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Politik

04. Dezember 2016 | 02:53 Uhr

Barack Obama in Berlin : Versiegelte Gullis, klaglose Spitzenköche und ein Biest

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kuriositäten und Begleiterscheinungen rund um den Besuch von US-Präsident Barack Obama in Berlin.

Für Ricardo Dürner, Butler der Präsidentensuite 512 im Hotel Adlon, hätte es der strengen Schweigepflicht nicht bedurft, die ihm das Weiße Haus für den Besuch Präsident Obamas auferlegte. Im 180-Quadratmeter-Luxusappartement mit Blick auf das Brandenburger Tor kam Dürners Rund-um-die-Uhr-Betreuung schon der britischen Königin und dem russischen Präsidenten zugute, ohne dass auch nur eine Andeutung über das Nachtgewand der Queen oder die Wodkasorten des Kreml-Herrschers nach außen drang. Selbst Rauschzustände angelsächsischer Popstars macht die absolute Diskretion des Adlon vergessen.

Für 15  000 Euro pro Nacht kann auch jeder Tourist die Präsidentensuite buchen, wenn sie nicht gerade für Staatsgäste benötigt wird. Nur zwei andere Berliner Hotels verfügen über vergleichbare Sicherheitsvorkehrungen wie Suite 512. Gepanzerte Fensterfronten und eine Innenausstattung nach Vorgaben des Bundeskriminalamts bieten größtmöglichen Schutz, auch wenn Scharfschützen auf dem Hoteldach sowie auf benachbarten Gebäuden von der Bedrohung für Amerikas Präsidenten zeugen.

Ihre Limousine „The Beast“ – eine überdimensionierte Stretchversion des Cadillac von General Motors – ist so stark gepanzert, dass selbst ein Angriff mit Biowaffen dem prominenten Fahrgast nicht schaden könnte. Gleich zwei dieser Monstren brachte Obama mit nach Berlin. Im Gegensatz zu den 40 anderen Fahrzeugen des Präsidenten zeigte sich, dass Beaster zum Einparken in mitteleuropäische Garagen ungeeignet sind. 2400 Polizisten pro Schicht haben das Regierungsviertel um den Reichstag, das Kanzleramt, das Holocaust-Mahnmal sowie Teile des Tiergartens abgeriegelt. Da Obama nur die fünfte Etage komplett gemietet hat, wird „normalen“ Adlon-Gästen das Privileg, mit dem US-Präsidenten unter einem Dach zu nächtigen, kräftig verleidet. Um ihre Zimmer (ab 400 Euro) zu erreichen, müssen mehrere Sicherheitsschleusen mit schärferen Kontrollen als auf Flughäfen passiert werden.

Selbst Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls, der zu einer anderen Konferenz im Adlon eintraf, durfte nicht im stolzen Dienst-Pkw mit Stander vorfahren. Zu Fuß musste er zum Hoteleingang pilgern. Obama hingegen zeigte sich nur auf dem kurzen Rückweg von der benachbarten US-Botschaft. Dafür waren nicht nur sämtliche Gullideckel am Pariser Platz versiegelt worden. Auch sind gegenüber wohnende Mieter polizeilich verpflichtet, kein Fenster zu öffnen – sofern sie ihre Wohnung nach Vorlage des Personalausweises überhaupt erreichen. Die „Kanzler U-Bahn“ durch das Regierungsviertel und ein S-Bahnhof sind komplett gesperrt, im Luftraum über Berlin gibt es starke Einschränkungen und der Deutsche Verkehrsclub beschwerte sich über die Sperrung des nördlichen S-Bahnrings im Berufsverkehr während der Ankunft.

Trotz des Aufwands ist Obamas Aufenthalt aber kein „Staatsbesuch“, wie in den Ansagen auf Berlins Bahnhöfen fälschlich behauptet wird. Barack Obama ist inoffiziell in Berlin. Sein Arbeitsprogramm wurde nur in Auszügen veröffentlicht, weshalb das abendliche Essen mit Bundeskanzlerin Merkel im Adlon selbst Mitarbeiter des Kanzleramts überraschte. Da Merkel mit dem Präsidenten englisch sprach (was sie von ihrer Mutter Herlind Kasner, einer Englischlehrerin, zu DDR-Zeiten ordentlich erlernte), zeugt die Gesprächsdauer über „netto“ drei Stunden von einem intensiven Dialog.

Adlon-Chefkoch Hendrik Otto mag es zwar als demütigend empfunden haben, für die Spitzengastronomie im Dienst des Präsidenten und seiner Gäste einen „Lebensmittelbeauftragten“ der Amerikaner an die Seite bekommen zu haben, ganz zu schweigen von der Secret Service-Aufsicht. Klaglos stellte der Starkoch aber für das Abendessen Obamas mit Angela Merkel eine Menü-Auswahl erlesener Gerichte zusammen. Auch eine Creation nach Art der Berliner Currywurst soll dazu gehört haben. Am Prenzlauer Berg, wo Präsident Clinton einst ein schwäbisches Restaurant mit seinem Besuch adelte und daraus eine Kultstätte für US-Besucher machte, hatte man fest mit Obama gerechnet. Aber das zweite Abendessen mit Eisbein, gebratener Haxe, Nürnberger Bratwürstchen und Apfelstrudel fand gestern mit kleinem Gästekreis im Kanzleramt statt.

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