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Politik

06. Dezember 2016 | 09:22 Uhr

US-Wahl 2016 : Warum Hillary Clinton verlieren und Donald Trump gewinnen könnte

vom
Aus der Onlineredaktion

Wie kann Clinton punkten? Mit welchen Argumenten könnte Trump siegen? Ein Ausflug in die argumentative Geisterbahn.

Donald Trump ist nominiert, Hillary Clinton wird es in den nächsten Tagen sein. Die Schlacht ist noch längst nicht geschlagen, Trumps Argumente sind nicht so abwegig, wie sie oft aus deutscher Sicht scheinen. shz.de zeigt, womit die Kandidaten punkten und wo ihre Schwächen liegen.

Donald Trump

Donald Trump ist der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner.
Donald Trump ist der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner. Foto: Michael Reynolds
 

Seine Stärken

Endlich mal einer, der die Wahrheit sagt

Trumps Anhänger sind davon natürlich überzeugt. Aber auch Gegner zollten ihm im Vorwahlkampf Respekt dafür, dass er Dinge beim Namen nennt. Etwa Trevor Timm, US-Korrespondent des „Guardian“ und so ziemlich das Gegenteil eines Trump-Anhängers. „Es schmerzt, aber manchmal sagt Donald Trump die Wahrheit“, schrieb er im vergangenen Jahr.

Ein Beispiel, das er nennt: Trump stehe offen dazu, dass er auch Demokraten Geld gespendet habe und bezeichne diese Spenden als das, was sie sind: Eintrittsgeld für Zugang zu Entscheidungsträgern.

Der kümmert sich um die kleinen Leute

Ein Kernargument, mit dem Trump einkommensschwache Wähler gewinnt, ist der Freihandel. Das Thema zieht sich durch seine Wahlkampfreden. Freihandel macht vielen Amerikanern Angst, weil sie meinen, dass dadurch ihre Jobs ins Ausland verschwinden. Erklärungen, dass Freihandel das allgemeine Wohlstandsniveau hebt, also auch das der kleinen Leute, sind abstrakt. „Wenn wir Schutzzölle errichten, bleibt die Fabrik hier und geht nicht nach China“, klingt für viele lebensnäher. Gerne spricht Trump in diesem Zusammenhang vom „größten Diebstahl in der Geschichte der Vereinigten Staaten“.

Der schafft Arbeitsplätze

Das führt zum nächsten Argument. Arbeitsplätze müssen in den USA bleiben. Zölle, Grenzen, Handelsbarrieren: Das ist Trumps argumentatives Trio. In einem Land, in dem die größten Unternehmen keine relevante Fertigung mehr haben, sind sie leichte Opfer für die trumpsche Rhetorik. Sein Lieblingsopfer: Apple.

Der traut sich mal was

Trump gibt sich als Politiker, der sich im Gegensatz zu anderen Politikern traut auszusprechen, was er im Rest der Gesellschaft als „Common Sense“ sieht. Eines seiner Lieblingsthemen: Alle Moslems seien Teil eines Dschihad gegen die USA. Deshalb müsse es ein generelles Einreiseverbot geben.

Der kämpft gegen die da oben

„Establishment“ kennen wir als polarisierenden Begriff der 68er. „Wer zwei Mal mit derselben pennt ...“ und so. In den USA ist Establishment ein Kampfbegriff mit hoher politischer Wirkung. Auch Bernie Sanders' Erfolge im Vorwahlkampf erklären sich zu einem guten Teil daraus, dass er sich nicht zum Establishment zählte, also der herrschenden politischen und wirtschaftlichen Klasse in den USA.

Für Trump wäre das eigentlich ein Problem. Denn natürlich gehört er als erfolgreicher Unternehmer zum Establishment. „Gehörte“, würde er an dieser Stelle korrigieren. Denn er hat sich selbst zum Anti-Establishment erklärt - um gegen das Establishment zu schießen.

Seine Schwächen

Der lügt

Herrscharen von Menschen beschäftigen sich damit, die Lügen von Donald Trump aufzudecken. Eine der seriösesten Quellen ist Politifact, immerhin Gewinner des Pulitzer-Preises. Demnach sind 38 Prozent aller überprüften Aussagen falsch.

Der ist ein Rassist

Schwarze Youtuber sammeln akribisch die rassistischen Äußerungen von Trump. Hier zeigt Brandon Jenkins, der sich „Jinx“ nennt, wie Trump einen Journalisten lateinamerikanischer Herkunft aus einer Pressekonferenz wirft.

Der macht Politik für die Dummen

Ein Meme mit einem möglicherweise gefälschtem Zitat von Donald Trump.

Ein Meme mit einem möglicherweise gefälschtem Zitat von Donald Trump.

Trump wird in diesem berühmten Meme unterstellt, er habe 1998 gesagt: „Wenn ich antrete, trete ich als Republikaner an. Das ist die dümmste Wählergruppe im Land. Die glauben alles, was Fox News bringt. Ich könnte lügen, und sie würden es schlucken. Jede Wette, dass meine Zahlen großartig wären.“

An der Authentizität des Zitats gibt es erhebliche Zweifel.

Dennoch hat sich der Eindruck verfestigt, Trump spreche eher den unintellektuelleren Teil der US-Wählerschaft an. Das Wahlkampfteam von Clinton spielt mit dieser Schwäche und hat auf hillaryclinton.com „Trumpyourself“ eingeführt. Dort kann sich jeder, auch der Autor dieser Zeilen, von Trump beleidigen lassen.

 

(Quelle: https://www.hillaryclinton.com/trumpyourself/)

Der hat überhaupt gar keine Erfahrung

Das ist einer der Hauptangriffspunkte von Clinton. Trump habe keine Ahnung, twittere dummes Zeug in der Gegend herum und löse keine Probleme, sondern schaffe neue. Dieses Argument werden wir wohl auf jeder ihrer Wahlkampfreden hören.

 


Hillary Clinton

Hillary Clinton während eines Auftritts in Virginia.
Hillary Clinton während eines Auftritts in Virginia. Foto: Michael Reynolds
 

Ihre Stärken

Die hat langjährige Erfahrung

Der klarste Pluspunkt für Clinton. Das Argument, das Weiße Haus von Innen zu kennen (als First Lady) zieht nicht wirklich (Stichwort: Establishment). Aber ihre Erfahrung als Außenministerin von 2009 bis 2013 kann ihr niemand nehmen. Ihre Zeit als Chefdiplomatin wird allgemein als gelungen gewürdigt. Ausnahme: Sie musste Verantwortung für ein Attentat am 11. September 2011 auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi übernehmen. Die anschließende Senatsanhörung war inhaltlicher wie optischer Tiefpunkt dieses Teils ihrer Karriere.

Die ist intelligent

Clinton studierte an der Yale Law School Jura und promovierte anschließend. Einfach gesagt: Das schafft man nur auf einem gewissen intellektuellen Level. Trump hat dagegen nur einen Bachelor vorzuweisen und glänzte in seiner Studienzeit mehr mit sportlichen als wissenschaftlichen Leistungen. Auch wenn Intelligenz von außen nicht objektiv messbar ist: Hier punktet sie.

Die vertritt die USA gut im Ausland

„Hier ist Donald Trump ein leichtes Ziel“, so einer der Kommentare im US-Sender MSNBC im Juni 2016, nachdem Clinton den Konkurrenten in einer Rede wegen dessen Ansichten in der Außenpolitik scharf angegriffen hatte.

Die steht für Weltoffenheit und Toleranz

2011 hielt Clinton vor den Vereinten Nationen in Genf eine beachtete Rede für die Rechte von Schwulen und Lesben. „Schwulenrechte sind Menschenrechte, und Menschenrechte sind Schwulenrechte“, sagte sie. Mit dieser Haltung spricht sie vor allem städtisches liberales Stammpublikum an.

Die sorgt für Kontinuität nach Obama

Die Präsidentschaft Obamas ist nach vielen Kriterien ein Erfolg. Die Wirtschaftskraft ist gestiegen, die Arbeitslosigkeit gesunken, Vielen Amerikanern geht es heute besser als vor acht Jahren, als sich das Land tief in der Finanzkrise befand. Trotz vieler schwelender Konflikte befinden sich die USA in keinen größeren militärischen Auseinandersetzungen. Obama unterstützt Clinton, weil sie seine Politik fortsetzen könne. Ein klares Plus in der demokratischen Stammwählerschaft. Konservative Wechselwähler könnte die Perspektive stören, nach acht Jahren von einem Schwarzen nun von einer Frau regiert zu werden.

Interessant an diesem Unterstützungs-Statement von Obama für Clinton ist vor allem, wie er Bernie Sanders einbezieht. Denn Sanders zieht Wähler, die Clinton nicht zieht: junge Menschen, die das Establishment ablehnen.

Ihre Schwächen

Die gehört zum Establishment

Genau, ihre größte Schwäche: Establishment. Ehemalige First Lady. Ehemalige Ministerin. Bis auf eine kurze Karriere als Anwältin immer Politikerfrau oder Politikerin gewesen. Das ist ein Problem in der weißen, konservativen Landbevölkerung. Geschenkt. Aber es ist vor allem ein Problem bei Jungwählern. Diese machen sich so über Clinton lustig:

Die hat Dreck am Stecken

Die Clintons waren in den 70er-Jahren an Immobiliengeschäften beteiligt, die unter dem Stichwort „Whitewater“ bekannt wurden. In diesem Zusammenhang gab es illegale Aktivitäten, aber den Clintons selbst wurde nichts nachgewiesen. Der renommierten Website Politico liegt nach ihren Angaben eine Mail vor, wonach Trump Hillary Clinton im Wahlkampf mit dem Whitewater-Skandal angreifen will.

Auch ein Problem: Clintons laxer Umgang mit Dienstmails während ihrer Zeit als Außenministerin.

Die ist nur eine Marionette

Clinton wird ferngesteuert von bösen Mächten, die sie finanzieren. Diese Behauptung untermauern Trump-Fans mit Listen, welche Länder die Clinton-Stiftung welche Geldsumme gespendet haben. Trump selbst sagt dazu: „Sie (Clinton) ist ihre Marionette, und sie (die Spender) ziehen an den Fäden.“

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erstellt am 25.Jul.2016 | 06:40 Uhr

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