zur Navigation springen

Deutschland & Welt

06. Dezember 2016 | 13:16 Uhr

Berliner Luftverkehr : Prozessbeginn: Schmiergeld-Verdacht am künftigen Hauptstadtflughafen

vom

Ein ehemaliger Flughafenmitarbeiter soll Forderungen von über 60 Millionen Euro bewilligt haben. Dafür soll ihm die Baufirma Imtech 2012 Bestechungsgeld gezahlt haben. Am Dienstag startet der Prozess in Cottbus.

Cottbus | Wegen Bestechung und Bestechlichkeit im besonders schweren Fall ermittelt das Landgericht Cottbus im Zusammenhang mit dem pannengeplagten Airport BER. Angeklagt sind ein 48 Jahre alter Ex-Prokurist der Flughafengesellschaft, ein ehemaliger Vorsitzender der Imtech-Geschäftsleitung (61) sowie ein weiterer Mitarbeiter (46) der insolventen Firma. Was die Höhe der Bestechungssumme angeht, wäre es laut Staatsanwaltschaft der größte Korruptionsfall am Berliner Geisterflughafen.

Der Bauausrüster Imtech hatte unter anderem an der Brandschutzanlage des Flughafens in Schönefeld bei Berlin mitgearbeitet. Im Sommer 2015 musste das Unternehmen allerdings Insolvenz anmelden. Auch dem Mutterkonzern in den Niederlanden erging es so. Das Insolvenzverfahren für Imtech Deutschland wird voraussichtlich noch Jahre dauern, wie ein Sprecher des Hamburger Insolvenzverwalters mitteilte. Infolge der Insolvenz ergaben sich für den Flughafen nach Angaben der Flughafengesellschaft Verzögerungen im Bauablauf.

Laut Staatsanwaltschaft soll der ehemalige Bereichsleiter der Flughafengesellschaft von dem damaligen Mitarbeiter des Gebäudetechnikausrüsters Imtech Deutschland auf einem Autobahnparkplatz 150.000 Euro Bestechungsgeld entgegengenommen haben. Im Gegenzug soll sich der Bereichsleiter dafür eingesetzt haben, dass an die Firma sowie an eine Arbeitsgemeinschaft, an der sie beteiligt war, mehr als 60 Millionen Euro an ungeprüften Nachtragsforderungen gezahlt wurden. Der 46-Jährige soll das Schmiergeld auf Anweisung des Chefs übergeben haben.

Die Ankläger gehen davon aus, dass der Ex-Prokurist eigentlich knapp zwei Millionen Euro von der Firma haben wollte. Nach der Anzahlung auf dem Parkplatz soll er sich aber vergeblich um den Rest bemüht haben. Die drei Angeklagten sind nach Gerichtsangaben nicht in Untersuchungshaft. Für den Prozess seien bislang neun Verhandlungstage bis November vorgesehen. Zweiter Prozesstermin ist am Mittwoch.

Weitere Korruptionsfälle am Pannenflughafen

Der ehemalige Technikchef des Flughafens Joachim Großmann wurde 2014 wegen Bestechlichkeit und Betrugs vom Amtsgericht Cottbus zu einem Jahr Bewährungsstrafe und einer Geldauflage von 200.000 Euro verurteilt.

Er hatte - vor seinem Posten als Technikchef - als Berater der Flughafengesellschaft versucht, bei der Vergabe eines Auftrags an ein Planungsbüro knapp eine halbe Million Euro für sein Unternehmen abzuzweigen. Das Ganze flog allerdings auf, sodass es nur bei einem versuchten Betrug blieb. In zwei anderen Fällen stellte er für Planungsleistungen am BER überhöhte Rechnungen.

In einem weiteren Korruptionsfall im Juli 2015 verurteilte das Landgericht Cottbus einen Ex-Chef eines Wasser- und Abwasserzweckverbandes, einen ehemaligen Geschäftsführer einer Baufirma und einen Subunternehmer zu Haftstrafen - teilweise zur Bewährung ausgesetzt. Es ging um Aufträge bei der Verlegung von Wasserleitungen im Flughafen-Umfeld.

Die Ankläger hatten dem früheren Verbandschef vorgeworfen, bei der Auftragsvergabe die Baufirma bevorzugt zu haben, obwohl diese nicht das günstigste Angebot abgegeben haben soll. Als Gegenleistung habe er Material und Arbeitsleistungen für seinen privaten Hausbau erhalten und Einladungen in Restaurants angenommen.

zur Startseite

von
erstellt am 23.Aug.2016 | 06:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen