zur Navigation springen

Politik

28. September 2016 | 07:07 Uhr

Preisverleihung in Stockholm : Weißhelme, „Cumhuriyet“ und Nazra: Das sind die Preisträger des Alternativen Nobelpreises

vom
Aus der Onlineredaktion

Zum ersten Mal geht der Preis nach Syrien. Auch ausgezeichnet wurde die regierungskritische Zeitung „Cumhuriyet“.

Stockholm | Für ihr Engagement bei der Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg ist die Organisation Weißhelme am Donnerstag mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Zum ersten Mal geht der Preis damit nach Syrien, wie die Right Livelihood Award Stiftung in Stockholm berichtete.

Die Alternativen Nobelpreise werden seit 1980 jährlich in kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen an Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden vergeben. Die Idee zu dem aus privaten Spenden finanzierten Preis hatte der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll. Preisträger sind unter anderem Edward Snowden (2014), Astrid Lindgren (1994) und das Volk der Marshallinseln (2015).

Außerdem wurden die ägyptische Feministin Mozn Hassan, die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina und die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ geehrt. Die vier Preisträger teilen sich das Preisgeld von drei Millionen schwedischen Kronen (rund 313.000 Euro).

Die Träger der Alternativen Nobelpreise 2016 retten syrische Kriegsopfer, verteidigen die freie Presse und machen sich für die Rechte von Frauen und Flüchtlingen stark.

Syria Civil Defense, bekannt als die Weißhelme (Syrien):

<p>Syrische Weißhelme im Einzatz in Idlib.</p>

Syrische Weißhelme im Einzatz in Idlib.

Foto: dpa
 

Seit 2013 riskiert die Gruppe aus inzwischen 3000 Freiwilligen ihr Leben, um Menschen nach Bombenangriffen im syrischen Bürgerkrieg aus den Trümmern zu befreien. Damit haben die Weißhelme nach Angaben der Right Livelihood Award Stiftung mehr als 60.000 Leben gerettet.

Als Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Sanitäter ausgebildet helfen sie auch beim Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur und zeigen syrischen Bürgern, wie sie sich bei Angriffen schützen können. Ihr Motto: „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Menschheit.“ Mehr als hundert Freiwillige haben bei den Rettungsaktionen selbst ihr Leben verloren.

Mozn Hassan und die Organisation „Nazra für feministische Studien“ (Ägypten):

<p>Mozn Hassan auf Twitter.</p>

Mozn Hassan auf Twitter.

Foto: Screentshot Twitter
 

Die 1979 geborene ägyptische Feministin Mozn Hassan gründete 2007 die Organisation „Nazra für feministische Studien“. Inzwischen 20 Mitarbeiter stark, hat „Nazra“ es sich zur Aufgabe gemacht, die Rechte von Frauen in Ägypten und dem ganzen arabischen Raum zu stärken. Hassan dokumentiert sexuelle Übergriffe und hilft den Opfern medizinisch, psychologisch und juristisch.

Im Zusammenschluss mit anderen Frauenorganisationen hat sich «Nazra» laut der Stiftung 2014 erfolgreich für die Aufnahme der Frauenrechte in die ägyptische Verfassung eingesetzt und die Ausweitung der Definition sexueller Straftatbestände im Strafgesetzbuch erreicht. Außerdem unterstützt Hassan Frauen bei ihrer Kandidatur für politische Ämter.

Swetlana Gannuschkina (Russland):

<p>Die russische Bürgerrechtlerin Swetlana Gannuschkina 2011 in ihrer Wohnung in Moskau.</p>

Die russische Bürgerrechtlerin Swetlana Gannuschkina 2011 in ihrer Wohnung in Moskau.

Foto: dpa

Die Russin Swetlana Gannuschkina - eine ausgebildete Mathematikerin - setzt sich schon seit 26 Jahren mit ihrer Organisation Civic Assistance Committee für Migranten und Binnenvertriebene ein. Nach Angaben der Stiftung hat sie bis heute mehr als 50.000 Menschen zu rechtlicher Unterstützung, humanitärer Hilfe und Bildung verholfen.

In zahlreichen Fällen hat Gannuschkina verhindert, dass Flüchtlinge aus zentralasiatischen Ländern dorthin zurückgeschickt wurden und sie so vor Haft und Folter bewahrt. Auch dass das Geflüchtetenrecht geändert wurde und zwei Millionen Menschen die russische Staatsbürgerschaft erhielten, ist laut der Stiftung Gannuschkina und ihrem Engagament im russischen Menschenrechtsrat zu verdanken.

„Cumhuriyet“ (Türkei):

Die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ hatte nach den Anschlägen auf die Redaktion in Paris vier Seiten der neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ als Beilage nachgedruckt.
Die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ hatte nach den Anschlägen auf die Redaktion in Paris vier Seiten der neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ als Beilage nachgedruckt. Foto: Tolga Bozoglu

Obwohl die Mitarbeiter der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ Attentaten, Haft und Morddrohungen ausgesetzt gewesen sind, berichten sie nach Einschätzung der Stiftung seit 1924 frei und unabhängig über die Geschehnisse in der Türkei. „Der herausragende investigative Journalismus der Cumhuriyet hat viele Wahrheiten ans Licht gebracht“, schreibt die Stiftung.

Die Zeitung mit einer Auflage von 53.000 Exemplaren ist seit 1993 als Stiftung registriert und finanziert sich hauptsächlich über ihre Leser. Fünf Mitarbeiter der Zeitung sind im Laufe der Jahre ermordet, etliche vor Gericht gestellt worden. Während des versuchten Militärputsches gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan wurden viele Kolumnisten verhaftet. Chefredakteur Can Dündar trat nach einem Prozess gegen ihn im August 2016 von seinem Posten zurück.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Sep.2016 | 10:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen