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US-Wahl

06. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

US-Präsident : Donald Trump: Seine Parolen im Wahlkampf - und wie er jetzt zurückrudert

vom

Hillary Clinton bezeichnet er als „sehr stark und klug“. Nicht die einzige Äußerung, die verwundert. Eine Übersicht.

Es ist fünf Tage her, da wurde der umstrittene Immobilienunternehmer Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Sein Wahlkampf war laut und provokant - und viele fürchten sich vor seiner unberechenbaren Politik. Am Sonntag sorgte Trump denn auch gleich wieder für Verwunderung: In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Senders CBS schlug Trump wesentlich mildere Töne an als zuvor in seinem Wahlkampf.

Außerdem wolle er als Präsident nicht das übliche Salär für dieses Amt in Anspruch nehmen. Er werde bloß einen Dollar pro Jahr akzeptieren, sagte der Multimilliardär. Das übliche jährliche Einkommen eines US-Präsidenten soll bei 400.000 Dollar (ungefähr 370.000 Euro) liegen.

Seine Worte unterscheiden sich von seinen Äußerungen im Wahlkampf. Was hat er gesagt - und auf welchem Standpunkt ist er jetzt? Ein Überblick.

Trump und die Gesundheitsreform

Wahlkampf: Als Kandidat hatte Trump die als „Obamacare“ bekannte Reform als „Katastrophe“ bezeichnet und angekündigt, er werde sie „als Erstes“ rückgängig machen. Zum Hintergrund: Die Gesundheitsreform des scheidenden Präsidenten Barack Obama macht eine Krankenversicherung für alle zur Pflicht. Wer sie sich nicht leisten kann, erhält Zuschüsse. Nach Angaben der Obama-Regierung hat die Reform mit allen ihren Facetten insgesamt zusätzlich 20 Millionen Menschen eine Krankenversicherung gebracht.

Äußerungen nach der Wahl: Die Gesundheitsreform will Trump doch nicht ganz abschaffen. Einige Teile davon werde er übernehmen, sagte er in einem Interview des „Wall Street Journal“. Die Regelung, dass Versicherer Patienten nicht wegen Vorerkrankungen ablehnen können, halte er für richtig. Außerdem sollten auch künftig Kinder bis zum Alter von 26 Jahren bei ihren Eltern mitversichert bleiben können.

Trump: Einwanderer und die Mauer zu Mexiko

Wahlkampf: Trump hat den Bau einer Mauer entlang der Südgrenze zu Mexiko zu einem zentralen Punkt seines Wahlkampfs gemacht. Er kündigte an, Mexiko dafür zur Kasse zu bitten. Die elf Millionen Einwanderer ohne Dokumente will er abschieben. Selbst wenn diese bereits seit langer Zeit in den USA leben, Steuern bezahlt und Kinder haben, die Staatsbürger sind. Er lehnt es ab, auch nur einen Flüchtling aus Syrien einreisen zu lassen.

Äußerungen nach der Wahl: Während sich Trump in der Frage des Gesundheitssystems versöhnlich zeigt, bleibt er in diesem Punkt bei seiner alten Forderung: Nach wie vor will er nach seinem Amtsantritt in der Ausländerpolitik hart durchgreifen. Bis zu drei Millionen Menschen ohne gültige Dokumente sollen schnell ausgewiesen werden, sagte Trump in seinem ersten Fernsehinterview nach seiner Wahl. Dies seien Kriminelle, Drogendealer und Bandenmitglieder. „Wir schaffen sie außer Landes, oder wir sperren sie ein.“

Trump will auch am Mauerbau an der Grenze zu Mexiko festhalten, wie er in einem CBS-Interview sagte. In einigen Gebieten könnte es aber auch „etwas Einzäunung“ geben, sagte der 70-jährige Immobilienmilliardär. Laut Trump-Berater Newt Gingrich wird der neue Präsident zwar eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen, aber vermutlich nicht viel Zeit darauf verwenden, Mexiko dafür zur Kasse zu bitten.

Nachdem die Grenze wieder sicher sei und sich alles normalisiert habe, werde eine Entscheidung getroffen, was mit anderen Menschen ohne gültige Dokumente geschehe, sagte Trump. Er sprach in diesem Zusammenhang von „wunderbaren Menschen“. Insgesamt halten sich in den USA nach Schätzungen elf Millionen Menschen illegal auf.

Trump und Hillary Clinton

Wahlkampf: Donald Trump hat seine Rivalin Hillary Clinton und ihre Familie beleidigt. „Es gibt keine Lüge, die sie nicht verbreiten“, hatte er mit Blick auf Hillary Clinton und ihren Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, betont. „Die Clintons sind Kriminelle, denkt daran, sie sind Kriminelle.“

Äußerungen nach der Wahl: Auch an dieser Stelle rudert Trump zurück - und äußerte er sich in dem CBS-Interview auch überaus freundlich über seine unterlegene Kandidatin Hillary Clinton. Er nannte sie „sehr stark und klug“ - und ihren Anruf, in dem sie ihm in der Wahlnacht zum Sieg gratuliert hatte, „reizend“. Auch ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, sei in einem Telefonat am Donnerstag nach der Wahl wirklich „sehr, sehr nett“ gewesen.

Trump und die Medien

Wahlkampf: Trump hatte im Wahlkampf derart häufig getwittert, oft auch nachts, dass er damit teilweise Spott erntete. Wiederholt brachte er sich mit seinen spontanen Tweets in Schwierigkeiten, und seine Berater überredeten ihn schließlich, in den letzten Tagen des Wahlkampfes auf Twitter zu verzichten. Er hat dort derzeit rund 14,8 Millionen Follower.

Äußerungen nach der Wahl: Nun will sich Trump „sehr zurückhalten“ mit dem Twittern. Er finde den Kurznachrichtendienst zwar „riesig“, sagte der Republikaner. „Es ist eine moderne Form der Kommunikation. Es sollte nichts sein, dessen man sich schämen muss.“ Aber wenn er die Plattform überhaupt weiter benutzen werde, dann sehr zurückhaltend.

(Mit dpa)

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erstellt am 14.Nov.2016 | 09:01 Uhr

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