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Theater

10. Dezember 2016 | 19:37 Uhr

Musik : Unterstützung für Konzert «Aghet» der Dresdner Sinfoniker

vom

Wenige Tage vor der zweiten Aufführung ihres Konzerts «Aghet» bekommen die Dresdner Sinfoniker im Streit mit der Türkei prominenten Beistand.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) unterstützt das zum 100. Jahrestag des Massakers an den Armeniern initiierte Projekt. «Es weist einen Weg in eine hellere Zukunft», schrieb er in einem Grußwort an die Akteure. Ihm gelinge, «was eine auf abstrakte Begriffe verengte Debatte wohl nur schwerlich leisten kann.»

Die tiefe Wunde, die die Deportation der armenischen Bevölkerung aus Anatolien hinterlassen habe, sei nicht geheilt und die Kluft, die sie zwischen Türken und Armeniern riss, nicht überwunden. Umso wichtiger seien Impulse, «die das Schweigen brechen, die ein Gespräch in Gang bringen und so Voraussetzungen dafür schaffen, gemeinsam aus dem Schatten der Geschichte zu treten», schrieb Steinmeier. «Nur wer die Traumata und die Träume des Anderen kennt, der kann den Boden für eine gemeinsame Zukunft bereiten.»

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die türkische Vertretung auf EU-Ebene wegen «Aghet» interveniert hatte. Die Türkei sieht im Begriff «Völkermord» eine ungerechtfertigte Anschuldigung der damaligen Taten. Sie verwies darauf, dass die Türkei das EU-Kulturprogramm mitfinanziert und daher das Recht habe, die aus ihrer Sicht «einseitigen Interpretationen und Vorwürfe gegen die Türkei» auf der Homepage zu beanstanden. Die Kritik hatte vielfach Empörung ausgelöst.

Die um Musiker aus der Türkei, Armenien und Mitglieder des No Borders Orchestra aus Staaten des früheren Jugoslawien verstärkten Sinfoniker hatten «Aghet» Ende November 2015 in Berlin uraufgeführt. Sie wollen damit ein Zeichen der Versöhnung setzen. Die Idee dazu stammt von dem deutsch-türkischen Gitarristen Marc Sinan. «Aghet» ist dessen Großmutter gewidmet, die die Gräueltaten als Kind überlebte. Das Massaker begann mit der Verhaftung armenischer Intellektueller in Istanbul, es folgten Deportationen und Vernichtung. Nach Schätzungen kamen 800 000 bis 1,5 Millionen Angehörige der christlichen Minderheit im Osmanischen Reich ums Leben.

Das Projekt der Sinfoniker eröffnet laut Steinmeier einen Raum des gemeinsamen Nachdenkens über eine dunkle Vergangenheit. Die Musik der Toten rufe eindringlich zur Verständigung auf, «ohne die kein neues Vertrauen gedeihen kann, und zu gegenseitigem Vertrauen, das Versöhnung erst möglich macht».

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erstellt am 27.Apr.2016 | 18:10 Uhr

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