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Theater

17. Januar 2017 | 18:12 Uhr

Musik : Antonin Dvorak: Prärieklänge und Sehnsucht nach Böhmen

vom

Seine Symphonie «Aus der Neuen Welt» zählt zu den meistgespielten Werken in den Konzertsälen: Am 8. September wäre der Komponist Antonin Dvorak 175 Jahre alt geworden. Noch immer wird Neues über ihn entdeckt.

Als Neil Armstrong im Juli 1969 zum Mond reiste, da nahm der US-Astronaut auch eine Aufnahme klassischer Musik mit, aber nicht irgendeine: Es war die Symphonie «Aus der Neuen Welt» von Antonin Dvorak.

1892 war der böhmische Komponist zum ersten Mal in Amerika. Die Erwartung an ihn war damals keine geringere, als die «typisch amerikanische Musik» zu erfinden.

Dvorak verband die Weite der Prärie mit dem Puls der Weltstadt New York, indianische Fünfton-Melodik mit Elementen slawischer Folklore und der Sehnsucht nach seiner Heimat Böhmen. Seinem Verleger Simrock berichtete er: «Der Erfolg dieser Symphonie am 15. und 16. Dezember war ein großartiger, die Zeitungen sagen, noch nie hätte ein Komponist einen solchen Triumph gehabt.»

Beinahe hätte das Schicksal andere Pläne mit Antonin Dvorak gehabt. Geboren wurde er vor 175 Jahren, am 8. September 1841, im kleinen Ort Nelahozeves bei Prag. Wenn es nach dem Vater gegangen wäre, hätte der junge Mann Schlachter werden sollen. Die Familie betrieb in Dvoraks Geburtshaus mit der Nummer 12, das heute ein Museum beherbergt, einen Handwerksbetrieb.

Stattdessen ging der junge Dvorak, der in Nelahozeves Geigenunterricht bekommen hatte, für zwei Jahre auf die Prager Orgelschule. Er sei «sehr fleißig», hieß es im Zeugnis. Später spielte er neben Bratsche auch Klavier - und schlug sich zeitweise als Musiker einer Tanzkapelle durch.

Das Prager Antonin-Dvorak-Museum im feudalen Sommerschloss «Amerika» verwahrt bis heute einige der originalen Musikinstrumente des Komponisten, neben Pfeife, Zwicker und Taktstock. Einen Steinwurf entfernt in der Zitna-Straße, heute eine verstopfte Verkehrsachse, hatte Dvorak einst gelebt.

Hier ging der Komponist gern und oft spazieren. «Er war sehr familienorientiert und er liebte die Natur», sagt Museumskuratorin Katerina Nova. «Ein sehr lieber Mensch, nur wenn ihm etwas misslang, konnte er auch in die Luft gehen», erzählt sie. Der Komponist sei zutiefst gläubig gewesen, auch die sieben Bibeln in der Sammlung bezeugten dies: «Er unterschrieb fast jedes Manuskript mit Gott sei's gedankt.»

Auch 112 Jahre nach Dvoraks Tod entdeckt die Forschung noch Neues: So hat die Unterabteilung des tschechischen Nationalmuseums im April in einer Berliner Auktion einen bisher unbekannten Brief des Komponisten vom 25. Oktober 1882 erworben. Dvorak schreibt dem Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick über die Aufführung der Oper «Der Bauer ein Schelm» am Hoftheater Dresden: «Alles war so, wie ich mir es nicht besser wünschen kann, dazu auch noch die überaus glänzende Aufnahme seitens des Publikums, welches fast nach allen größeren Stücken in stürmischen Applaus ausbrach, so dass ich diesen Tag den 24 Okbr (Oktober) zu meinen schönsten in meiner Künstlerbahn zählen darf.»

Mit Bedrich Smetana bildet Antonin Dvorak in Tschechien heute ein Zweigestirn der National-Ikonen. «Niemand kritisiert ihn, aber es ist nicht so, dass dies nicht erlaubt wäre», sagt Museumskuratorin Nova. Vor allem die ältere Generation betrachte Dvorak als einen Schatz, der nicht angetastet werden dürfe. Das war nicht immer so: Anfang des 20. Jahrhunderts standen sich die Lager der Dvorak- und der Smetana-Anhänger noch unversöhnlich gegenüber.

Ob Dvorak amerikanische Melodien in die Formen klassischer Musik brachte oder Themen aus der slawischen Folklore aufnahm, es fehlte ihm nicht an Virtuosität. Dvoraks Freund und Förderer Johannes Brahms soll einmal über seinen Zeitgenossen gesagt haben: «Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.»

Wenn Museumskuratorin Nova einen Wunsch erfüllt haben könnte, dann wäre es dieser: «Das gesamte Werk Dvoraks hat wirklich eine hohe Qualität, aber leider werden immer wieder dieselben Stücke gespielt wie die Symphonie «Aus der Neuen Welt» oder «Rusalka», aber weniger die anderen Symphonien und Opern, die ebenfalls ausgezeichnet sind.» Gefeiert wird der Geburtstag des großen Böhmen unter anderem beim Musikfestival «Dvoraks Prag», das bis zum 24. September andauert.

Antonin Dvorak

Antonin-Dvorak-Museum

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erstellt am 07.Sep.2016 | 23:59 Uhr

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