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Politik

10. Dezember 2016 | 08:02 Uhr

15 Jahre 9/11 : Wie zehn Waisen des 11. September durch den Schicksalstag näher zusammenrücken

vom
Aus der Onlineredaktion

Am 11. September 2001 verloren rund zehntausend Kinder ihre Mutter, ihren Vater oder beide Eltern. Fünfzehn Jahre später blicken die zehn Waisen des Feuerwehrmanns Frank Palumbo zurück.

New York | Tommy (24) trägt stolz die gleiche Uniform, die sein Vater Frank anlegte, als er vor fünfzehn Jahren mit seinen Kameraden von der „Ladder 105“ zum World Trade Center ausrückte. Auf dem Rücken prangt wie bei seinem väterlichen Helden in reflektierenden Buchstaben der Name „Palombo“. Die New Yorker Feuerwehr erlaubte Tommy sogar die Identifikation-Nummer zu übernehmen. Nun steht auf seinem Schutzhelm die Zahl 10871.

„Ich ehre den Namen meines Vaters, indem ich anderen nun helfen kann“

„Darauf habe ich in meinem Leben hingearbeitet“, sagt Tommy Palombo den Reportern von CNN, die das Leben des jungen Mannes und seiner neun Geschwister dokumentierten. Eine eindrucksvolle Geschichte voller Schicksalsschläge, Hingabe und Liebe, die zeigt wie eine Familie durch bloßen Zusammenhalt jede Hürde nahm und heute optimistisch in die Zukunft blickt.

Tommy war 9 Jahre alt als sein Vater unter den 110-Stockwerken des Südturms des World Trade Centers begraben wurde. Dass er sich nicht verabschieden konnte, belastete ihn so sehr, wie dass nichts außer der Erinnerung und die Gefühle für ihn übrig blieben. Wie von sechs anderen Kameraden aus der Feuerwache in der Dean Street, die das Andenken ihrer gefallen Helden mit eingerahmten Porträts wahrt.

Umso mehr bedeutet dem im Mai frisch gebackenen Feuerwehrmann die Uniform mit dem Namen und die Marke mit der Nummer. „Ich ehre den Namen meines Vaters, indem ich anderen nun helfen kann“, beschreibt Tommy seine Berufung, die eine Losung auf der Feuerwache in der Dean Street vorwegnahm: „Aber meine Söhne haben Söhne, die so mutig sind, wie deren Väter“, heißt es da.

<p>Feuerwehrmänner gedenken 2010 am Ground Zero den Opfern des Anschlags.</p>

Feuerwehrmänner gedenken 2010 am Ground Zero den Opfern des Anschlags.

Foto: Imago/UPI Photo
 

Zwei Schicksalsschläge ebnen den Lebenslauf

Für Tommy stand die Berufswahl lange fest. Wie auch seine neun Geschwister Karrieren einschlugen, die ihre Erfahrung in den fünfzehn Jahren seit dem Tod ihres Vaters reflektierten. Anthony, der älteste der Palombos, teilt die tiefe Frömmigkeit des katholischen Feuerwehrmanns und bereitet sich auf das Priesteramt vor. 

Joe, der das Budget der Familie managte, die Hilfe aus der Pensionskasse der Feuerwehr, aus dem 9-11-Familien-Fonds sowie privaten Zuwendungen, ist heute Buchhalter. Patrick, der für seine Geschwister kochte, macht eine Ausbildung zum Küchenchef. Und Maria, eine der beiden Töchter, arbeitet als Krankenschwester auf der Krebsstation.

Eine Entscheidung, die mit dem anderen Schicksalsschlag zu tun hat, den die Palombos ereilte. Nur wenige Jahre nachdem Mutter Jean mit zehn Kindern im Alter von elf Monaten bis 15 Jahren alleine zurückblieb, erkrankte sie an Darmkrebs. Nach langem Kampf verstarb ist im August 2013 mit nur 53 Jahren im Kreise ihrer Kinder und fast hundert Freunden aus der Kirche, die zu dem Haus der Familie in New Jersey gekommen waren.

Warum hat uns Gott auf diese Probe gestellt?

Die Geschwister rückten einmal mehr zusammen und beschlossen, sich umeinander zu kümmern. Vor allem um die beiden jüngsten, Stephen und Maggie, die noch zur Schule gehen. Mit Ausnahme des verheirateten Bruders Frank und dem Priesteramts-Kandidaten Anthony leben sie bis heute in dem Haus in Ridgewood, in das die Familie nach dem Tod des Vaters von Brooklyn aus gezogen war.

„Wenn wir alle unsere eigenen Wege gegangen wären, sähe es für uns schlimm aus“, beschwört Maria die Kraft des Zusammenhalts der Familie. Ein Erbe, das die zehn Palombos von ihren Eltern übernommen haben, die nie viel Geld, aber umso mehr Zuneigung füreinander hatten. Frank und Jean lebten von dem Glauben, dass Gott schon für sie sorgen werde, wenn sie sich ihm nur anvertrauten.

Diese Zuversicht teilen die „Palombo-10“, wie die zehn Waisen des 11. September auch heißen. Einfach war es deshalb lange nicht. Im Gegenteil: Oft genug haderten die Waisen mit der Frage, warum Gott sie so auf die Probe stellte. „Warum erlaubte er das?“ 

Keine Chance, wütend über den Verlust zu sein

Experten wie Charles Goldstein vom Psychoanalytischen Institut der NYU in New York, der mit vielen 9-11-Waisen arbeitete, weiß, wie schwierig die Aufarbeitung des Verlusts eines Elternteils ist. „Für Kinder besteht dieses Konzept von Tod nicht“, meint er. „Es dauert eine ganze Weile bis sie begreifen, was geschehen ist“.  Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus. Sie reichen von impulsivem Verhalten über Aggression bis hin zu Anhänglichkeit.

Besonders schwierig für die Kinder von Feuerwehrleuten und Polizisten war, so Lucy Daniels, die am „Center for Early Childhood“ in Cary, North Carolina forscht, dass ihre Väter und Mütter von den Medien zu Helden stilisiert wurden. Das habe den Angehörigen schwer gemacht, Wut darüber zu empfinden, dass ein Geliebter Mensch nicht mehr zurückkam.

Ein wenig kann das auch Maria nachempfinden, die sich nach dem 11. September über Monate einredete, ihr Vater sei von einem Stein getroffen worden und liege im Koma. „Ich habe mich geärgert, dass er so lange wegblieb“.

An diesem fünfzehnten Jahrestag blicken die zehn Palombos nach vorn - dankbar für die Liebe, die ihre Eltern in ihren Herzen hinterlassen haben und froh, dass sie noch zusammen sind und sich gegenseitig ein wenig stärker gemacht haben.  

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erstellt am 11.Sep.2016 | 13:24 Uhr

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