zur Navigation springen

Politik

06. Dezember 2016 | 23:00 Uhr

Präsidentschaftswahlen in den USA : Was wäre, wenn Donald Trump aufgibt - und ist das realistisch?

vom

Die Chancen für Donald Trump amerikanischer Präsident zu werden, schwinden. Er könnte wohl noch ersetzt werden.

Washington | Donald Trumps Chancen der nächste Präsident in den Vereinigten Staaten zu werden, verschlechtern sich. In Umfragen rauscht die Zustimmung für den republikanischen Kandidaten in den Keller, seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton liegt vorne. Breiter Widerstand hat sich zudem in den eigenen Reihen formiert. Hartgesottene Republikaner überlegen, wie die Kandidatur von Trump noch gekippt werden könnte. Zudem gibt es prominente Stimmen, die seinen Rückzug fordern.

Donald Trump spaltet die US-amerikanische Bevölkerung. Die einen können sich nicht vorstellen, in einem Land zu leben, dass der Immobilien-Milliardär regiert. Er schießt verbal gegen Minderheiten und zeigt wenig politische Kompetenz. Dafür wird er allerdings auch gefeiert. Doch auch einigen seiner Befürworter gehen die radikalen Ansichten Trumps mittlerweile zu weit.

Der Kandidat sei „erschöpft und verstört“, genauso wie viele der Leute um ihn herum, berichtete die „New York Times“ kürzlich. Trump fühlte sich bemüßigt zu reagieren: "Ich genieße den Wahlkampf", erklärte er via Twitter.

Das ist schwer zu glauben. Seine Umfragewerte dürften Trump und seinem Wahlkampfteam schlaflose Nächte bereiten. So liegt der Republikaner in wichtigen Swing States - das sind besonders hart umkämpfte Bundesstaaten, in denen Mehrheiten zwischen Demokraten oder Republikanern wechseln können - meilenweit hinter Clinton zurück. In Virginia sind es je nach Umfrage zwischen acht und 13 Prozentpunkte. In North Carolina, das nach dem Krieg jeder Republikaner gewonnen hat, der zum Präsidenten gewählt wurde und das Trump unbedingt braucht, führt Clinton einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des „Wall Street Journal“ zufolge mit neun Prozentpunkten Vorsprung.  

Lagen Donald Trump und Hillary Clinton bei Umfragen im Präsidentschaftswahlkampf schon mehrere Male gleich auf, ist die Zustimmung für den Republikaner zuletzt gesunken. Im Juli kam er in der Wählergunst noch auf knapp 46 Prozent und überflügelte damit Hillary Clinton - doch der Wert ist um rund sechs Prozentpunkte eingebrochen. Zugunsten der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin, sie konnte mehr als drei Prozent hinzugewinnen.

Kann eine Kandidatur von Donald Trump überhaupt noch gekippt werden?

Ein Präsidentschaftskandidat in den USA kann sich nur selbst stürzen. Laut der Nachrichtenseite ABC News müsste Donald Trump einen freiwilligen Rückzieher machen.

Es wäre Aufgabe des „Republican National Commitee“ (RNC), dem größten Organisationskomitee der US-Republikaner mit 168 Mitgliedern, einen Nachfolger zu bestimmen. Der Ablauf ist festgelegt. Regel Nummer 9 des RNCs besagt: Falls ein Präsidentschaftsbewerber stirbt oder ausscheidet, ist das RNC bemächtigt sie oder ihn auf einer der beiden Arten zu ersetzen: 1.) Durch eine Abstimmung des RNC, bei der die Anzahl der Stimmen auf jeden Bundesstaat so verteilt sein müssten wie beim letzten Nominierungsparteitag. Oder 2.) durch eine erneute Zusammenkunft der Delegierten beim Nominierungsparteitag.

Ein Rechtsexperte der Republikaner habe laut ABC News die Parteioffiziellen darüber informiert, dass Trump einen Rückzieher aber wohl spätestens vor September machen müsste, sonst würde es schwierig, einen neuen Kandidaten noch rechtzeitig auf die Wahllisten zu setzen.

Ist ein Rückzug wahrscheinlich?

Stimmen, die Donald Trump davon abhalten wollen, amerikanischer Präsident zu werden, nehmen zu. Zuletzt hatte die als einflussreich und konservativ geltende Zeitung „Wall Street Journal“, die zum Murdoch-Imperioum gehört, Trump ein Ultimatum gestellt: Entweder er benehme sich wie jemand, der wirklich „President of the United States“ werden wolle oder er solle seine Kandidatur zurückziehen und das Feld dem Vize-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Mike Pence, überlassen.

Doug Kass, Chef des milliardenschweren Hedgefonds Seabreeze Partners Management, glaubt, dass Trump sich noch vom Kampf ums Weiße Haus zurückziehen wird. Der Kandidat habe zu wenig Sponsorengelder einsammeln können, mit seinen Beträgen könnte er nicht gegen Hillary Clinton ankommen. Das sagte Kass in einer Diskussionsrunde bei Bloomberg TV:

Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass Donald Trump seine Kandidatur tatsächlich zurückzieht, scheint recht gering zu sein. Laut der Nachrichtenseite CNBC äußerte sich sein Wahlkampfmanager Hope Hicks in einer E-Mail, dass an den Spekulationen „nichts wahr“ sei.

Wie beliebt ist Donald Trump bei den Republikanern?

Einer von fünf Republikanern würde sich wünschen, dass Donald Trump noch aus dem Rennen ums Weiße Haus aussteigt, berichtet die Nachrichtenseite CNBC. Das gehe aus einer Umfrage hervor, die Reuters/Ipsos kürzlich veröffentlicht hat. Noch größer ist die Abneigung gegen Trump außerhalb der Republikaner. Von allen registrierten US-Wählern plädierten 44 Prozent dafür, dass Trump aufgeben sollte.

Gibt es alternative Kandidaten?

An die Stelle Trumps rücken könnte Evan McMullin. Er ist Mitglied der Republikaner, tritt im Präsidentschaftswahlkampf aber als unabhängiger Kandidat an. Konservative Vertreter der Republikaner, die von Donald Trump enttäuscht sind, sollen den ehemaligen CIA-Offizier im Rennen ums Weiße Haus unterstützen. Allerdings hatte McMullin wie Trump bislang noch kein politisches Amt inne. Zudem ist er den meisten Amerikanern unbekannt.

Die Onlineseite des „New York Magazine“ benennt weitere mögliche Nachfolger, für die sich die „Grand Old Party“ entscheiden könnte. Demnach könnte Paul Ryan, Kongressabgeordneter aus Wisconsin, ein Kandidat sein. Ryan war 2012 Vizepräsidentschaftskandidat von Mitt Romney. Er gilt als einer der einflussreichsten Finanz- und Wirtschaftspolitiker seiner Partei. Seit 2015 ist der 46-Jähriger Sprecher des Repräsentantenhauses.

Als zweiten möglichen Nachfolger sieht das „New York Magazine“ Mike Pence, den Vizepräsidentschaftskandidaten, der ein großer Trump-Anhänger ist.

(mit dpa)

zur Startseite

von
erstellt am 17.Aug.2016 | 15:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen