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Politik

11. Dezember 2016 | 05:09 Uhr

Ankunft beim G-20-Gipfel in Hangzhou : Was wirklich geschah, als die Chinesen Obama brüskierten

vom

Der US-Präsident musste in China eine Nottreppe zum Aussteigen verwenden - weil ein Treppenfahrer kein Englisch spricht.

Hangzhou | Wenn der US-Präsident in einem anderen Land ankommt, wiederholt sich das immer gleiche Ritual: Die Tür öffnet sich, und zwar vorne oben am Flugzeug. Barack Obama tritt ins Freie, schreitet dann eine eigens für ihn herbeitransportierte Gangway herab auf einen roten Teppich. Reporter können die Szenerie beobachten und die Bilder von der würdevollen Ankunft nach Hause und in alle Welt transportieren.

In China öffnete sich die „Afghanistan-Treppe“ im Rumpf der Air Force One. Sie ist tiefer und weiter hinten als die übliche Ausstiegslucke. Man sieht hier auch, wie der rote Teppich ausgerollt wird.

In China öffnete sich die „Afghanistan-Treppe“ im Rumpf der Air Force One. Sie ist tiefer und weiter hinten als die übliche Ausstiegslucke. Man sieht hier auch, wie der rote Teppich ausgerollt wird.

Foto: Imago/UPI

Nicht so in Hangzhou in China. Die Maschine des Präsidenten, die Air Force One, landete am vergangenen Samstag. Dann entstand Konfusion. Nicht die übliche Tür öffnete sich, sondern eine Luke weiter unten und weiter hinten am Flugzeug. Diese, so betonen US-Medien, werde sonst nur bei geheimen Ankünften, etwa in Afghanisten genutzt. Der Grund: Dieser Ausgang hat eine eigene ausfahrbare Treppe.

Die Chinesen haben Obama brüskiert, so die einhellige Meinung in den USA. Mark Landler, Korrespondent der „New York Times“, sieht das im Grunde auch so, zeichnet aber von vor Ort ein differenziertes Bild dessen, was die Chinesen zum Auftakt des G20-Gipfels anrichteten.

So ist alles richtig: Die Air Force One mit beweglicher Treppe an der Luke vorne oben und mit ordentlichem roten Teppich. Das Foto stammt von einem Staatsbesuch in Malaysia im November 2015.

So ist alles richtig: Die Air Force One mit beweglicher Treppe an der Luke vorne oben und mit ordentlichem roten Teppich. Das Foto stammt von einem Staatsbesuch in Malaysia im November 2015.

Foto: Imago/ZUMA Press

Im Vorfeld, so Landler, sei verabredet gewesen, dass die USA, wie immer, eine eigene Treppe für die Air Force One einfliegen. Die Chinesen seien damit auch einverstanden gewesen. Kurz vor Eintreffen des Präsidenten habe es dann chinesische Bedenken wegen der amerikanischen Treppe gegeben, berichtet ein Regierungsbeamter der „NYT“.

Die Amerikaner seien dann einverstanden gewesen, eine chinesische Treppe zu verwenden. Diese habe ein Chinese bewegen sollen, der aber kein Englisch sprach. Die Amerikaner bestanden auf einem Englisch-sprechenden Treppenfahrer, um kommunizieren zu können. Die Chinesen lehnten ab. Der diplomatische Affront nahm seinen Lauf.

Da die Maschine schon im Anflug war, entschieden die Amerikaner, die untere Tür zu nehmen. Hauptnachteil: Das Schreiten die Treppe hinab würde längst nicht so würdevoll sein, der rote Teppich, obwohl vorhanden, wäre nicht zu sehen.

Nach der Landung gab es einen kleinen Tumult. Reporter wollten die Ankunft auf ungewohnter Treppe beobachten, doch chinesische Sicherheitsleute hatten den Bereich mit blauem Band abgesperrt: „Das ist hier unser Land“, sollen sie protestierenden Journalisten zugerufen  haben. Ähnlich unfreundlich sei mit Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice umgegangen worden. „Sie (die Chinesen) taten Dinge, mit denen wir nicht gerechnet haben“, hieß es anschließend aus ihrem Umfeld.

US-Regierungsbeamte spielten die Szene anschließend herunter. Der Gipfel finde in der 10-Millionen-Stadt Hangzhou statt, hieß es. Die Bevölkerung sei überwiegend in staatlich verordneten und bezahlten Urlaub geschickt worden, was für Verunsicherung spreche. Auch seien es die dortigen Verantwortlichen nicht gewohnt, wie etwa in Peking oder Shanghai, mit hohen Staatsgästen umzugehen.

Auch Obama selbst nahm die Chinesen in Schutz: „Wir bringen eine Menge Flugzeuge mit und eine Menge Hubschrauber, eine Menge Autos und eine Menge Menschen. Als Gastland kann man da das Gefühl bekommen, das sei etwas zu viel.“

 

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erstellt am 05.Sep.2016 | 14:03 Uhr

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