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Politik

11. Dezember 2016 | 13:03 Uhr

Reaktionen auf Twitter : Wie Günther Oettinger in Hamburg über Chinesen und „Pflicht-Homoehe“ witzelte

vom

EU-Digitalkommissar Oettinger wechselt ins Wirtschaftsressort. Auf Twitter bricht ein Sturm los - es geht um ein Video.

Netzaktivisten dürften erleichtert sein: Nach zwei Jahren als EU-Digitalkommissar wird Günter Oettinger - der ausgerechnet mit dem Internet immer fremdelte und bei der Netzneutralität, dem Urheberrecht und dem Leistungsschutzrecht regelmäßig mit den Online-Affinen kollidierte - EU-Haushaltskommissar. Oettinger selbst twitterte am Abend, er freue sich auf den neuen Job. Die Freude der Twitter-Nutzer währte nur kurz.

 

Viele machten am Freitagabend und Samstag ihrer Erleichterung, aber auch der Empörung über die Belohnung mit einem mächtigen Amt Luft, es folgten die üblichen Oettinger-Scherze.

 

Dann allerdings mischte sich in die Tweets über #oettinger immer öfter ein Video, das den Kommissar bei einer Rede am 26. Oktober in Hamburg zeigt. Anlass für die Rede war laut sueddeutsche.de der „EuropAbend“ des AGA Unternehmensverbands in Hamburg. Nach Angaben der AGA waren 200 Gäste vor Ort.

 

Oettinger motzt zu Beginn des Videos in gewohnter Manier über Smartphones und bekennt seine Liebe zur Zeitung. „Früher hatten alle eine Zeitung zur Hand. Heute bin ich der Einzige. Die Anderen: Köpfe runter, Display an, online unterwegs.“ Die typische Oettinger-Netzgemeinde-Antipathie.

Doch das Video, das der YouTube-Nutzer „Sebas Travelling" hochlud, ist an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Und es bringt Oettinger in Bedrängnis. Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie - so lauten die Vorwürfe.

Diese Zitate sorgen für Ärger:

„Sebas Traveling“ schreibt im Vorspann zu seinem Video, er habe erst mitgefilmt, nachdem in der Rede Oettingers das Wort „Schlitzaugen“ gefallen sei. Die Beleidigung ist in der Aufnahme nicht zu hören. Doch bereits am 26. Oktober twitterte die Nutzerin @journelle über Oettinger und die „Schlitzaugen“.

 

Oettinger sagt im Video, zu viele Gremien würden die EU schwächen und das Regieren erschweren. Er nennt ein Beispiel: „Letzte Woche waren die chinesischen Minister bei uns, zum Jahresgipfel China-EU. Neun Männer. Eine Partei. Keine Demokratie. Keine Frauenquote. Keine Frau - folgerichtig. Alle: Anzug, Einreiher dunkelblau, alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt.“

Später sagt Oettinger: „Ihnen und mir, uns geht's zu gut. Und wem's zu gut geht, der hat Flausen im Kopf. Der führt die Rente mit 63 ein, schafft die Mütterrente (...).“ Oettinger spricht an, welche Pläne ihn stören in der deutschen Politik: unter anderem die Maut, das Betreuungsgeld und „die Pflicht-Homoehe.“

Darauf reagiert (nicht nur) der Lesben- und Schwulenverband mit Ironie:

Oettinger lästert außerdem über die gescheiterte Ehe von Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf und betitelt Horst Seehofer als „Populist light“.

Der „Partei“ fällt dazu nur noch eine Forderung ein: „Oettinger stürzen!“

 

 

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erstellt am 29.Okt.2016 | 11:10 Uhr

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