin aber ganz sicher nicht: Ein Künstler, der nur schwarze Musik wie Soul oder Funk machen wollte und sich auf diesem Bereich eingrenzen ließ. Dennoch ist die Trauer der «black community» vor allem in den USA nun besonders groß. Denn Prince war eben auch einer, der gezeigt hat, wie man es in einer von Weißen dominierten Pop-Welt schafft, ohne sich - im Gegensatz etwa zu Michael Jackson - zu verbiegen.

Der schwarze US-Regisseur Spike Lee («Malcolm X») feierte Prince mit einer spontanen Straßenparty in New York. «Wir sind alle fassungslos über seinen plötzlichen Tod, aber er ist hier bei uns in spiritueller Form», sagte er dem TV-Sender CNN. Der große Schauspieler Samuel L. Jackson («Pulp Fiction») schrieb bei Twitter: «Ich bin am Boden zerstört! Ein riesiger Verlust für uns alle!» Rockstar Lenny Kravitz twitterte: «Mein musikalischer Bruder... Mein Freund... Er zeigte mir meine eigenen Möglichkeiten.» Auch Soul-Legende Stevie Wonder verneigte sich: «Er liebte die Musik leidenschaftlich. Es gibt nichts Besseres auf der Welt als Musiker, die zusammen jammen können. (...) Es macht einfach viel Spaß, und er war unglaublich gut.»

Nur in seinen ersten Platten ließ sich Prince als schwarzer Künstler identifizieren, obwohl auch schon diese noch etwas wackligen Werke mit modernen Elektro-Sounds vom klassischen Soul- oder Disco-Schema der 60er und 70er Jahre abwichen. Mit dem ambitionierten Doppel-Album «1999» (1982) verwischte der Sänger und Multi-Instrumentalist dann in originellen Songs die Genres: Pop, Rock, Soul, Jazz, Blues, Funk, Gospel - das Ergebnis waren herrliche Balladen, brillante Musik für die Tanzflächen und dröhnende Gitarrenkracher. Seine Vorbilder waren Afroamerikaner wie James Brown, Jimi Hendrix, Curtis Mayfield, Marvin Gaye oder Sly Stone, aber eben auch die Beatles oder Led Zeppelin.

In dieser Zeit und bis in die 90er Jahre war Prince auf Augenhöhe mit den ganz Großen des Pop - künstlerisch, aber auch kommerziell. Wohl nur Madonna, Michael Jackson und U2 übertrafen die Plattenverkäufe und Konzerterfolge des aus der Industriestadt Minneapolis stammenden Amerikaners. Unsterbliche Songs wie «Purple Rain», «Kiss» oder «Sign O' The Times» waren das hochwertigste Chartsfutter jener Zeit.

In den vor Energie berstenden Shows des nur 1,57 Meter großen Prince Roger Nelson kulminierte sein exzentrisches Genie. Und ohne wagemutige, überbordende Pop-Wunderwerke wie «Around The World In A Day», «Parade», «Sign O' The Times» oder «Lovesexy» wären die 80er Jahre viel öder gewesen.

Doch es blieb nicht so großartig. Und das hatte viel mit jener bizarren Sprunghaftigkeit zu tun, die den enorm begabten Künstler zunächst zu höchster Kreativität anspornte und später zu wenig karrierefördernden Entscheidungen. So überwarf sich Prince mit Plattenfirmen, schrieb sich im Ringen um Selbstständigkeit «Slave» (Sklave) auf die Wange und änderte diverse Male seinen Künstlernamen - schrägstes Beispiel: TAFKAP, «The Artist formerly known as Prince».

Zuletzt waren seine Platten bisweilen nur noch online zu beziehen, er verramschte eine neue CD auch mal als Zeitungsbeilage. Viele neue Songs verkamen zu Selbstplagiaten, waren weder im weißen noch im schwarzen Pop wirklich zeitgemäß. Die Hiphop-Versuche von Prince blieben halbherzig. Welthits: Fehlanzeige. Dennoch hatten Fans und Musikkritiker immer die Hoffnung, dass da noch eine künstlerische Überraschung, womöglich sogar ein überragendes Alterswerk in Prince schlummert. Doch nun fehlt diese Abrundung eines rasanten, rigorosen Künstlerlebens.

Schlagzeilen machte zum Schluss seine Nähe zu den Zeugen Jehovas - und immer mal wieder sein Privatleben, das er in seinem Studio- und Wohnkomplex Paisley Park in Chanhassen verbrachte. Prince wurden viele Affären nachgesagt - mit Kim Basinger, Madonna, Carmen Electra, Sheena Easton. Zweimal war er verheiratet, mit weniger bekannten Frauen. Und stets sah der drahtige, rehäugige Prince aus wie ein Mann von ewiger Jugend. Auch deswegen rechnete niemand mit der Nachricht, dass nach David Bowie dieses Jahr ein weiteres stilprägendes Pop-Chamäleon sterben würde.

Prince auf Twitter

Webseite zum letzten Album

CNN-Interview

Bericht der Star Tribune

Sandfestival in Florida bei Twitter

Bericht der New York Times

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erstellt am 22.Apr.2016 | 11:48 Uhr

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