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Ditib in der Kritik : Wegen Märtyrer-Comic: NRW beendet Kooperation mit Islam-Verband

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Ditib ist raus aus einem Projekt gegen Salafismus. Grund ist türkischer Comic.

Düsseldorf | Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat die Kooperation mit dem größten Islam-Dachverband in Deutschland - Ditib - beendet. Das Innenministerium habe dies bereits im Juni für ein Präventionsprogramm gegen radikalen Salafismus beschlossen, da es „unterschiedliche Auffassungen über die inhaltliche Ausrichtung“ gegeben habe, sagte ein Sprecher am Montag in Düsseldorf. Zuvor hatten „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Rheinische Post“ über das Ende der Zusammenarbeit mit der Türkisch Islamischen Union (Ditib) in Köln berichtet.

Kritiker werfen der Ditib vor, aus Ankara gesteuert und verlängerter Arm von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu sein, der seit dem Putschversuch im Juli massiv gegen mutmaßliche Verschwörer vorgeht. Der Verband weist Vorwürfe einer „politischen Agitation“ und Fremdsteuerung zurück. In einer aktuellen Stellungnahme der 15 Landesverbände heißt es: „Sämtliche Unterstellungen der Fremdsteuerung, der politischen Einflussnahme aus der Türkei, der politischen Agitation und der Gefährlichkeit unserer Religionsgemeinschaft weisen wir aufs Schärfste zurück.“
 

Grund ist ein Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet, der die Ditib untersteht. Darin werde der „Märtyrertod verherrlicht“, heißt es in zwei noch unveröffentlichten Antworten Jägers auf Kleine Anfragen der CDU und FDP-Fraktion. In einer Stellungnahme habe die Ditib die erforderliche „klare Neutralität bzw. ausreichende Distanz“ vermissen lassen, berichtet Jäger in seiner Antwort an die Parlamentarier. „Daher wurde die Auflösung des Vertrags von beiden Vertragsparteien einvernehmlich vereinbart.“

Die Ditib war in Köln Träger des NRW-Präventionsprogramms „Wegweiser“, mit dem Jugendliche vor dem Abdriften in den gewaltbereiten Salafismus geschützt werden sollen. Das Ende der Kooperation betreffe nur den Standort Köln. Die Suche nach einem neuen Träger laufe bereits.

In einer Stellungnahme der Ditib sieht die Bewertung des Comics anders aus. „Die Veröffentlichung in der Türkei kann vor dem Hintergrund des Gedenktages und der aktuellen Terroranschläge als ein Versuch gesehen werden, Kindern das Schicksal der im Krieg und bei Terroranschlägen getöteten Opfer zu erläutern und ihnen Trost zu spenden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landesvorstands.  Der Begriff „Şehit“ (Märtyrer) werde von Extremisten missbraucht. Der Begriff sei „mit derart komplexen religiös-rechtlichen Fragen zu Notwehr-, Nothilfe- und Ausnahmesituationen verbunden, dass ihre Thematisierung sich aus unserer Sicht nicht für die religiöse Unterweisung von Kindern eignet. Die Veröffentlichung wird deshalb auch nicht im Ditib-Landesverband NRW zu Bildungszwecken eingesetzt.“

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) war jüngst auf Distanz zur Ditib gegangen. Die Düsseldorfer Staatskanzlei hatte vor wenigen Tagen angekündigt, sie werde die Organisation auf „Staatsnähe“ zur Türkei überprüfen lassen. Hintergrund: Die Ditib hatte eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft beantragt, was eine erhebliche Aufwertung bedeuten würde. Laut Staatskanzleichef bestehen starke Zweifel mit Blick auf eine Anerkennung.

 

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erstellt am 06.Sep.2016 | 08:28 Uhr

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