zur Navigation springen

Politik

11. Dezember 2016 | 08:58 Uhr

Terror und Bundeswehr : Ursula von der Leyen: „Wir müssen wachsam sein“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will den Terror auf allen Ebenen bekämpfen – insbesondere mit Unterstützung aus SH.

Flensburg | Die politische Sommerpause verläuft für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wenig entspannend. Die jüngsten Terroranschläge des Islamischen Staates haben die Diskussionen über einen Einsatz der Bundeswehr neu entfacht. Gleichzeitig bereiten die politischen Spannungen in der Türkei Sorgen. Über den Nato-Bündnispartner möchte die CDU-Politikerin im Interview mit unserer Zeitung nicht sprechen. Wohl aber über die Gefahren durch den Terror, die Bedeutung des Standortes Schleswig-Holstein für die Bundeswehr und die Rekrutierung des Nachwuchses.

Frau Ministerin, mit dem Sprengstoffanschlag von Ansbach ist der Terror des sogenannten Islamischen Staates auch in Deutschland angekommen. Gleichzeitig wachsen die politischen und militärischen Spannungen in der Welt. Welche Herausforderungen ergeben sich hierdurch für die deutsche Verteidigungspolitik?
Deutschland ist bereits seit geraumer Zeit – wie andere europäische Staaten auch – im Fadenkreuz des Terrors. Darüber sollten wir uns bewusst sein. Wir müssen gemeinsam mit anderen Staaten den Terror auf vielen Ebenen bekämpfen. Zunächst militärisch im Irak und in Syrien, wo wir ja auch unterstützend tätig sind. Aber vor allem auch politisch und ideologisch, um den Nährboden zu zerstören, auf dem junge Menschen in diese menschenverachtende Ideologie gezogen werden. Zwei Dinge sind hier in Deutschland angesichts der angesprochenen Anschläge zu beherzigen. Erstens müssen wir zusammenhalten und uns nicht spalten lassen. Wir dürfen die Angst nicht dominieren lassen. Zweitens sollten wir gut vorbereitet sein. Wir sind stark, aber es ist erforderlich wachsam zu sein. Dies ist auch das Thema der gemeinsamen Anti-Terror-Übung von Polizei und Bundeswehr, die wir brauchen, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Für Schleswig-Holstein haben Heer, Marine und Luftwaffe seit jeher eine besonders große Bedeutung. Wie wichtig sind die Standorte im Norden – auch in Bezug auf die Ausbildung des Nachwuchses?

Schleswig-Holstein ist enorm wichtig für uns. Es hat die zweithöchste Stationierungsdichte in Deutschland – das sagt schon einiges. Alleine über 15 600 Dienstposten und 22 Standorte. Ganz besonders stolz sind wir auf die großen Schulen in Plön, Appen und Flensburg. Hier wird der Nachwuchs entscheidend geprägt. Aber natürlich sind auch Soldatinnen und Soldaten aus Schleswig-Holstein in fast allen Einsätzen vertreten. Sei es im Mittelmeer, in Afghanistan, in Mali oder in Syrien mit den Tornados. Schleswig-Holstein ist für uns von großer Bedeutung.


Der Fachkräftemangel und demografische Wandel machen auch vor der Bundeswehr keinen Halt. Welche Rolle können Flüchtlinge und Migranten bei der Rekrutierung von neuem Personal spielen?

Die Bundeswehr muss immer ein Spiegel der Gesellschaft sein. Wir nehmen nur Bewerber mit deutschem Pass. Inzwischen hat aber jeder Sechste in der Bundeswehr einen Migrationshintergrund. Das ist für uns ein großer Gewinn. Denn auf allen Schauplätzen der Welt, auf denen wir mit Auslandsmissionen vertreten sind, brauchen wir ganz viel Wissen über andere Kulturen. Menschen mit Migrationshintergrund kennen dies oft bereits aus ihrer Familie. Ein zweiter Punkt ist das Thema Flüchtlinge. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, ihnen eine Perspektive zu liefern. In drei Wochen werden wir mit einem Pilotprojekt beginnen, in dem wir syrische Flüchtlinge in zivilen Berufen ausbilden. Beispielsweise im Bereich der Medizin, des Handwerks oder der Logistik. Immer mit dem Gedanken, dass das geschundene Syrien eines Tages wieder junge Menschen braucht, die dazu beitragen können, ihr Land aufzubauen. Da wollen wir mit unserer großen Ausbildungslandschaft einen Teil zu beitragen. Dabei geht es nicht um eine mögliche Einstellung in die Bundeswehr.

Kommen wir zum Schluss noch einmal zur Marine: Wie kann es gelingen, sie im Spannungsfeld zwischen langer Seefahrt und Familie dauerhaft attraktiv zu machen?

Es muss gelingen und dazu gibt es auch viele gute Ideen. Wie für jeden Beruf gilt: Wenn man in der Moderne bestehen will, muss man Beruf und Familie vereinbaren können. Die Seefahrt hat natürlich durch ihre langen Abwesenheiten eine Besonderheit, die sie auch immer behalten wird. Aber wir können die Rahmenbedingungen modernisieren. Dies beginnt bei der Kommunikation, die auf der See kostenfrei und überall möglich sein muss. Wenn man jeden Tag mit seiner Familie sprechen kann, hilft das schon sehr. Zweitens haben wir das Mehrbesatzungskonzept entwickelt. Früher ging eine Besatzung mit dem Schiff aus und blieb für Monate draußen. Heute fliegen wechselnde Besatzungen ein. Die Trennungszeiten von der Familie werden hierdurch kürzer. Wichtig ist auch, dass es an Land – also zu Hause – geregelte Arbeitszeiten gibt, damit die Balance zwischen Freizeit, Familie und Dienst stimmt. Das Thema Kinderbetreuung darf ebenfalls nicht vergessen werden. Wir finden es klasse, wenn sich junge Menschen für uns entscheiden und gleichzeitig Familie haben. Dafür benötigen sie Zeit und die wollen wir ihnen auch geben.
 

zur Startseite

von
erstellt am 06.Aug.2016 | 11:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen