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Wahlen in Frankreich 2017 : Wer will was? Die Kandidaten und ihre Positionen im Überblick

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Emmanuel Macron und Marine Le Pen gelten als aussichtsreiche Anwärter. Die wichtigsten Positionen aller Kandidaten.

Paris | Am Sonntag wird es ernst: In Frankreich steht der erste Wahlgang an. Für Rechtspopulistin Marine Le Pen und den Sozialliberalen Emmanuel Macron sind die Aussichten gut, sich für die Stichwahl zu qualifizieren. In der ersten TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten Ende März wurde Le Pen scharf von verschiedenen Seiten kritisiert, Macron schlug sich wacker. Die Debatte am Donnerstagabend wurde allerdings von einem erneuten Terroranschlag überschattet - was wiederum Le Pen in die Karten spielen könnte. Doch welches sind eigentlich ihre wichtigsten Positionen? Eine Übersicht:

Emmanuel Macron: Der Revolutionär aus der Investmentbank 

Emmanuel Macron stammt aus einer Ärztefamilie.
Emmanuel Macron stammt aus einer Ärztefamilie. Foto: dpa
 

Einige nennen ihn den „französischen Kennedy“. Der 39-jährige Emmanuel Macron tritt bei der Präsidentenwahl an, ohne von einer klassischen Partei unterstützt zu werden. Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker hat dabei Großes vor: Er will die Parteienlandschaft umpflügen und der Rechtspopulistin Marine Le Pen Paroli bieten. Umfragen trauen ihm zu, die Chefin der Front National im entscheidenden zweiten Wahlgang am 7. Mai klar zu schlagen.

Macron gab schon vor langer Zeit sein Parteibuch bei den Sozialisten ab. Er positioniert sich „weder rechts noch links“. Er tritt mit seiner Bewegung „En Marche!“  (Auf dem Weg) offen für Europa und damit auch für eine enge Partnerschaft mit Deutschland ein. Damit ist er in der Kandidatenrunde eher die Ausnahme. „Ich habe Europa im Herzen“, lautet einer seiner Wahlsprüche. In Berlin wird seine Kandidatur deshalb mit Wohlwollen gesehen. Als Antwort auf Le Pens Weigerung, ein Interview mit einer Europa-Flagge im Hintergrund zu führen, schwenkt Macron die Flagge. „Frankreich ist ein Stern davon“, sagt er. „Vor dieser Flagge war es ein Kontinent des Krieges. Wir vergessen das nie.“ 

 

Er fordert eine „solide und ausgewogene Allianz“ mit Deutschland. Zuvor hatte er allerdings die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft attackiert. Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, „dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist“, sagte er.

Als Hauptbaustelle sieht der jüngste Kandidat allerdings Bildung und Kultur - gefolgt von sicheren Arbeitsplätzen. Damit könnte er vor allem bei den jüngeren Wählern punkten. 

 

Wie andere Kandidaten für das höchste Staatsamt auch, kritisiert Macron lautstark die politischen Eliten. „Unser System ist blockiert“, lautet sein Credo. Seine Biografie zeigt jedoch, dass er mit dem kleinen und feinen Pariser Machtzirkel engstens verwoben ist. Der hochbegabte und ehrgeizige Kandidat war bis 2012 gut bezahlter Investmentbanker bei Rothschild & Cie. Da das Misstrauen gegen die Finanzbranche im Land ganz tief sitzt, muss er sich immer wieder rechtfertigen.

Bei Macron ist alles anders, auch sein Privatleben. Er ist mit der wesentlich älteren Brigitte Macron (64) verheiratet, die er seit seiner Schulzeit in Amiens kennt. Sie begleitet ihren Mann im Wahlkampf. Das Paar könnte laut Beobachtern im Élyséepalast für richtigen Glamour sorgen. Angst vor Glamour hat er nicht - im Sommer posierte er mit seiner über 20 Jahre älteren Frau Brigitte in Badehose und Polohemd am Strand des schicken Atlantikbadeortes Biarritz.

Doch umstrittene Äußerungen über Frankreichs Kolonialvergangenheit brachten den 39-Jährigen zuletzt in Bedrängnis. In Umfragen liefert er sich derzeit ein enges Rennen mit Fillon um den Einzug in die Stichwahl. Konservative werfen Macron vor, das Programm für den glücklosen Sozialisten Hollande gemacht zu haben. Hollande tritt nicht mehr an.

Bereits im April des vergangenen Jahres gründete der smarte Macron, der aus einer Ärztefamilie stammt, seine eigene Bewegung „En marche!“. „Ich möchte die Franzosen sammeln“, sagt er. Er gilt im Land am ehesten als Liberaler, der den Einfluss des Staates zurückdrängen will.

Marine Le Pen: Rechtsaußen gegen Ausländer und EU

Die Präsidentschaftskandidatin der rechtspopulistischen Partei Front National (FN), Marine Le Pen.

Die Präsidentschaftskandidatin der rechtspopulistischen Partei Front National (FN), Marine Le Pen.

Foto: dpa
 

Ihre Feindbilder sind „das System“, „die wilde Globalisierung“ und der Islam: Marine Le Pen ist eine der bekanntesten Figuren des Rechtspopulismus in Europa. Seit sie 2011 die Führung des Front National (FN) von ihrem Vater übernahm, eilt die französische Rechtsaußen-Partei von einem starken Wahlergebnis zum nächsten.

Marine Le Pen kam 1968 als jüngste Tochter des rechtsextremen Polit-Haudegens Jean-Marie Le Pen zur Welt. Die Juristin arbeitete als Anwältin, bis sie 1998 die Rechtsabteilung der FN übernahm. Marine Le Pen hat drei Kinder. Ihre zwei Ehen gingen auseinander, heute ist sie mit dem FN-Europaabgeordneten Louis Aliot liiert.

Die 48-Jährige hat dem FN ein gemäßigteres Auftreten verordnet, offenen Rassismus zurückgedrängt. Für diese Strategie ließ sie sogar ihren Vater aus der Partei ausschließen. Sie setzt aber weiter auf Abschottung und vertritt radikale Positionen gegen Einwanderung und die Europäische Union. Sie spielt in ihren Reden geschickt auf der Klaviatur von Frust und Ängsten etwa vor dem Islam.  Sie spricht von einem Kriegszustand, der global und total beantwortet werden müsse.

 

„Die Stunde der großen Konfrontation zwischen Globalisierern und Patrioten ist gekommen“, sagt sie. Immer wieder greift sie Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel an. Le Pen schlug scharfe Töne gegen Berlin an: „Ich will nicht die Vizekanzlerin von Frau Merkel sein“, sagte sie - Le Pen erhebt immer wieder den Vorwurf, Deutschland gebe über die EU den Ton an.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl bestand die EU-Abgeordnete bei einem Fernsehinterview darauf, die neben der Frankreich-Fahne vorgesehene Europa-Flagge wegzuräumen. Vorwürfe zur Verwendung von EU-Mitteln, wegen denen auch die französische Justiz ermittelt, lässt sie als angebliches Manöver ihrer politischen Gegner an sich abperlen.

Das französische Volk müsse „seine Souveränität zurückerlangen“, forderte sie - Le Pen will eine Rückkehr zu einer eigenen Währung und ein Referendum über den Ausstieg aus der Europäischen Union. Die 48-Jährige sagte der Einwanderung den Kampf an, beklagte eine „Explosion der Unsicherheit“ in Frankreich, und machte die Europäische Union verantwortlich für „Arbeitslosigkeit und Armut“.

Le Pen kündigte an, als Präsidentin sofort ein Einwanderungs-Moratorium durchzusetzen, bis härtere Regeln in Kraft seien. Das Moratorium soll explizit die legale Einwanderung umfassen. Sie sprach sich auch für Grenzkontrollen nach den Wahlen aus. „Meine erste Maßnahme als Präsidentin der Republik wird es sein, Frankreich die Grenzen zurückzugeben.“ Sie bekräftigte ihre Forderung, aus dem europäischen Schengenraum für ein Reisen ohne Grenzkontrollen auszusteigen. Ohne Grenzkontrollen würde man die „Welle“ der Migration niemals stoppen, sagt sie - und prophezeit, dass die Flut nicht vorbei sei sondern noch bevorstehe.

 

Die französische Rechtspopulistin sieht sich nach dem EU-Austrittsvotum der Briten und dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA im Aufwind. Umfragen besagen, dass die Chefin des rechtsextremen Front National - kurz FN - bei der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl im April die meisten Stimmen bekommen könnte. Für die entscheidende Stichwahl im Mai dürfte die Anwältin aber hinten liegen.

Die 1968 in Neuilly bei Paris geborene Le Pen hat als Achtjährige einen Bombenanschlag auf die Wohnung ihres Vaters Jean-Marie Le Pen erlebt.

Bei der Präsidentenwahl 2012 holte Marine Le Pen in der ersten Runde fast 18 Prozent - das beste Ergebnis der Parteigeschichte. Mit Wahlkampfforderungen wie der EU-Auflösung und Frankreichs Abschied vom Euro schaffte die Partei erstmals seit 1998 auch wieder den Sprung in die Nationalversammlung. Trotz zweistelliger Ergebnisse war das bis dahin vom Mehrheitswahlrecht verhindert worden.

François Fillon: Konservativer gegen extreme Rechte

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon (rechts) und seine Frau Penelope hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im Januar in Paris, Frankreich.
Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon (rechts) und seine Frau Penelope hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im Januar in Paris, Frankreich. Foto: Christophe Ena/AP/dpa
 

Der Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten galt lange als Favorit der Wahl. Doch wegen der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau verlor der 62-jährige François Fillon Sympathiepunkte. Nach aktuellen Umfragen liegt er bei etwa 20 Prozent - und muss damit um den Einzug in die entscheidende Stichwahl zittern. Die französische Justiz prüft Vorwürfe, wonach Fillons Frau nur zum Schein als seine parlamentarische Mitarbeiterin angestellt war. Fillon wies die Vorwürfe mehrfach zurück. Dazu kamen Enthüllungen über sein Privatleben, so nahm er in seiner Zeit als Regierungschef eine teure Uhr als Geschenk an.

Seine Ansprüche hat er zurückgeschraubt. „Ich bitte euch nicht, mich zu lieben, ich bitte euch, mich zu unterstützen“, sagte er bei einer Wahlveranstaltung. Viele Anhänger sind katholisch und leben abseits der großen Metropolen.

Fillon spielt gerne seine Erfahrung aus, er war fünf Jahre lang Regierungschef unter Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012). Nach einem vereitelten Terroranschlag von Dschihadisten in Marseille Mitte April berichtete die Tageszeitung „Le Monde“, Fillon werde von Sicherheitsbehörden als besonders gefährdet eingestuft.

Nach dem erneuten Anschlag in Paris plädiert Fillon auf eine stärkere Auseinandersetzung mit Moscheen und radikalem Islam wie dem Salafismus. Man müsse der Mehrheit der friedlich in Frankreich lebenden Muslime helfen, den Fundamentalismus auszulöschen.

 

Damit unterscheidet er sich von seiner Konkurrentin um das konservative Lager. Im Gegensatz zu Marine Le Pen spricht er die Wähler rechts der Mitte an. Dem Wirtschafts-Programm der Rechtsaußen-Politikerin sagt er ein Scheitern binnen sechs Monaten voraus.

Außerdem verteidigt der Konservative Frankreichs Platz in der EU. „Wir brauchen Europa, um uns zu beschützen“, sagte er. Die Union müsse sich aber auf bestimmte strategische Ziele konzentrieren. Der Euro müsse so stark werden, dass er längerfristig die weltweite Vorherrschaft des US-Dollar brechen könne.

