zur Navigation springen

Erdogans Präsidialsystem : Warum die Türken in Deutschland für Erdogan wichtig sind

vom

Rund 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken wohnen in Deutschland – viele von ihnen stehen zu Erdogans Politik.

Während die Kluft zwischen Deutschland und der Türkei nach der Inhaftierung des deutschen Journalisten Deniz Yücel immer größer wird, blickt die Erdogan-Regierung in ganz anderen Belangen in Richtung Deutschland: Es ist Wahlkampf-Zeit.

Am 16. April stimmen die Türken in einem Referendum darüber ab, ob Erdogan mit der Einführung des Präsidialsystems noch mehr Macht zuteil werden sollte. Eine Reform würde Erdogan erlauben, auch außerhalb des derzeit andauernden Ausnahmezustandes per Dekret zu regieren.

Am Donnerstagabend wollte Erdogans Justizminister Bekir Bozdag trotz der lauten Kritik im baden-württembergischen Gaggenau auftreten. Aus Sicherheitsgründen sagte die Stadt die Veranstaltung kurzfristig ab. Die Verantwortlichen befürchteten, die Stadthalle könne den erwarteten Zustrom nicht fassen – so die offizielle Begründung.

Doch der nächste Minister steht schon in den Startlöchern: Wirtschaftsminister Nihat Zeybekçi will am Sonntag im Bezirksrathaus Köln-Porz zu Anhängern Erdogans sprechen. Das Ziel: Er will die geschätzt 500.000 Deutschtürken (Stand: Zensus 2011) und die rund eine Millionen Türken in Deutschland ohne deutschen Pass auf Erdogan-Spur halten.

In Deutschland leben also mehr als 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken – für Erdogans Reform könnten sie das Zünglein an der Waage sein. Nach Istanbul, Ankara und Izmir gilt Deutschland als viertgrößter Wahlbezirk der Türkei – und der ist Erdogans AKP sehr gewogen.

Zehntausende Türken gingen in Deutschland nach dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 für ihren Präsidenten auf die Straße. Die Begeisterung für Erdogan unter den in Deutschland lebenden Türken hat laut Ludwig Schulz, Türkeiforscher am Deutschen Orient-Institut Berlin, vielerlei Gründe: Viele Türkischstämmige informierten sich überwiegend aus regierungstreuen türkischen Medien. Dazu kämen türkischer Nationalstolz und ein Gefühl von Ablehnung durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft. „Es ist wohl eine Mischung aus berechtigter Kritik an unserem einseitigen Türkeibild und einer umgekehrt geschönten Sicht vieler Türkischstämmiger auf die Türkei“, glaubt Schulz

Seit der Präsidentenwahl 2014 können türkische Staatsbürger ihre Stimme direkt in den Konsulaten in Deutschland ihre Stimme abgeben. Die Wahlergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Während bei der Parlamentswahl 2015 in der Türkei selbst nur 49,5 Prozent aller Wähler für die islamisch-konservative AKP stimmten, erlangte die Partei in Deutschland 59,7 Prozent der Stimmen.

Die Wahlergebnisse seit 2014 im Überblick:

 

Mit dpa

zur Startseite

von
erstellt am 02.Mär.2017 | 15:56 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen