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Politik

05. Dezember 2016 | 11:38 Uhr

Dschaber al-Bakr : Was wir wissen und was nicht

vom

Bei einem Anti-Terror-Einsatz werden mehrere hundert Gramm hochexplosiver Sprengstoff in einer Chemnitzer Wohnung gefunden. Nach zweitägiger Fahndung kann die Polizei am Montag den Hauptverdächtigen festnehmen, einen 22-jährigen mutmaßlichen Islamisten.

Doch vieles in dem Fall noch unklar.

WAS WIR WISSEN:

- Hauptverdächtiger ist der Syrer Dschaber al-Bakr, geboren am 10. Januar 1994 in Sasa, einem Ort südlich von Damaskus. Der mutmaßliche Islamist wurde schon länger vom Verfassungsschutz beobachtet, zu ihm lagen «Erkenntnisse» vor. Der junge Mann kam vor einigen Monaten als Flüchtling nach Deutschland.

- Der Hinweis auf die später vom SEK gestürmte Wohnung kam am vergangenen Freitag vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Der 22-Jährige soll sich in der Wohnung aufgehalten und einen Bombenanschlag vorbereitet haben.

- Der als Flüchtling registrierte Syrer war am Samstag der Polizei entwischt, während sie die Überprüfung einer Wohnung im Fritz-Heckert-Viertel in Chemnitz vorbereitete. Die Beamten haben Dschaber al-Bakr erkannt und einen Warnschuss abgegeben, sind aber nicht auf ihn zugegangen.

- Al-Bakr konnte in der Nacht zum Montag im Leipziger Plattenbauviertel Paunsdorf gefasst werden - in der Wohnung eines Landsmannes. Den hat er nach Medienberichten am Hauptbahnhof angesprochen und gefragt haben, ob er bei ihm schlafen könnte. Der Syrer lud ihn zu sich nach Hause ein und informierte die Polizei, nachdem er von der Fahndung gehört hatte. Die Polizisten konnten Al-Bakr dann schon gefesselt in der Wohnung festnehmen.

- Die Èrmittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernommen. Sie geht von einem islamistischen Motiv des Hauptverdächtigen aus.

- Der Mieter der Chemnitzer Wohnung, in der der Sprengstoff gefunden wurde, befindet sich in Untersuchungshaft. Die Ermittler halten den anerkannten syrischen Flüchtling für einen Komplizen des 22-Jährigen. Er war am Samstag am Chemnitzer Hauptbahnhof festgenommen worden. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erlassen.

- In seiner Wohnung wurde etwa ein Kilogramm Sprengstoff gefunden, die Behörden sprechen offiziell bisher von «mehreren hundert Gramm». Er war gut versteckt. Dabei handelt es sich um ein Gemisch, das weit gefährlicher als das bekannte TNT ist. Das Material wurde in einem ausgehobenen Erdloch kontrolliert vernichtet, die Detonation war noch in deutlicher Entfernung spürbar.

- Zwei Landsleute des Gesuchten, die am Samstag in der Siedlung und am Hauptbahnhof festgenommen worden waren, kamen am Sonntag wieder frei. Der Verdacht, Kontakt zu dem Flüchtigen gehabt zu haben, bestätigte sich nicht.

- Befragt wurde ein weiterer Mann, der Kontakt zu dem gesuchten Syrer gehabt haben soll. Das Spezialeinsatzkommando hatte seine Wohnung im Chemnitzer Yorckviertel gestürmt.

WAS WIR NICHT WISSEN:

- Handelte Al-Bakr aus eigenem Antrieb oder hatte er Hintermänner im Ausland? Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll er Kontakte zur Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) haben. Ein im September in Köln festgenommener 16-jähriger Flüchtling aus Syrien erhielt nach Ermittler-Angaben von einem Chatpartner im Ausland Anweisungen zum Bombenbau.

- Für wie gefährlich hat das Bundesamt für Verfassungsschutz Dschaber al-Bakr eingeschätzt? Warum hat die Bundesanwaltschaft erst so spät das Verfahren übernommen?

- Über mögliche Anschlagsziele wurde bisher nichts bekannt. Informationen, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte, wurden von den Behörden nicht bestätigt.

- Unklar ist auch, ob der Syrer allein handelte oder Mittäter hatte.

- Weshalb konnte der junge Mann letztlich entkommen, obwohl er seit längerem observiert wurde? Wie der 22-Jährige verschwinden konnte und wo er sich in den beiden Tagen danach aufgehalten hat, ist ebenfalls offen. Auch blieb zunächst offen, ob er auf seiner Flucht bewaffnet war oder Sprengstoff bei sich trug.

- Gab es eine Panne bei dem Chemnitzer Einsatz? Das Landeskriminalamt wies am Wochenende entsprechende Vorwürfe zurück. Die Behörde begründete das Verhalten der Einsatzkräfte mit der Gefahr, dass er Sprengstoff bei sich gehabt haben könnte, das Haus noch nicht evakuiert und unklar war, ob sich dort explosives Material befindet.

- Unbekannt ist bisher, wo Dschaber al-Bakr in Deutschland gemeldet und seit wann er in Chemnitz war.

- Berichte, wonach es sich bei dem Sprengstoff um das hochexplosive TATP (Azetonperoxid), das auch bei Anschlägen in Brüssel und Paris verwendet wurde, sind bisher nicht offiziell bestätigt.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 10:59 Uhr

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