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Politik

08. Dezember 2016 | 03:15 Uhr

Donald Trump, Hillary Clinton, Bernie Sanders : US-Präsidentschaftswahlen: Auf dem Weg ins Desaster

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die US-Vorwahlen steuern ihrem Höhepunkt entgegen – und konfrontieren die Parteien mit den grotesken Seiten ihrer Kandidatenkür.

Die republikanische Partei liegt in Trümmern. Die Eliten der Grand Old Party konnten zuletzt nur noch mit ansehen, wie „The Donald“ vom vielfach belächelten Außenseiter zu ihrem Spitzenkandidaten heranwuchs und vom konservativen Profil der Republikaner kaum mehr übrig ließ als eine äußerst hässliche Karikatur.

Die Demokratin Hillary Clinton und der Republikaner Donald Trump dürften sich dabei am Mittwochmorgen rechnerisch die Mehrheiten sichern. Doch damit ist der Wahlkampf noch nicht vorbei. Bernie Sanders will so lange das System anprangern, wie es geht.

Inzwischen hat selbst der einflussreiche Paul Ryan, Sprecher des US-Repräsentantenhauses, jeden Widerstand aufgegeben und sich hinter den Multimilliardär gestellt. Er sei zuversichtlich, dass Trump die „Ideen unserer Agenda in Gesetze umsetzen“ werde, sagte er zuletzt. Es ist das Prinzip Hoffnung.

Die Demontage der Demokraten steht noch bevor – absehbar ist sie bereits heute. Seit Monaten beharren US-Medien zwar darauf, dass Hillary Clinton die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten sein werde. Nur einem hat dies offenbar keiner gesagt: dem US-Senator aus Vermont, Bernie Sanders.

Seine Anhänger sind jung, haben oftmals Hochschul-Abschlüsse und feiern den 75-Jährigen wie einen Helden. Sanders pflegt sein Image als Revolutionär, als anti-kapitalistischer Gegenentwurf zu Clinton und der gesamten Politiker-Kaste in Washington – und stürzt seine Partei damit in ein Dilemma.

Gut 260 Delegierte fehlen Sanders, um gleichauf mit Hillary Clinton zu sein – zumindest dann, wenn man nach jenen Delegierten geht, die von den Wählern bestimmt werden. 475 davon werden allein am Dienstag bei der Wahl in Kalifornien verteilt – so viele wie in keinem anderen Bundesstaat.

Die Superdelegierten als Zünglein an der Waage

Nur ist die Demokratische Partei nicht so demokratisch, wie ihr Name vermuten lässt. Anders als bei den Republikanern gibt es bei den Demokraten noch 585 Delegierte, die als frei gelten. Diese Superdelegierten sind an keinen Wählerwunsch gebunden, es sind die Funktionäre der Partei, das Establishment. Und sie standen bis zuletzt hinter Clinton. Doch je mehr Delegierte Sanders bei Wahlen sammelt, desto offenkundiger wird die fragwürdige Rolle, die Superdelegierte als Zünglein an der Waage spielen.

Genau dies aufzuzeigen, ist Sanders’ Ziel. Ihm geht es um Ideologie und die Kritik am System – nicht um den Sieg. Denn selbst wenn er das unwahrscheinliche Kunststück fertig brächte, auf den letzten Metern genug Delegierte bei Vorwahlen zu sammeln, um mit Clinton gleich auf zu sein – müsste er das unmögliche Kunststück aufführen und zeigen, dass er mit weniger Wahlstimmen der demokratischere Kandidat ist. Andernfalls hätten die Superdelegierten wenig Grund, sich für den Senator zu entscheiden.

Sanders hat von den Caucuses profitiert – langatmigen Versammlungen, bei denen viel diskutiert und gestritten wird. Die Anhänger der einzelnen Kandidaten sammeln sich in Gruppen und bestimmen über die Gruppengröße, die Zahl der Delegierten, die jeder Kandidat später erhalten soll. Vielen Wählern ist das zu viel Aufwand, die Beteiligung ist gering. Nach Berechnungen der John F. Kennedy School in Harvard liegt die Teilnehmerzahl der Caucuses nur bei einem Viertel der Primaries, bei denen es sich um normale geheime Wahlen mit Stimmzetteln und Wahlmaschinen handelt – und selbst bei denen beträgt die durchschnittliche Wahlbeteiligung nur 16 Prozent.

Obendrein finden die Caucuses vor allem in kleinen Staaten statt. Selten geht es um mehr als ein paar zehntausend Stimmen – zu wenig, um den Abstand von drei Millionen aufzuholen, der Clinton und Sanders derzeit trennt. Ändern könnten dies einzig die Primaries in Kalifornien, an denen sich bei den letzten Vorwahlen mehr als fünf Millionen Menschen beteiligten. Dort gilt Clinton am Dienstag aber als Favoritin. 2008 triumphierte sie in dem Sonnenstaat über den späteren US-Präsidenten Barack Obama.

Beruhigt sein kann Clinton dennoch nicht. Schließlich dürfte sich mancher aus dem Establishment der Partei fragen, ob eine Kandidatin, die es nur mit Hilfe der Superdelegierten über die Hürden von 2383 Delegiertenstimmen schafft, geeignet ist, um die in republikanischen Teaparty-Kellern gezüchtete Massenvernichtungswaffe Trump zu stoppen. Längst werden daher ganz andere Namen in Washington diskutiert, die die Demokraten retten sollen – allen voran jener von Vize-Präsident Joe Biden.

Die Vorwahl-Ergebnisse in der Übersicht:

 

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erstellt am 04.Jun.2016 | 15:58 Uhr

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