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Theater

08. Dezember 2016 | 11:00 Uhr

Festspiele : Salzburger Festspiele: Erlöser ante portas

vom

Der Übergangs-Intendant der Salzburger Festspiele, Sven-Eric Bechtolf, ist ein rastloser Kreativarbeiter. In diesem Jahr verantwortet der 58-Jährige nicht nur das Gesamtprogramm, sondern steht auch selbst auf der Bühne und ist für die Wiederaufnahme von Opern zuständig.

Man wäre fast geneigt, das Festival (22. Juli - 31. August) spaßeshalber in Sven-Eric-Bechtolf-Festspiele umzubenennen. Doch das ändert sich bald.

Der in Darmstadt geborene Bechtolf wird sich mit Ende der diesjährigen Saison nach fünf Jahren, zunächst als Schauspieldirektor, dann auch als künstlerischer Leiter, von Salzburg verabschieden. Er hatte nach dem vorzeitigen Abtreten von Intendant Alexander Pereira (68) die Position kommissarisch übernommen.

Im Herbst nimmt dann Markus Hinterhäuser das Zepter in die Hand. Mit dem Dienstantritt des 58-jährigen Pianisten und Kulturmanagers verbinden sich bei den Salzburger Festspielen nach unsteten Zeiten mit schnell wechselnden Intendanten die allergrößten Hoffnungen auf mehr Kontinuität und neue künstlerische Impulse.

Hinterhäuser war nach dem ebenfalls vorgezogenen Abschied Jürgen Flimms schon einmal für eine Saison (2011) künstlerischer Leiter der Festspiele. Davor organisierte er unter Flimm das Konzertprogramm und setzte Akzente im Bereich der zeitgenössischen Moderne. Zu Zeiten Gerard Mortiers, der die Festspiele vom Staub der Karajan-Ära befreit hatte, war er für das Avantgarde-Programm «Zeitfluss» verantwortlich. Zuletzt hatte er die Leitung der Wiener Festwochen inne. Ein ausgefuchster, bestens vernetzter Kulturprofi, der als brillanter Pianist immer wieder gerne selbst in die Tasten greift. 

Was Hinterhäuser, der in Salzburg zuweilen wie ein Erlöser gehandelt wird, für die nächste Saison im Köcher hat, ist ansatzweise schon durchgesickert. Es soll laut Nachrichtenmagazin «News» vier Schauspiel- und fünf Opernproduktionen geben. Bei den Opern soll es sich ausschließlich um szenische Neuproduktionen handeln, auch um Repertoire aufzubauen. Darunter eine Mozart-Produktion mit Originalklangensemble und ein Schlüsselwerk der Moderne.

Man kann davon ausgehen, dass die zeitgenössische Musik bei Hinterhäuser nicht zu kurz kommt. Als Gegenpol soll wohl Stardirigent Riccardo Muti (74) künftig im Festspielprogramm eine größere Rolle spielen. Vielleicht als Ersatz für den im März verstorbenen Nikolaus Harnoncourt, der viele Jahre die unumstrittene Leitfigur war. Muti gilt als konservativ. Schließlich muss Hinterhäuser, damit die Kasse stimmt, auch die Traditionalisten zufriedenstellen. 

Mutis internationale Karriere ist untrennbar mit den Festspielen verbunden, seit ihn Herbert von Karajan 1971 einlud, die Neuproduktion von Mozarts «Così fan tutte» zu dirigieren. Seither stand er in der Mozartstadt immer wieder am Opernpult. Doch seine Beziehung zu Salzburg war nie ungetrübt. Anfang der 90er Jahre scheiterte eine Neuinszenierung von Mozarts «La clemenza di Tito» an seiner Reserviertheit gegenüber dem modernen Regie-Theater.

Von 1995 bis 2005 mied er es, in Salzburg Opern zu dirigieren. Von 2007 bis 2011 konnte man ihn alljährlich bei den von ihm geleiteten Pfingstfestspielen als Operndirigent erleben, wo er, mit wechselndem Erfolg, unbekannte neapolitanische Musiktheaterwerke ausgrub.

Bei den Salzburger Sommerfestspielen hat der kapriziöse Maestro seit 2011 keine szenische Oper mehr geleitet. Jetzt ist Hinterhäuser offenbar ein Coup gelungen. Wie österreichische Medien berichteten, wird Muti nächstes Jahr erstmals seit fünf Jahren bei den Festspielen wieder eine große Oper herausbringen: Verdis «Aida».

Vor seiner Rückkehr ans Salzburger Opernpult ist Muti dieses Jahr in einem Orchesterkonzert mit den Wiener Philharmonikern und einem Strauss-Bruckner-Programm zu erleben. Als Einspringer für Harnoncourt hat man Andrés Orozco-Estrada als Interpret von Beethovens «Neunter» gewonnen, einen in Wien lebenden Kolumbianer, der zur Zeit das hr-Symphonieorchester in Frankfurt am Main und das Houston Symphony leitet. An begabten Dirigenten herrscht weltweit kein Mangel. Da muss Hinterhäuser nur zugreifen.

Salzburger Festspiele

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erstellt am 20.Jul.2016 | 17:29 Uhr

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