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Politik

10. Dezember 2016 | 13:53 Uhr

Syrien-Krieg : UN-Sondergesandter fürchtet Vernichtung Aleppos bis Weihnachten

vom

Die Großstadt Aleppo ist geteilt: Der von Rebellen besetzte Osten könnte bald nur noch ein Trümmerhaufen sein.

Aleppo | Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hat vor einer völligen Zerstörung des östlichen Teils von Aleppo im syrischen Bürgerkrieg gewarnt. Wenn das Bombardement so weitergehe wie derzeit, dann „wird es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben“, sagte de Mistura im Interview der „Süddeutschen Zeitung“.

Im Syrien-Krieg ist kein Ende absehbar. Die Fronten zwischen den Regierungstruppen und verschiedenen Rebellengruppen sind völlig verhärtet. Über die Lösung des Konflikts sind auch Russland und die EU völlig uneins.

Er habe den Eindruck, dass die syrische Führung dort eine beschleunigte militärische Entscheidung anstrebt. Im belagerten Osten der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind nach seinen Angaben schätzungsweise 255.000 Menschen eingeschlossen.

Nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff wurde ein Video publik, in dem ein Junge fragt, ob er jetzt sterben müsse. Es bringt die Willkür der Gewalt in wenigen Minuten auf den Punkt.

 

Den Regierungstruppen könne es zwar gelingen, die Rebellengebiete in Ost-Aleppo zu übernehmen, „wenn es fast zerstört ist“, sagte de Mistura. In diesem Fall drohe aber eine „große Tragödie für die Menschen“, und es würde „Zehntausende Flüchtlinge geben, die sich Richtung Türkei bewegen“. De Mistura hatte am Wochenende versucht, eine Waffenruhe für Ost-Aleppo zu erreichen, das Regime von Präsident Baschar al-Assad habe jedoch abgelehnt.

Aufnahme einer schwer beschädigten Straße in Aleppo. Zouhir al Shimale
Aufnahme einer schwer beschädigten Straße in Aleppo. Zouhir al Shimale Foto: Zouhir Al Shimale
 

Selbst wenn es der Regierung gelinge, Ost-Aleppo zurückzuerobern, könne der Konflikt nur durch eine politische Lösung dauerhaft beigelegt werden, betonte der Sondergesandte. Andernfalls befürchte er „für die nächsten Jahre einen fortgesetzten Guerillakrieg in den ländlichen Gebieten sowie Autobomben in den Städten“.

Die humanitäre Lage in den Rebellengebieten der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo spitzt sich immer weiter zu. „Die Lebensmittelvorräte im östlichen Teil der Stadt gehen zur Neige“, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Ingy Sedky.

Viele Grundnahrungsmittel seien entweder sehr teuer oder gar nicht mehr auf den Märkten zu kaufen, erklärte sie weiter. Auch die Ölvorräte seien in vielen Vierteln auf einen kritisch niedrigen Stand gesunken, so dass die Menschen keinen Strom mehr hätten.

Die Rettungsorganisation Weißhelme berichtete, die Lage werde jeden Tag schlechter. „Die Vorräte an Mehl für die Menschen reichen noch für 15 Tage“, sagte Ibrahim al-Hadsch von den zivilen Rettungshelfern. „Auch fast alle medizinischen Vorräte gehen zu Ende. Die Menschen sind verzweifelt und besorgt wegen der nächsten Tage.“

Kräfte des Regimes schneiden Aleppos Osten seit Anfang September von der Außenwelt ab. Sedky erklärte, das IKRK habe diese Gebiete seit April nicht mehr erreichen können. Dort leben noch rund 250.000 Menschen. Angriffe auf Krankenhäuser haben zudem zu einem Kollaps der medizinischen Versorgung geführt.

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erstellt am 25.Nov.2016 | 10:18 Uhr

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