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Politik

03. Dezember 2016 | 07:51 Uhr

Bundestagswahl 2017 : Urwahl der Grünen: Guter Start für Robert Habeck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum Auftakt der Urwahl des Spitzenkandidatens bekam Habeck viel Beifall. Doch wer das Rennen machen wird, bleibt unklar.

Um es vorwegzunehmen: Einen klaren Sieger gibt es beim Warmlaufen nicht. „Ich finde die Jungs machen uns das echt schwer“, sagt Nordrhein-Westfalens Kultusministerin Sylvia Löhrmann gestern völlig zu Recht, nachdem sich beim kleinen Parteitag der Grünen in Berlin auch der letzte der drei männlichen Bewerber für die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl präsentiert hat.

Parteichef Cem Özdemir, Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter und Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck kommen im alten Umspannwerk am Alexanderplatz umso smarter rüber, als die Parteitagsregie sich etwas Besonderes für alle Redner ausgedacht hat: Sie müssen nicht wie sonst brav hinter einem Pult vor den Delegierten stehen, sondern können frei auf einem flachen Steg zwischen den Zuhörern flanieren. Voll cool, die Grünen.

Habeck mit viel Beifall und fulminanter Rede

Am lässigsten wirkt Özdemir, weil er dank eines vorher schlau organisierten Ansteck-Funkmikros gleich beide Hände frei hat. Zur Strafe bekommt der Streber zwar viel, aber etwas schwächeren Beifall als die beiden anderen. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass er als Erster redet und die Reihen daher noch nicht so eng besetzt sind. Özdemir mahnt die Partei, sich weniger mit sich selbst zu beschäftigen: „Wir sind kein Selbstfindungskreis, sondern eine politische Partei – bitte keine Selbstgespräche!“, ruft er den 60 Delegierten zu.

Er appelliert an die Grünen, sich im Streit um die Steuerpolitik auf einen gemeinsamen Kurs zu einigen. Und er will trotz der ihm nachgesagten Vorliebe für Schwarz-Grün keine Spekulationen über Bündnispartner für 2017: „Ich hab ja nichts gegen Koalitionsüberlegungen – aber bitte nach der Wahl!“

Als zweiter Kandidat ist Habeck an der Reihe. Der Kieler hält eine fulminante Rede und bekommt trotz des Auswärtsspiels in Berlin tosenden Applaus. Nach dem jüngsten Wahlerfolg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern sei Politik so „relevant wie nie zuvor“, ruft Habeck und fragt: „Wer gibt uns denn die Sicherheit, dass nicht in fünf Jahren Frauke Petry oder Alexander Gauland im Bundeskabinett sitzen?“ Dann würden wie schon in Polen oder Ungarn all die Werte bedroht, deretwegen er den Grünen beigetreten sei – wie Offenheit, Freiheit und Toleranz. Um diese Gefahr abzuwenden, müssten die Grünen jetzt kraftvoll loslegen. „Mehrheitsfähig, optimistisch, kampfeslustig – das ist unsere Aufgabe!“, ruft Habeck ins Handmikrofon. Dazu müsse die Partei mit der gesamten Gesellschaft sprechen, „nicht nur mit dem eigenen Milieu“.

Wer die Urwahl gewinnen wird, scheint unklarer denn je

Als Letzter der drei Kandidaten tritt Hofreiter auf den Rede-Steg. Er ist von ihnen der einzige, der für die Parteilinke steht und Rot-Rot-Grün nach der Wahl wohl besser fände als Schwarz-Grün. Hofreiter warnt wie Habeck vor dem Erstarken rechtsextremer Parteien in Europa und hält diese Gefahr für umso besorgniserregender, als sich die globalen Probleme nur in der EU lösen ließen – nicht aber mit einem „Rückzug in die Nationalstaaten“. Und Hofreiter macht eine Anleihe bei Angela Merkel: „Ja, wir schaffen eine Welt in der es unseren Kindern besser gehen wird!“, ruft er. Dafür erhält der Bundestagsfraktionschef auf seinem Hauptstadtparkett den längsten und lautesten Beifall.

Kurz präsentiert sich dann noch Hofreiters Ko-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt – die bisher einzige und daher unumstrittene Bewerberin für den weiblichen Spitzenplatz bei der Bundestagswahl. Dann ist es so weit: Zum zweiten Mal nach 2013 beschließen die Grünen, ihr Spitzenduo für die Bundestagswahl per Befragung der fast 60.000 Mitglieder zu bestimmen. „Basis ist Boss“ steht groß an der Wand. Am 2. Dezember soll die Urwahl losgehen, bis zum 13. Januar dauern. Tags darauf wird das Ergebnis bekannt gegeben. Wer bei den Männern gewinnen wird und später womöglich sogar mal Vizekanzler, scheint seit gestern allerdings unklarer denn je.

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erstellt am 10.Sep.2016 | 18:41 Uhr

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