zur Navigation springen

Politik

06. Dezember 2016 | 11:16 Uhr

Nach Tod von Fidel Castro : Ungewisse Zukunft für die US-kubanischen Beziehungen

vom

Donald Trumps Politik gegenüber Kuba nach dem Tod Fidel Castros ist die erste Probe aufs Exempel, meint Thomas Spang.

Miami/Havanna | Nur eines darf nach dem Ableben des Revolutionsführers Fidel Castro als sicher gelten: Die Freude der Exil-Kubaner über das Ende eines Diktators, der über mehr als ein halbes Jahrhundert die Geschicke der Zuckerinsel prägte. Der Jubel auf der „Calle Ocho“ in der „Little Havanna“-Nachbarschaft von Miami wird über alle politischen Lager hinweg als Erlösung empfunden.

Kubas Ex-Präsident Fidel Castro ist am Freitagabend im Alter von 90 Jahren gestorben. Castro regierte Kuba 47 Jahre lang. Er trotzte in der Zeit zehn US-Präsidenten. Auch nach seinem krankheitsbedingten Rückzug 2006 bestimmte er als graue Eminenz im Hintergund die Geschicke der sozialistischen Karibikinsel mit. Die historische Aussöhnung zwischen Kuba und den USA, die in der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen 2015 und dem Besuch von Präsident Barack Obama in Havanna im März 2016 gipfelte, verfolgte Fidel Castro mit unüberhörbarer Skepsis.

Präsident Barack Obama drückt sich in seiner sorgfältig formulierten Stellungnahme zum Tode Castros diplomatischer aus, meint aber dasselbe. „Dieser Moment erfüllt Kubaner (...) mit starken Emotionen, die auf vielfältige Weise in Erinnerung rufen, wie Fidel Castro den Verlauf einzelner Leben, von Familien und der kubanischen Nation beeinflusst hat.“

Sehr viel ungewisser bleibt, wie es nun weitergeht in dem Verhältnis zwischen der Supermacht und der kommunistischen Karibikinsel auf der anderen Seite der Straße von Florida. Angesichts der überlebensgroßen Rolle, die der Diktator selbst nach der freiwilligen Übergabe der Macht an seinen jüngeren Bruder Raul 2008 spielte, lässt sich nur darüber spekulieren, welche Auswirkungen Castros Tod auf das Regime in Havanna hat. Wie in vielen anderen Diktaturen dürfte das Ableben des 90-jährigen Revolutionsführers zunächst einmal Verunsicherung auslösen.

Die offene Frage ist, was Raul aus der Situation macht. Er kann die Repressionen lockern, demokratische Reformen erlauben und die Wirtschaft weiter öffnen. Denkbar scheint aber auch das Gegenteil: Ein beharrliches Festhalten an der Einparteien-Herrschaft, die Verfolgung der Opposition und eine halbherzige Öffnung der Märkte. 

Mindestens so unklar stellt sich die Situation in den USA dar, die unter Präsident Obama eine historische Kurswende in dem traumatischen Verhältnis der Nachbarländer eingeleitet haben. Dazu gehört die Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen, die Lockerung des Reisebanns inklusive der Rückkehr direkter Flugverbindungen sowie Erleichterungen im Geldverkehr. 

Obama betrachtet die 2014 geheim unter Vermittlung des Vatikan ausgehandelte Annäherung als Teil seines politischen Erbes. Die Amerikaner stehen mehrheitlich hinter der neuen Politik und bei den Exil-Kubanern findet sie geteilte Unterstützung. Während die jüngeren Kubaner den Kurs Obamas für richtig halten, gibt es vor allem bei den älteren anhaltenden Widerstand.

Der künftige US-Präsident hat zu dem bilateralen Verhältnis bisher nicht viel gesagt. Und das, was Trump von sich gab, lässt sich in jede Richtung hin interpretieren. Als Geschäftsmann schickte er Emissäre nach Havanna, die dort sein Interesse am Bau eines Golfplatzes ventilierten. Gut denkbar, dass ein Präsident Trump die Öffnungspolitik aus Eigennutz weiterlaufen lässt. Dass er im Wahlkampf die Veteranen der „Brigade 2506“ hochleben ließ, die in der gescheiterten Invasion der Schweinebucht 1961 kämpften, deutet in die gegenteilige Richtung.

Experten werten die Berufung des Anti-Castro-Hardliners Mauricio Claver-Carone in das Übergangsteam Trumps als Hinweis auf eine Restauration der gescheiterten US-Kuba-Politik der vergangenen fünf Jahrzehnte. „Das ist sicher ein Schritt, den die kubanische als sehr alarmierend empfindet“, sagt der Politologe Richard Feinberg von der University of California in San Diego.

Vielleicht ist es aber auch nur Bluff des künftigen Präsidenten, der Unberechenbarkeit zu einem Instrument der Außenpolitik machen möchte. Seine Politik gegenüber Kuba nach dem Tod Fidel Castros ist die erste Probe aufs Exempel.           

zur Startseite

von
erstellt am 27.Nov.2016 | 18:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen