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Politik

04. Dezember 2016 | 07:06 Uhr

Armenien-Resolution : „Völkermord an der Freundschaft“: Die türkische Presse läuft Sturm

vom

Merkel mit Hakenkreuz im Hintergrund und kritische Worte. Die im Bundestag verabschiedete Resolution stößt auf massive Kritik.

Istanbul | Die Annahme der Völkermord-Resolution zu den Massakern an den Armeniern im Bundestag hat in der Türkei ein vernichtendes Presseecho hervorgerufen. Nachdem bereits türkische Politiker ordentlich Kritik geübt hatten, laufen regierungsnahe Zeitungen am Freitag einhellig Sturm gegen die Resolution. Auch von manchen kritischen Medien wird sie hart verurteilt.

Bei der Verfolgung der Armenier im Ersten Weltkrieg wurden nach armenischer Darstellung bis zu 1,5 Millionen Menschen getötet. Die Türkei spricht von deutlich weniger Toten und lehnt den Begriff Genozid vehement ab. Das nun der Bundestag offiziell von einem Völkermord spricht, erzürnt die Türken.

Die Zeitung „Sabah“ - die Positionen der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP wiedergibt - erscheint mit Blick auf das Bündnis zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg mit der Schlagzeile: „Unser Waffenbruder ist uns in den Rücken gefallen“. Zu der Bundestags-Entscheidung meinte das Blatt: „Dadurch ist die Schicksalsgemeinschaft, die im Ersten Weltkrieg begonnen hat, Geschichte. (...) Unsere Soldaten haben ihr Leben offenbar umsonst für Deutschland gegeben.“

Die einstmals AKP-kritische Zeitung „Hürriyet“, die sich in den vergangenen Monaten Regierungspositionen angenähert hat, trägt vor einem Foto des Bundestags die Schlagzeile: „Schande über Euch“. Weiter heißt es: „Der Bundestag hat die Resolution zum Armenier-Genozid angenommen, die eine tiefe Wunde in die jahrhundertealten Beziehungen zur Türkei reißen wird.“ Im Innenteil schrieb das Blatt vom „Völkermord an der Freundschaft“.

Die AKP-feindliche und stramm kemalistische Zeitung „Sözcü“ druckt eine Fotomontage von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitlerbart und in einer Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge. Das Blatt titelt auf Deutsch: „Schämen Sie sich!“. „Sözcü“ kritisiert: „Hitlers Enkel haben die Türkei des Genozids bezichtigt. (...) Deutschland, das im Zweiten Weltkrieg Völkermord begangen hat, indem es sechs Millionen Juden massakriert hat, und das mit Waffenlieferungen an die PKK den Weg dafür bereitet hat, dass unsere Kinder zu Märtyrern werden, hat den sogenannten armenischen Genozid ratifiziert...WIR SIND WÜTEND“.

Die regierungskritische Zeitung „Cumhuriyet“ wählt dagegen eine nüchterne Schlagzeile. „Die Einsamkeit von 1915“ schreibt das Blatt in Anspielung auf die zunehmende Isolation der Türkei in der Völkermorddebatte. „Die AKP und (Präsident Recep Tayyip) Erdogan haben einen weiteren Diplomatie-Krieg verloren“.

In der Südkaukasusrepublik Armenien haben sich hingegen Dutzende Menschen bei Deutschland bedankt. Mehr als 100 überwiegend junge Armenier kamen am Donnerstagabend vor die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Eriwan zu einer Freuden-Demonstration. Auf Plakate schrieben sie „Danke“.

Es sei wichtig, dass gerade Deutschland die Gräueltaten an den Armeniern durch das Osmanische Reich anerkenne, sagte der armenische Politologe Stepan Grigorjan. Deutschland sei ein enger Verbündeter des Osmanischen Reiches gewesen und habe zudem in den vergangenen 100 Jahren immer wieder eng mit der Türkei zusammengearbeitet, erklärte er. „Das ist nun ein großer Stress für die Türkei“, meinte der Leiter des Zentrums für Globalisierung und regionale Zusammenarbeit.

 

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erstellt am 03.Jun.2016 | 13:17 Uhr

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