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Deutschland & Welt

10. Dezember 2016 | 02:14 Uhr

ARD-Sonntagskrimi : „Tatort“: Familientragödie auf Retro

vom

So sahen deutsche Krimis vor Horst Schimanski aus: Mit einem Streifen im Stil der 70er holt die ARD ihr zeitloses Flaggschiff aus der Sommerpause.

Willkommen zurück! Es ist nach elf Wochen der Sport-Events und Wiederholungen wieder „Tatort“-Zeit in der ARD. Und als wollten die Chefs zum Saisonstart auf Nummer sicher gehen, dürfen (müssen?) heute Abend die Klassiker aus Köln ran. Das Team Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) ermittelt zum 67. Mal.

Doch so, wie der neue Fall „Durchgedreht“ gestrickt ist (Buch: Norbert Ehry, Regie: Dagmar Seume), will die ARD damit offenbar sogar ein Zeichen setzen. Denn während uns Woche für Woche eine neue Welle aus blutrünstigen, mystischen oder spleenigen Mordserien überrollt, verpasst uns die gute alte Tante ARD einen Krimi aus den 70ern.

Keine Action, keine Raffinessen, kein Gelaber. Sondern Ermittlungsarbeit wie zu Haferkamps Zeiten (Hans-Jörg Felmy). Da kann der Fall noch so bewegend sein – Ballauf und Schenk zeigen wie immer kalte Schnauze. So kalt wie die Dienstvorschrift.

Und dieser Fall ist bewegend. Muss doch die achtjährige Anna eines nachts mit ansehen, wie ein Fremder durchs Haus schleicht und ihre Mutter und ihren kleinen Bruder tötet. Und wäre Vater Sven Habdank (Alexander Beyer) nicht auf Dienstreise gewesen, hätte er wohl auch dran glauben müssen. Am nächsten Morgen ist nichts mehr, wie es war.

Zumindest im Leben der Habdanks und ihrer Verwandten. Ob Svens Bruder Michael (Christian Erdmann) oder Schwägerin Hilde mit ihrem Mann (Nicola Schössler, Stephan Szász) – sie alle hatten ein gespanntes Verhältnis zu den Opfern. Und womöglich ein Mordmotiv. Schließlich stellt sich den Kommissaren auch diese Frage: War Daddy tatsächlich auf Dienstreise in Frankfurt?

Treulich klappern unsere Kripo-Dinos jeden einzelnen Verdächtigen ab. Nüchtern, effizient – empathisch. Das riecht tatsächlich alles nach 70er-Krimi-Mief, und wir könnten eigentlich wegschnarchen. Aber dann überkommt uns doch das kalte Grausen. Nur wissen wir nicht, warum.

Weil dieser „Tatort“ am Ende doch nur eine hübsche Kopfgeburt ist. Oder hat Annas schreckliches Schicksal etwa Symbolwert? Motto: Der Horror steckt in jeder Familie? Wie „durchgedreht“ wäre das denn?

„Tatort: Durchgedreht“, 20.15 Uhr, ARD

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erstellt am 21.Aug.2016 | 10:27 Uhr

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