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Deutschland & Welt

04. Dezember 2016 | 17:24 Uhr

Beliebtester ARD-Sonntagskrimi : „Tatort“ Münster: Ein schrilles Psychospielchen fernab der Realität

vom

Frank Kober hat den neuen „Tatort“ schon gesehen und stellt fest: Die Münsteraner Spaßvögel Thiel und Boerne können auch ernste Themen.

Richtig Freunde hat sich Gerichtsmedikus K. F. Boerne (Jan Josef Liefers) ja in der Vergangenheit nicht gemacht. Zu selbstverliebt und reichlich gefühlsblind trampelte das Pathologengenie bekanntlich alles nieder, was sich an Sympathien ihm gegenüber regte. Warum daraus nicht ganz und gar eine Mordgeschichte basteln?

Gedacht, getan! Und so lassen heute Abend Elke Schuch (Buch) und Lars Jessen (Regie) Bühnen-Krösus Peter Jordan gegen Liefers antreten. Samt dem Rest der Münsteraner Spaß-Kripo (Axel Prahl, Friederike Kempter, ChrisTine Urspruch, Mechthild Großmann). Und siehe – bei Jordans blitzsauberem Charakterspiel sind auch Prahl und Liefers nur noch halb so albern.

Denn Jordan gibt den verbitterten Professor Harald Götz, der wie Boerne an der Uni forscht. Nur, dass er nie die Fördergelder einsackt wie sein eitler Kollege. Schlimmer noch: Götz forscht verzweifelt an einem Heilmittel für seine todkranke Frau, die an amyotropher Lateralsklerose (ALS) leidet. Doch je mehr er in seinem Labor versagt und je größer Boernes Akquiseerfolge sind, desto inniger wünscht er ihm den Tod. Das beichtet er sogar seiner Therapeutin (Oda Thormeyer), die seine Killerphantasien nur nicht ernst nimmt.

Doch als sich Götz’ Frau genau dann mit einer Pumpgun das Gesicht wegschießt als Boerne einen Millionenetat für ein Mumienprojekt zugesagt bekommt, sieht Götz rot. Mumien statt ALS? Kurzerhand nimmt er Boerne und dessen Uni-Protegés in einer Kneipe als Geisel, wo diese ihren Millionendeal begießen. Und er verpasst ihnen ein tödliches Virus. Oops? Sicher, das Ganze ist ein schrilles Psychospielchen, das nur vage mit der Realität zu tun hat. Aber davon lebt ja der Münsteraner „Tatort“. Aber diesmal, wenn es tatsächlich todernst wird, müssen Liefers und Prahl wirklich mehr liefern, als dumme Sprüche. Und das tun sie auch.

So erleben wir ein sehenswertes Kammerspiel auf Leben und Tod. So amüsant, wie traurig. Jordan sei dank!

„Tatort: Feierstunde“, 20.15 Uhr, ARD

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erstellt am 25.Sep.2016 | 12:05 Uhr

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