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US-Wahl

04. Dezember 2016 | 00:50 Uhr

Kommentar : Donald Trumps Personalentscheidungen: Wenig Anlass für Optimismus

vom

Stephen Bannon hat ideologisch klare Vorstellungen, wo die Reise hingehen soll, kommentiert Thomas Spang.

Links blinken, rechts abbiegen - Donald Trump vollzieht bei der Besetzung der Top-Ämter im Weißen Haus ein klassisches Täuschungsmanöver. Mit der Berufung des jungenhaften Reince Priebus zum Stabschef des Weißen Hauses erweckt er den Eindruck, als kehrte er in den Schoß der traditionellen Republikaner zurück.

Tatsächlich nutzt der Außenseiter Trump bloß das Netzwerk des bisherigen Parteimanagers aus, seine Regierung ans Laufen zu bekommen. Er muss hunderte Jobs besetzen und nicht die leiseste Ahnung, wo er das Personal dafür bekommen soll. 

Das weiß auch Stephen Bannon nicht, den Trump zu seinem Chef-Strategen berief. Umso mehr hat der ehemalige Breitbart-CEO und Kopf der „alternativen Rechten“ ideologisch klare Vorstellungen, wo die Reise hingehen soll.  

Die Ankündigung Trumps, gleich nach der Amtseinführung „zwei bis drei Millionen“ Einwanderer zu deportieren, könnte direkt aus dem Drehbuch des Mannes stammen, den nicht wenige in Washington für einen Rassisten, Anti-Semiten, Islam-Hasser und Frauenverachter halten.  

Der harmlos-höfliche Priebus darf fürs Erste den Büroleiter mimen und das Publikum beruhigen, während Bannen als „graue Eminenz“ im Hintergrund die Fäden zieht. Trump befördert mit dem Kopf Alt-Right-Bewegung eine obskure Randgestalt ins Zentrum der Macht: Bannons Nähe zu Figuren wie den UKIP-Führer Nigel Farage, Front-National-Chefin Marine Le Pen und den Niederländer Geert Wilders illustriert die bedenkliche Seelen-Verwandtschaft des künftigen Vordenkers im Weißen Haus.

Wenn Priebus nicht aufpasst, wird er in kürzester Zeit zu einem Erfüllungsgehilfen degradiert. Die Weichen dafür hat der künftige Präsident schon gestellt. In seiner schriftlichen Ankündigung nannte Trump nicht nur Bannons Berufung zuerst, sondern hob ausdrücklich hervor, dieser sei mit dem „Chief of Staff“ gleichgestellt. Ein beispielloser Vorgang in der Geschichte der Machtverteilung im Weißen Haus. Bisher spielte der Chef-Stratege stets eine nachgeordnete Rolle.

So verständlich es ist, sich an jedem Strohhalm zu klammern - die ersten Personalentscheidungen Trumps bieten wenig Anlass für Optimismus. Im Gegenteil muss befürchtet werden, dass Bannon seine Agitprop-Qualitäten nun im Weißen Haus entfaltet und den Wahnsinn zur Staatsdoktrin macht. Daran ist nichts beruhigend und noch weniger „normal“.

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erstellt am 15.Nov.2016 | 16:25 Uhr

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