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Interview : „Wahnsinnige Stimmung“: So erlebte Ralf Stegner die Schulz-Wahl

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Martin Schulz ist neuer SPD-Chef. Was SPD-Vize Ralf Stegner über das Ergebnis denkt, verrät er im Interview.

Die SPD feiert ihren neuen Vorsitzenden Martin Schulz, der am Sonntag mit 100 Prozent der Stimmen zum Chef gewählt wurde. Wir haben den SPD-Landeschef Ralf Stegner zu den Ereignissen befragt.

Herr Stegner, 100 Prozent Zustimmung für Martin Schulz. Das Ergebnis hat ja schon etwas Sozialistisches.
Wenn es nicht eine geheime Wahl gewesen wäre. Aber das war sie ja nun mal. Ich glaube, es zeigt einfach, dass die SPD wieder da ist und dass eine Aufbruchstimmung herrscht, die ich in dieser Form in den letzten 25 Jahren nicht erlebt habe. Martin Schulz verkörpert diese neue Antriebskraft.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Zahl 100 gehört haben?
Wahnsinn. Da fällt einem gar kein toller politischer Kommentar ein. Es ist einfach ein irrer Vertrauensbeweis für Martin Schulz.

Was ist mit Ihrer Partei in den vergangenen zwei Monaten passiert?
Wir haben das Selbstbewusstsein wiederentdeckt. Wir haben keine neue, revolutionäre Richtung eingeschlagen. Es fehlte einfach nur ein Impuls, der im Grunde genommen wie ein Energiestoß in die Partei kommt. Dass sie sich auf ihre Grundtugenden besinnt, dass sie die soziale Gerechtigkeit in den Vordergrund stellt, dass sie sich den Rechten als Brandmauer der Demokratie entgegenstellt, dass sie für Europa kämpft. Und all dies mit Leidenschaft. Martin Schulz hat dafür die richtige Sprache gefunden. Das ist auch ein Signal an alle anderen Parteien und die Öffentlichkeit, die die SPD schon oft abgeschrieben haben.

Was hat Martin Schulz, was Sigmar Gabriel nicht hat?
Es sind Zeiten, in denen ganz viele junge Leute zu uns kommen. Gerade in diesen Trump-Zeiten wollen sie Frieden und Wohlstand und keinen neuen Nationalismus in Europa. Das verkörpert Martin Schulz wie kein anderer. Zweitens spricht er die Sprache der Menschen. Er ist ein Vulkan. Er stellt sich der Technokratie, die es in der Politik gibt, entgegen. Und drittens ist er kein Vertreter der Großen Koalition. Bei allen Verdiensten, die Sigmar Gabriel wirklich hat. Sigmar Gabriel wird einmal beschrieben werden als der Vorsitzende, der einen Präsidenten und einen Kanzler gemacht hat. Das ist schon eine ziemlich große Leistung. Aber er ist nun mal Vize-Kanzler in dieser Großen Koalition – und Martin Schulz ist der Gegenpol zu Angela Merkel.

Wie groß ist Ihre Sorge, dass der Schulz-Effekt bis zur Bundestagswahl am 24. September verpuffen könnte?
Die Sorge ist überhaupt nicht vorhanden. Wir sind zehn Jahre gefragt worden, warum wir so schlechte Umfragen haben, obwohl wir doch gute Arbeit leisten. Jetzt können Sie mich gerne die nächsten zehn Jahre fragen, warum wir so gute Umfragewerte haben.

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erstellt am 20.Mär.2017 | 12:32 Uhr

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