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Politik

03. Dezember 2016 | 05:36 Uhr

US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL 2016 : US-Wahlguru, der immer Recht hatte: Trump gewinnt!

vom
Aus der Onlineredaktion

Geschichtsprofessor Lichtman hat alle Wahlen seit 1984 richtig vorhergesagt. Laut seinem System verliert Clinton.

Washington | Das System, das sich Allan Lichtman zurechtgelegt hat, klingt zunächst kurios: Er verwendet keinerlei Umfragewerte, wie es andere Wahlforscher tun. Denn Lichtman ist kein Politologe oder Empiriker. Er ist Geschichtswissenschaftler.

Umfragen sehen Hillary Clinton überwiegend vor Donald Trump, wenn auch mit schwankendem Abstand. Aber ist Trump bei der Wahl am 8. November tatsächlich chancenlos? Viele, Anhänger wie Gegner Trumps, glauben das nicht und sehen sich durch Thesen wie die von Lichtman bestätigt.

Der Professor an der University of America in Washinton D. C. hat sich alle Wahlen von 1860 (als Abraham Lincoln gewählt wurde) bis 1980 angeschaut. Und daraus ein System von 13 Fragen entwickelt, die jeweils mit „wahr“ oder „falsch“ zu beantworten sind. Einige davon sind recht objektiv zu beantworten, etwa: „Die Wirtschaft befindet sich während des Wahlkampfs nicht in einer Rezession. Wahr oder falsch?“ Andere dagegen sind eher subjektiv: „Der Kandidat der Partei, die aktuell den Präsidenten stellt, ist charismatisch oder ein Nationalheld. Wahr oder falsch?“ (Eine Liste aller 13 Fragen findet sich hier.)

Bei Lichtmans historischen Betrachtungen hat nach seinen Forschungen eines immer gestimmt: Wenn sechs oder mehr der Fragen mit „falsch“ beantwortet wurden, hat der Kandidat der amtierenden Partei immer verloren. Was für Lichtmans System spricht: Seit 1984 hat es immer funktioniert, sagt er. „Ich schaue in keine Kristallkugel. Die Schlüsselfragen basieren auf der Geschichte.“

Clintons Niederlage sagt Lichtman voraus, weil folgende sechs Fragen aus seiner Sicht mit „falsch“  zu beantworten sind:

  • Nach den jüngsten Midterm Elections (den Kongresswahlen zwischen den Präsidentschaftswahlen) hält die regierende Partei mehr Sitze im Repräsentantenhaus als nach den vorhergehenden Midterm Elections.
  • Der Kandidat der regierenden Partei ist der amtierende Präsident.
  • Die amtierende Regierung hat große Politikwechsel bewirkt.
  • Die amtierende Regierung hat einen großen Erfolg in einer diplomatischen oder militärischen Angelegenheit erzielt.
  • Der Kandidat der Regierungspartei ist charismatisch oder ein Nationalheld.
  • Es gibt keine bedeutsame dritte Partei oder einen unabhängigen Kandidaten.

Vor allem der letzte Punkt ist interessant, weil man durchaus streiten könnte, ob die Frage mit „wahr“ oder „falsch“ zu beantworten. Lichtman beantwortet sie mit einem klaren „falsch“ und macht sie deshalb zu seinem Hauptpunkt, warum Clinton verlieren wird. Lichtman führt den Libertären Kandidaten Gary Johnson an, der voraussichtlich mindestens fünf Prozent der Stimmen auf sich ziehen werde. „Das ist ein großes Zeichen von Unzufriedenheit mit der Partei, die im Weißen Haus sitzt“, sagte er der „Washington Post“.

Gary Johnson, Kandidat der Libertarians.
Gary Johnson, Kandidat der Libertarians. Foto: EPA/CJ Gunther

Lichtman führt aber auch an, dass genau dieser sechste Punkt noch kippen könnte: „Er (Johnson) könnte darunter (unter fünf Prozent) fallen, und das würde die Voraussage ändern.“

 Wie sich die aktuellen Wahlkampfthemen entwickeln, hat dagegen laut Lichtman keinen Einfluss auf sein Modell. Wäre sein Denkansatz richtig, müsste sich Clinton in den verbleibenden acht Tagen weniger um Trump und viel mehr um die Anhänger von Gary Johnson kümmern.

In aktuellen Umfragen liegt Clinton mit durchschnittlich 4,3 Prozentpunkten vor Trump. Der Trend ist aber negativ. Am 18. Oktober führte sie noch mit 7,1 Punkten. (Hier gibt es eine Übersicht der aktuellen Umfragen).

In unserem Liveblog können Sie alle aktuellen Ereignisse rund um die US-Wahl verfolgen:

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erstellt am 31.Okt.2016 | 10:59 Uhr

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