Der Sohn eines Notars und einer Historikerin stammt aus dem Département Sarthe im Nordwesten Frankreichs. Bereits mit 27 Jahren zog er als damals jüngster Abgeordneter in die Nationalversammlung ein und bekleidete seit 1993 fünfmal einen Ministerposten. Fillon hat fünf Kinder und ist Automobilsport-Fan. Seine Frau Penelope, die aus Großbritannien stammt, hatte sich lange eher im Hintergrund gehalten.

Fillon war mit einem klaren Profil in den Wahlkampf gegangen: katholisch und liberal. Er will harte Wirtschaftsreformen und setzt zugleich auf traditionelle Werte. Das kommt vor allem bei konservativen Wählern in der Provinz gut an. Doch die hohen Summen, die Penelope Fillon aus der Staatskasse erhielt und der Verdacht der Vetternwirtschaft, belasten das Image des Spar-Apostels.

Benoît Hamon: Sozialist unter dem Schatten der Hollande-Ära

Benoît Hamon gehört zum linken Flügel der Parti Socialiste.

Benoît Hamon gehört zum linken Flügel der Parti Socialiste.

Foto: dpa
 

Der 49 Jahre alte Ex-Bildungsminister setzte sich in einer Vorwahl als Spitzenkandidaten der angeschlagenen Sozialisten durch. Er will mit der Hollande-Ära brechen und einen neuen Kurs einschlagen, bei dem grüne Themen eine wichtige Rolle spielen. Er gilt zurzeit als „vierter Mann“ bei der Wahl. Frankreichs Sozialisten haben mit ihm einen unauffälligen Rebellen aufs Schild gehoben. Die Zeitung „Le Monde“ schrieb über Benoît Hamon einmal: „Er ist derjenige, den man im Fernsehen sprechen sieht, ohne zwingend seinen Namen zu behalten.“

Angesichts seiner weitaus lauteren Konkurrenz fordert er Frankreich auf, nicht den besten Schauspieler zu wählen, sondern denjenigen, der am besten für das Amt als Präsident geeignet sei.

 

Dabei ist Hamon alles andere als ein Quereinsteiger, er kennt die Untiefen der Sozialistischen Partei genau. Er begann seine politische Karriere als Chef der Jungen Sozialisten - das Netzwerk von damals stützt ihn bis heute. Ende der 1990er Jahre arbeitete er im Kabinett von Arbeitsministerin Martine Aubry, die die 35-Stunden-Woche einführte. Später war er Europaabgeordneter.

Der in Umfragen abgeschlagene sozialistische Anwärter Benoît Hamon stellte zwar die europäische Sparpolitik infrage, unterstützte aber grundsätzlich Europa. Um Europas Austeritätspolitik, also die strenge Sparpolitik, zu durchbrechen, müsse man nicht die EU verlassen. Er stellt sich ausdrücklich hinter die Gemeinschaft auch in Anbetracht der Unsicherheiten durch die USA, Russland und der Türkei.

 

Unter Hollande wurde der studierte Historiker 2012 zunächst beigeordneter Minister für soziale und solidarische Wirtschaft, zwei Jahre später dann Bildungsminister. Schon wenige Monate danach verließ er im Streit um die Sparpolitik die Regierung und gehörte seitdem zu den „Frondeurs“ (Aufrührern) gegen Hollande.

Mit dessen Erbe will er nun brechen. Zu seinen schlagzeilenträchtigsten Forderungen gehören ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine Steuer auf die Wertschöpfung durch Roboter, um der zunehmenden Automatisierung der Produktion zu begegnen. Außerdem vertritt er explizit „grüne“ Positionen und will seine Partei auf den ökologischen Umbau der Wirtschaft einschwören. „Der Motor meiner Kandidatur sind meine Töchter, damit ich ihnen keine unbewohnbare Erde hinterlasse“, sagte Hamon einmal. Ansonsten hielt er seine Frau und seine zwei Kinder bislang im Hintergrund.

Jean-Luc Mélenchon: Linker gegen „Präsidenten-Monarchie“

Jean-Luc Mélenchon ist bekannt für seinen polemischen und teils aggressiven Diskurs.
Jean-Luc Mélenchon ist bekannt für seinen polemischen und teils aggressiven Diskurs. Foto: dpa
 

Jean-Luc Mélenchon punktet mit dem Charme der Revolte - eine Botschaft, die im wirtschaftlich gebeutelten Frankreich ankommt. „Mein Feind ist die Oligarchie“, sagt der Kandidat, der auch von den Kommunisten unterstützt wird. Er will das Regierungssystem ummodeln, weg von der „Präsidenten-Monarchie“. Mélenchon fordert milliardenschwere Zusatzausgaben und Investitionen, den Austritt aus der Nato und eine Neuverhandlung der europäischen Verträge, um Schluss mit den Sparvorgaben aus Brüssel zu machen - andernfalls droht er mit dem EU-Austritt.

Mit 65 Jahren ist der Linkenführer der älteste unter den wichtigen Kandidaten. Der Anwärter könnte laut Umfragen bei der ersten Runde etwas mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik. Mélenchon kritisierte aber auch den seit den Terroranschlägen vom 13. November 2015 geltenden Ausnahmezustand.

Er ist für polemische und bisweilen aggressive Diskurse bekannt, auch gegenüber Deutschland trat er schon häufiger kritisch auf: So sagte er in einem Fernsehinterview mit Ingeborg Gräßle (CDU), dass die „die Franzosen keine CDU-CSU-Regierung gewählt“ hätten. Außerdem sagte er einst, so zitiert ihn Spiegel Online, „von denen, die Lust am Leben haben, will niemand Deutscher sein“. Der harte EU-Kritiker widmete seiner Abrechnung mit der deutschen Politik in der Eurokrise ein ganzes Buch: „Der Bismarck-Hering“, Untertitel: „Das deutsche Gift“. Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an Frankreichs Reformen trat Jean-Luc Mélenchon schon mal recht drastisch entgegen: „Maul zu Frau #Merkel! Frankreich ist frei“, schrieb er Ende 2014 auf Twitter. Mittlerweile heißt es etwas versöhnlicher: „Die Deutschen sind weder unsere Feinde, noch unsere Meister. Sie sind unsere Partner. Wir müssen mit ihnen diskutieren.“

 

Im Präsidentschaftswahlkampf polterte der redegewandte Linksaußen-Politiker nun bewusst etwas weniger, um breitere Wählerschichten, anzusprechen. Mit einem Wecker erschien er bei einem Interview, um seine Positionen zu unterstreichen. „Es ist Zeit“, wiederholt er immer wieder. Zeit, für den nuklearen Ausstieg, Zeit für ein Ende der „präsidentiellen Monarchie“. Mit Schlagfertigkeit und radikal linken Positionen ist der 65-Jährige im Schlussspurt in den Kreis der Favoriten aufgerückt.

Der Franzose wurde 1951 im marokkanischen Tanger geboren, damals eine internationale Zone, und kam mit elf Jahren nach Frankreich. Er studierte Philosophie und arbeitete als Lehrer, bevor er in die Politik ging. Mélenchon ist geschieden und hat eine Tochter.

In den 1970er Jahren trat er der Sozialistischen Partei (PS) bei. Mélenchon saß lange im Senat und war kurz beigeordneter Minister für Berufsbildung. Beim Referendum über die EU-Verfassung 2005 war er ein Wortführer der französischen Ablehnung. 2008 trat Mélenchon aus der Parti socialiste aus und gründete die Parti de Gauche. 2012 erreichte der Europaabgeordnete bei der Präsidentenwahl elf Prozent. Diesmal kann Mélenchon, der im Wahlkampf mit Hologramm-Auftritten Furore machte, auch von der Schwäche des sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon profitieren.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 16:07 Uhr

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