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Deutschland & Welt

09. Dezember 2016 | 22:26 Uhr

Deutschem Box-Weltmeister droht Gefängnis : Ünsal Arik nennt Recep Tayyip Erdogan „Hitler 2.0“ – Anzeige

vom

Erneut hat sich Recep Tayyip Erdogan an einem deutschen Fernsehinhalt gestört. Diesmal war es ein Hitler-Vergleich.

Ankara | Nach einem Auftritt von Ünsal Arik beim „Sat.1-Frühstücksfernsehen“ hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wie schon im Fall Jan Böhmermann Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt. Das berichtet „Meedia“. „Erdogan macht Polit-Diktatur, für mich ist er Hitler 2.0“, hatte der bärtige Faustkämpfer Anfang August vor laufender Kamera gesagt. Er sei zwar ein stolzer Türke, stellte aber klar, er wolle sein Land von einem Diktatoren befreien.

Nach dem Putschversuch hat der türkische Präsident Erdogan eine beispiellose „Säuberung“ vorgenommen. 60.000 Soldaten, Polizisten, Richter und Lehrer wurden verhaftet oder suspendiert. Fast 2000 Anzeigen wegen Beleidigung hat er in den letzten Wochen erstattet, die meisten davon wurden allerdings fallengelassen.

Anders als viele andere türkischstämmige Deutsche fährt der 35-jährige Box-Weltmeister schon länger einen klaren Kurs gegen Erdogan. Bei seinem Finalkampf im Superweltergewicht 2014 im westtürkischen Tekirdağ hatte er seine Rebellion live im TV ins Rollen gebracht – mit einem T-Shirt, auf dem in türkischer Sprache geschrieben stand:  „Das Land gehört Atatürk und nicht Erdogan“.

Gegen das Frühstücksfernsehen und die Sendergruppe ProSiebenSat.1 liegen keine Anzeigen vor. Der Sender gedenkt, die Interviewgast zu unterstützen. Am 25. September wurde Ünsal Arik (Kampfname „ d.e.r.b.o.s.s.“) zum Verhör in die Türkei geladen. „Sobald ich türkischen Boden betrete, werde ich wohl festgenommen“, sagt er. Aber das nimmt der Prominente in Kauf. „Nicht hinfahren wäre feige, also muss ich auch dorthin fliegen und mich meinen Gegner stellen", so der Regensburger. Er stehe zu dem Gesagten.

Mit seiner freiheitskämpferischen Absicht scheint er es sehr ernst zu meinen. Bei Facebook schreibt der Doppel-Weltmeister: „Ich stehe für die Ideologie von Mustafa Kemal Atatürk (Demokratie und Menschenrechte). Ich bin sehr glücklich darüber. Ich schlafe nachts ruhig und wache morgens zufrieden auf. Mit dieser Zufriedenheit, Stolz und Ehre könnte ich 10 Jahre hinter Gitter verbringen und würde es niemals bereuen. Denn eines Tages werden Menschen darüber sprechen und erwähnen, dass es einen Sportler gab, der sich trotz allen Schwierigkeiten nicht verbiegen lies“.

Da Ünsal Arik seine türkische Staatsbürgerschaft behalten hat, steht er unter vollem türkischen Recht. Bei einer Einreise müsste der Botschafter der Stiftung Kinderherz also wahrscheinlich mit einer Verhaftung rechnen, schreibt Meedia unter Berufung auf einen Rechtsexperten.

 

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erstellt am 22.Aug.2016 | 17:25 Uhr

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