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Politik

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Türkisch-russische Beziehung : USA lassen sich von Recep Erdogan nicht provozieren

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Das Weiße Haus lässt sich von Recep Erdogans Flirt mit Wladimir Putin nicht beeindrucken. Die USA sehen ihre Sicherheitsinteressen von der türkisch-russischen Annäherung nicht bedroht.

Je mehr sich der türkische Präsident aufplustert, desto gelassener reagiert die US-Regierung. „Erdogan braucht die USA mehr als sie ihn”, bringt Randa Slim vom „Middle East Institute” in Washington das Kalkül der Amerikaner auf den Punkt. Entsprechend gedämpft fiel die offizielle Reaktion auf das Treffen Erdogans mit Putin in St. Petersburg aus.

Die Türkei und Russland nähern sich wieder an. Aber die USA beunruhigt das nicht. Die Türkei und Russland seien in der Syrien-Frage zu zerstritten.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums Elizabeth Trudeau erklärte, sie sehe nicht, „dass unsere Beziehung zur Türkei dadurch geschwächt wird“. Die anti-amerikanische Rhetorik aus Ankara der vergangenen Wochen sei gewiss nicht hilfreich. „Aber unsere Freundschaft mit der Türkei ist stark.“

Die beiden autokratischen Staatschefs hatten bei dem Treffen das Ende ihrer Spannungen über den Abschuss eines russischen Militärjets im Süden der Türkei vor neun Monaten besiegelt. Der Vorfall führte zu einem massiven Schlagabtausch zwischen Erdogan und Putin. In der Folge sanktionierte Russland den Tourismus in die Türkei sowie türkische Agrar-Importe.

Dass der türkische Präsident Putin nun bei der Pressekonferenz in St. Petersburg seinen „lieben Freund“ nannte und Außenminister Mevlut Cavusoglu anschließend laut über „Verteidigungs-Kooperationen mit anderen Ländern“ nachdachte, ordnen die Amerikaner als durchsichtige Provokation ein.

US-Analysten sehen in Russland keine echte strategische Option für Erdogan, der für die Sicherheit der Türkei angesichts der Instabilität in der Region und der Terrorgefahr mehr denn je auf die NATO angewiesen bliebe. Darüber hinaus bestünden in Syrien so gut wie unüberbrückbare Interessengegensätze mit Russland, an denen sich auf absehbare Zeit nichts ändern werde.

Erdogan insistiert sowohl gegenüber Moskau wie auch Washington darauf, dass es für Syrien nur eine Lösung ohne seinen Erzfeind Basar Al-Assad geben könne. Genauso erbost ist der türkische Präsident über die Unterstützung der Kurden.

Während weder die Russen noch die Amerikaner auf die Kooperation mit den Kurden in Syrien nehmen wollen, lehnt es Putin kategorisch ab, Assad fallen zu lassen. Die USA teilen dagegen das Interesse der Türken, den syrischen Diktator abzusetzen. Washington ist flexibler bei der Frage, ob dies am Anfang oder am Ende einer Lösung für das Bürgerkriegsland stehen soll.

Dass es atmosphärisch vor allem um verletzte Eitelkeiten geht, offenbarte Erdogan in einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Monde“. Darin erboste er sich, dass Außenminister John Kerry seit dem Militärputsch noch nicht in Ankara war.

„Das ist spät, zu spät“, empörte sich Erdogan über die USA. „Ihr strategischer Verbündeter erlebt einen Putschversuch und es dauert 45 Tage bevor sie jemanden rüber schicken. Das ist schockierend.“ Gleichzeitig beharrte er darauf, dass die Amerikaner den Prediger Fetullah Gülen ausliefern, der in Pennsylvania lebt und von Erdogan beschuldigt wird, Drahtzieher des gescheiterten Coups zu sein.

Die US-Regierung machte wiederholt deutlich, dass die Türkei in einem ordentlichen Auslieferungsverfahren Beweise präsentieren müsste. Worüber sich Washington ernsthaft Sorgen macht, ist die Kooperation mit den türkischen Streitkräften, deren Einsatzbereitschaft nach der Säuberungswelle in Frage steht.  

Darüber hinaus mehren sich Stimmen, die aus Sicherheitsgründen einen Abzug der Nuklearwaffen von der NATO-Basis in Incrilik fordern. Deren türkischer Kommandeur war von Erdogan nach dem Putsch abgesetzt worden.

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erstellt am 11.Aug.2016 | 18:22 Uhr

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