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Theater

06. Dezember 2016 | 21:51 Uhr

Musik : Ruhrtriennale - Festival in einer verunsicherten Welt

vom

Das experimentelle Theater- und Musikfestival Ruhrtriennale gibt sich dieses Jahr politisch. «Die ganze Welt wird politischer. Ich muss mich jeden Tag und jede Stunde politisch verhalten», sagte Intendant Johan Simons im dpa-Interview.

Unter dem Motto «Freiheit? Gleichheit? Brüderlichkeit?» will sein Festival der verunsicherten Weltlage Rechnung tragen und europäische Grundwerte kritisch diskutieren. Am Mittwoch wurde das Programm in der Bochumer Jahrhunderthalle vorgestellt.

Den Auftakt von insgesamt 40 Produktionen macht am 12. August Christoph Willibald Glucks «Alceste», bei ihrer Uraufführung 1767 eine sowohl musikalisch als auch inhaltlich aufklärerische Oper. Sie an den Anfang zu stellen, sei Simons wichtig: Der Autor des Ur-Stoffs des Stücks, Euripides, habe schließlich den Zweifel in die Weltordnung gebracht, sagte er am Mittwoch. Simons führt selbst die Regie bei der Produktion.

Doch nicht nur der Zweifel soll bei der Ruhrtriennale Raum haben. Mit «Urban Prayers Ruhr» (ab 14. August) will das Festival auch dorthin gehen, wo die Leute glauben und beten, sagt Autor Björn Bickers. Er stellt einen «Chor der gläubigen Bürger» aus fünf Religionsgruppen vor das Publikum, «der nie eine gemeinsame Stimme findet, aber immer die Ungläubigen anspricht». Seine Erfahrung sei nämlich, «dass die Religionsgemeinschaften untereinander meistens sehr gut auskommen», sagt Bicker.

Er hat das Stück schon 2013 in München uraufgeführt, habe aber mit Gläubigen in der «religiösen Megacity» Ruhrgebiet «eine völlig neue Fassung» erarbeitet. Während er in München eine gewisse Sattheit wahrgenommen habe, sei im Ruhrgebiet überall Zukunftsangst spürbar gewesen. Immer wieder sei ihm die Frage begegnet: «Welche Chancen hat unsere Jugend, auf Ausbildung, Arbeit und Religionsausübung?»

Kulturelle Spannungen thematisiert auch Simons' zweite Regiearbeit, «Die Fremden» nach Kamel Daouds aktuellem Roman «Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung». Daoud bezieht sich direkt auf Albert Camus' Roman «Der Fremde», er gibt dem darin getöteten namenlosen «Araber» einen Namen, Moussa, und eine Geschichte. Das Stück wird in der Kohlenmischhalle der Zeche Auguste Victoria gezeigt, die bis Ende 2015 noch in Betrieb war.

Die Ruhrtriennale zeigt bis zum 24. September 40 Produktionen, darunter 20 Uraufführungen. Neben Bühnenkunst sind auch Installationen zu sehen. Auch das Kunstdorf «The Good, the Bad and the Ugly» vor der Bochumer Jahrhunderthalle, das 2015 unverhofft zum Festivalzentrum wurde, ist wieder aufgebaut.

Das Nachwuchsbüro der Ruhrtriennale ruft dort für die Festivalzeit ein «Teenager-Machtgebiet» aus, in dem Jugendliche das Sagen haben sollen. Sie bieten dem Publikum dort unter anderem Nachtwanderungen und «Mutproben».

Die Ruhrtriennale

Produktionen der Ruhrtriennale

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erstellt am 03.Aug.2016 | 16:13 Uhr

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