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Politik

09. Dezember 2016 | 22:22 Uhr

USA : Wie Sioux-Indianer in North Dakota gegen eine Öl-Pipeline kämpfen

vom

Die Indianer sehen durch den Bau der Pipeline sowohl ihre Lebensgrundlage als auch die von Millionen Amerikanern bedroht. Der Notstand wurde ausgerufen.

Cannonball River/Washington | Jeden Tag wächst das Lager am Ufer des Cannonball Rivers um ein paar neue Tepees. Indianer aus allen Teilen Dakotas strömen herbei, um den bedrängten Ureinwohnern der „Standing Rock Sioux Reservation“ zur Seite zu stehen. Diese sehen ihre Lebensgrundlagen durch ein 3,8 Milliarden teures Pipeline-Projekt gefährdet, das ein texanisches Unternehmen gegen den Widerstand der Einheimischen realisieren will.

Seit April protestieren die Sioux gegen die 1.200 Meilen lange Leitung, die sich durch das Land ihrer Vorväter mit seinen heiligen Grabstätten schlängelt und das Trinkwasser der Flüsse gefährdet, unter denen sie herlaufen. Die Kritiker des Projekts sehen darin nicht nur eine Bedrohung für die Indianer sondern Millionen Amerikaner, die von diesen Frischwasser-Ressourcen abhängen. 

„Energy Transfer Partners“ hofft, nach der für Ende des Jahres geplanten Fertigstellung der sogenannten „Dakota Access Pipeline“, jeden Tag einmal rund 470.000 Barrel Öl aus dem Bakken-Feld im Westen Nord-Dakotas bis nach Illinois durch die Prärie zu pumpen. „Absolut sicher“, wie das Unternehmen behauptet, das mit moderner Monitortechnik die Leitungen von Texas aus überwacht.  

Der Bundesstaat North Dakota und der United States Army Corps of Engineers genehmigten die Ölleitung im Eiltempo, nachdem US-Präsident Barack Obama die Keystone-XL-Pipeline aus Kanada gestoppt hatte. Die Indianer klagen in dem Genehmigungsverfahren einmal mehr übergangen worden zu sein.

Häuptling Dave Archambault II sieht einen historischen Kontext für die Schlacht, die die Sioux diesmal mit friedlichen Waffen schlagen. „Das ist das dritte Mal, dass den Sioux Land und Ressourcen genommen werden ohne ihre Standesinteressen zu berücksichtigen“. Die Regierung habe ein ums andere Mal Verträge gebrochen bevor die Tinte der Unterschriften getrocknet war.

Die Erinnerung der mehreren tausend Ureinwohner, die am Zusammenfluss des Cannonball und Missouri Rivers kampieren, geht zurück bis zur Schlacht am Little Bighorn und dem Massaker am Wounded Knee Creek. Eine Geschichte voller Unrecht, Täuschungen und falscher Versprechungen.

Häuptling Archambault II erkennt ein Muster, das sich wiederholt. Der General Custer der Neuzeit heißt für ihn Jack Dalrymple, ist Gouverneur von North Dakota und ein Berater des Rechtspopulisten Donald Trump.

„Der Staat hat mein Reservat militarisiert, die Straßen blockiert, Kontrollpunkte eingerichtet, Flugzeuge im Tiefflug geschickt und Indianer einer Sonderbehandlung zugeführt“, beschwert sich der Führer der Sioux über das Vorgehen Dalyrmples, dem er vorhält, friedliche Proteste zu kriminaliseren.

Weil es einfach nicht genügend Polizisten gibt, die Blockade der Baukolonne der „Dakota Access Pipeline“ zu stoppen, rief Dalrymple vor einer Woche (Fr) den Notstand aus und bezeichnete die Proteste der Indianer als „ungesetzlich“.

Die Polizei nahm Häuptling Archambault II mit zwei Dutzend anderen Demonstranten vorübergehend fest, weil diese Spannungen schürten. Die angeblich beobachteten Rohrbomben stellten sich als rituelle Indianer-Pfeifen (Chanupa) heraus.

Unterstützung erhalten die Ureinwohner in Washington, wo mehr als hundert Sympathisanten am Donnerstag bei einer Anhörung vor dem zuständigen Bundesgericht protestierten. Dort hängt eine Klage an, mit der die Organisation „Earthjustice“ für die Sioux den Bau stoppen oder aufhalten will, bis es umfassende Umweltgutachten und eine ordentliche Beteiligung der Indianer gibt. Die Entscheidung wird für den 9. September erwartet.

Egal wie diese ausfällt, geht der Kampf für Häuptling Archambault II und die Sioux von Standing Rock weiter. „Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es so nicht mehr weiter geht“.         

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erstellt am 27.Aug.2016 | 18:48 Uhr

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