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Politik

04. Dezember 2016 | 21:34 Uhr

TV-Duell zwischen Nicolas Sarkozy und Alain Juppé : Was Sie über die Vorwahl in Frankreich wissen müssen

vom
Aus der Onlineredaktion

Nicolas Sarkozy will ein zweites Mal Frankreichs Präsident werden und gibt alles dafür. Am Donnerstag muss er sich in einem ersten TV-Duell mit seinen Mitbewerbern aus den eigenen Reihen messen.

Paris | Sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich liefern sich die konservativen Kandidaten im Fernsehen einen Schlagabtausch. Die TV-Debatte steht am Donnerstag (21 Uhr) an. Als Favoriten werden Ex-Präsident Nicolas Sarkozy (61) und der frühere Premier Alain Juppé (71) gehandelt. Insgesamt gibt es sieben Anwärter. Die bürgerliche Rechte will ihren Kandidaten bei Abstimmungen am 20. und 27. November küren.

Nicolas Sarkozy gibt alles für eine Rückkehr in den Élyséepalast. Doch die Vorwahl im eigenen Lager ist noch längst nicht entschieden. Im Fokus steht vor allem die Frage: Wie weit rechts spielt Frankreichs bürgerliche Rechte?  Sarkozy gilt als Hardliner in den eigenen Reihen.

Nicolas Sarkozy ist stolz auf seine Anhänger, die große Säle in Paris und in der Provinz füllen. Der 61 Jahre alte Anwärter auf eine neue Amtszeit im Élyséepalast stellt sich erstmals einer zweistündigen TV-Debatte mit seinen Konkurrenten aus dem eigenen Lager. Dabei geht es um viel. Denn wer sich bei den konservativen Republikanern durchsetzt, hat gute Chancen, die entscheidende zweite Runde der Präsidentschaftswahl im kommenden Mai zu gewinnen.

Nicolas Sarkozy will erneut für das höchste Amt des Landes kandidieren.
Nicolas Sarkozy will erneut für das höchste Amt des Landes kandidieren. Foto: Ian Langsdon
 

Marine Le Pen oder die bürgerliche Rechte?

Dem unpopulären Amtsinhaber François Hollande werden nur wenig Chancen gegeben, im Élyséepalast zu bleiben - und auch andere Sozialisten schneiden in Umfragen nicht gut ab. Derzeit scheint es daher gut möglich, dass die Stichwahl zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen von der Front National und dem Präsidentschaftsbewerber der bürgerlichen Rechten ausgetragen wird.

Den Wettkampf im eigenen Lager führt Sarkozy vor allem gegen den zehn Jahre älteren Ex-Premier Alain Juppé, der in Umfragen immer noch vorne liegt. Das Duell ist spannend: Es geht darum, wie rechts die Republikaner bei der Wahl auftreten. Die Schwergewichte liegen vor allem im Anti-Terror-Kampf weit auseinander.

<p>Alain Juppé bei einer Wahlkampfveranstaltung in Paris im Oktober 2016.</p>

Alain Juppé bei einer Wahlkampfveranstaltung in Paris im Oktober 2016.

Foto: dpa

Der Schatten des Terrors

Frankreich wird seit gut eineinhalb Jahren von einer beispiellosen Terrorserie erschüttert. Sarkozy fährt in der Debatte die harte Linie. Schon nach dem Attentat von Nizza mit 86 Toten forderte er, mutmaßliche Islamisten vorsorglich zu internieren, auch wenn sie sich nicht strafbar machten. Im Fall eines Wahlsieges will er seine Landsleute 2017 darüber in einem Referendum befragen.

Juppé tritt hingegen auf die Bremse und warnt, die Stimmung weiter aufzuheizen. Er sieht sogar die Gefahr eines Bürgerkriegs. Bei besonders gefährlichen Verdächtigen hält er eine Internierung zwar für möglich. Doch das müsse ein Strafrichter entscheiden. „Ich will kein französisches Guantanamo“, sagte der Bürgermeister von Bordeaux der Zeitung „Le Monde“.

Der Franko-Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel war im Juli 2016 mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza gerast und hatte 84 Menschen getötet.
Der Franko-Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel war im Juli 2016 mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza gerast und hatte 84 Menschen getötet. Foto: Andreas Gebert
 

Die Herausforderung Front National

Sarkozy, von 2007 bis 2012 Herr des Élyséepalastes, macht keinen Hehl daraus, sich auch an Wähler der Rechtsaußen-Partei Front National (FN) zu wenden. Mit gezielten Provokationen macht er Schlagzeilen - etwa wenn er erklärt, dass mit dem Erwerb der französischen Staatsbürgerschaft automatisch die Gallier zu den eigenen Vorfahren zählten. Er sieht sich als ein Sprachrohr wütender und verunsicherter Franzosen.

„Sarkozy, das ist die unglückliche Gesellschaft mit ihrem Retter“, bilanziert der konservative Ex-Premier und Juppé-Anhänger Jean-Pierre Raffarin mit beißendem Spott. „Er hat es nötig, dass die Sachen schieflaufen, um seine Macht zu rechtfertigen“, meint Raffarin laut „Le Monde“. Juppé ist seinerseits überzeugt, dass nur er in der Lage sei, im kommenden Mai im zweiten Wahlgang FN-Chefin Le Pen mit Abstand schlagen zu können. Le Pen hat nach Schätzungen ein Potenzial von rund 30 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang.

Marine Le Pen bemüht sich nach Kräften um einen bürgerlichen Anstrich für ihre Partei.
Marine Le Pen bemüht sich nach Kräften um einen bürgerlichen Anstrich für ihre Partei. Foto: Julien Warnand

Sarkozys Bremsklotz: Seine Vergangenheit

Der Name Sarkozys ist mit mehreren Affären verbunden. Der Pariser Staatsanwaltschaft will das frühere Staatsoberhaupt wegen der Finanzierung des Wahlkampfes vor fünf Jahren vor Gericht bringen. Sarkozy soll bei seiner erfolglosen Wiederwahl-Kampagne 2012 die gesetzliche Obergrenze für Wahlkampfausgaben überschritten haben.

Ob es einen Prozess geben wird, ist aber noch offen. Unlängst wurde der frühere Inlands-Geheimdienstchef Bernard Squarcini wegen des Vorwurfs von Interessenkonflikten in Gewahrsam genommen; der frühere Toppolizist gilt seit langem als ein Sarkozy-Mann. Und dann brachte Sarkozy-Berater Patrick Buisson ein Enthüllungsbuch auf den Markt, das wenig Schmeichelhaftes über den früheren Chef enthält.

<p>Werden wohl keine Freunde mehr: Amtsinhaber François Hollande (li.) und Altpräsident Nicolas Sarkozy bei einem Treffen der Parteivorsitzenden zum Brexit im Juni 2016. </p>

Werden wohl keine Freunde mehr: Amtsinhaber François Hollande (li.) und Altpräsident Nicolas Sarkozy bei einem Treffen der Parteivorsitzenden zum Brexit im Juni 2016.

Foto: Imago/PanoramiC
 

Sarkozy ist auch für die regierenden Sozialisten schon länger ein rotes Tuch. Amtsinhaber Hollande macht aus seiner tiefen Abneigung gegen den Widersacher keinen Hehl und geißelt in einem neuen Enthüllungsbuch von zwei Journalisten „seine Grobheit, seine Boshaftigkeit und seinen Zynismus“. Mit Blick auf den früheren konservativen Staatspräsidenten meint Hollande laut Zeitung „Le Parisien“: „Das ist der kleine de Gaulle.“

Unter den übrigen Kandidaten ist nur eine Frau

Bei der TV-Debatte werden noch fünf weitere Kandidaten der Rechten auf dem Podium sitzen. Unter ihnen ist Deutschland-Kenner und Ex-Minister Bruno Le Maire, der frühere Parteichef Jean-François Copé und die Abgeordnete Nathalie Kosciusko-Morizet. Sie liegen in Umfragen aber weit abgeschlagen. Kosciusko-Morizet, in Frankreich als „NKM“ bekannt, war früher Vertraute von Sarkozy, wandte sich dann aber von ihm ab.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 15:59 Uhr

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